Ultraschall

3D-Bild in Schwangerschaft: Darum wird das Baby-TV verboten

Ab 2021 dürfen werdende Eltern ohne medizinischen Grund keine Bilder mehr von ihrem ungeborenen Kind machen lassen. Warum ist das so?

Mithilfe eines 3D- oder 4D-Ultraschalls können Eltern das Gesicht ihres Kindes sehen.

Mithilfe eines 3D- oder 4D-Ultraschalls können Eltern das Gesicht ihres Kindes sehen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Mareen Fischinger / picture alliance / Westend61

Berlin. Ende des 3D-Ultraschalls für Schwangere: Als der Berufsverband der Frauenärzte im Vorfeld eines großen Kongresses im Februar darauf hinwies, dass das sogenannte Baby-TV ab Ende 2020 aufgrund der neuen Strahlenschutzverordnung verboten sein wird, war die Aufregung unter Eltern und solchen, die es noch werden sollten, groß.

Denn ein Verbot könnte darauf hindeuten, dass die Herstellung dieser 3D- oder 4D-Bilder des eigenen Kindes im Mutterleib ein Risiko darstellten. Dass sie dem Ungeborenen schaden könnten und bislang niemand davor gewarnt hatte.

Doch Mediziner wiesen damals eine grundsätzliche Kritik an Ultraschalluntersuchungen von Schwangeren zurück. Nun hat sich die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) erneut zu dem Thema positioniert. Das Wichtigste im Überblick.

3D-Ultraschallverbot für Schwangere - Was soll künftig verboten sein?

Ab dem 1. Januar 2021 sollen 3D-Ultraschallaufnahmen bei Schwangeren verboten sein, die allein einem kommerziellen Zweck dienen. „Es bleibt also nur noch jene Sonografie erlaubt, die zur gesetzlichen Schwangerschaftsvorsorge gehört und die zur Abklärung von medizinischen Fragestellungen notwendig ist“, sagt DEGUM-Vizepräsident Dr. Kai-Sven Heling. Doch viele Eltern seien nun gänzlich verunsichert und stellten alle Ultraschalluntersuchungen infrage, sagt der Pränatalmediziner.

Was steht hinter dem Verbot?

Das Verbot ist Teil der neuen Strahlenschutzverordnung, die seit Ende 2018 gilt. Die Verordnung regelt eigentlich den Umgang mit ionisierender Strahlung, wie sie etwa beim Röntgen entsteht. Doch in der überarbeiteten Version ist nun auch die Sonografie erfasst – von der jedoch keine Strahlung ausgeht.

Dort heißt es nun, dass ein Fötus bei der Anwendung von Ultraschallgeräten zu nicht-medizinischen Zwecken nicht exponiert werden darf. Sprich: Besteht kein medizinischer Grund, darf ein Ungeborenes nicht dem Ultraschall ausgesetzt werden.

Was ist Baby-Watching?

Damit ist eine Ultraschalluntersuchung gemeint, die ausschließlich dazu dient, schöne Bilder des Ungeborenen zu machen. Meist wird dafür ein 3D- oder 4D-Ultraschall gemacht, wobei Impulse in verschiedene Ebenen ausgesendet werden. Ein Computer errechnet hinterher ein plastisches Bild.

„Mithilfe von 3D-Sonografie sind Gesicht, Hände und Füße, manchmal auch das Geschlecht zu sehen“, sagt Heling. 4D könne Bewegung und eventuell auch die Mimik des Ungeborenen zeigen. Angeboten wird das Baby-TV auch von Nicht-Medizinern.

Entgegen dem Eindruck, der durch das künftige Verbot entstanden ist, sei 3D- und 4D-Ultraschall noch weniger belastend als ein normaler Ultraschall, sagt Heling, denn die Schallintensität sei geringer.

Welche Risiken gibt es bei einer Ultraschalluntersuchung?

Nach bisherigem Forschungsstand geht von einer Sonografie in der Schwangerschaft bei fachgerechter Anwendung kein Risiko aus. „Trotz jahrzehntelanger intensiver Forschungsarbeit gibt es nach wie vor keine Studienergebnisse, die darauf hindeuten, dass Ultraschalluntersuchungen in der Schwangerschaft irgendeine Gesundheitsbelastung für das ungeborene Kind darstellen“, sagt Kai-Sven Heling.

Kritiker sehen jedoch eine Gefahr in der Erwärmung von Gewebe durch die Ultraschallimpulse. „Aus diesem theoretischen Risiko die Schlussfolgerung zu ziehen, jede Ultraschalluntersuchung birgt ein Gefährdungsrisiko, ist bar jeder Physik“, sagt der Pränatalmediziner Dr. Jochen Frenzel, Landesvorsitzender des Berufsverbands der Frauenärzte im Saarland, und erklärt es so: Die angemahnte potenzielle Wärmebelastung des Kindes stelle nur ein theoretisches Risiko dar. „Es gibt einen Schwellenwert von 0,7, den alle Geräte erfüllen müssen. Unterhalb dieses Wertes besteht überhaupt keine Gefahr“, sagt Frenzel.

Dieser sogenannte Thermische Index (TI) besagt: Würde man das Gewebe für eine Stunde beschallen, würde es sich um 0,7 Grad Celsius erwärmen. Eine sehr theoretische Angabe, denn erstens dauern Untersuchungen selten so lange und zweitens haben die meisten Ultraschallgeräte einen TI weit unterhalb des Grenzwertes.

Eine Ausnahme bildet die sogenannte gepulste Dopplersonografie, mit deren Hilfe der Sauerstoffgehalt in den Blutgefäßen des Ungeborenen gemessen werden kann. Hier liegt der TI laut Frenzel viel höher: zwischen 1,4 und 1,7. „Aber wir beschallen damit in der Regel nur Gefäße außerhalb des Kindes etwa in der Nabelschnur und die Untersuchung dauert wenige Sekunden.“ Außerdem dürften nur Ärzte den Doppler durchführen, die entsprechend geschult wurden.

Reproduktionsmedizin: Das eigene Kind im fremden Bauch

Sehen Pränatalmediziner das 3D-Ultraschall-Verbot auch positiv?

Sie begrüßen das künftige Verbot kommerzieller Angebote. „Ich gönne den Familien diese Bilder ihres Kindes wirklich“, sagt Frenzel, „aber die Ausführung des Baby-TV liegt oft in den Händen von Nicht-Ärzten. Das sehen meine Kollegen und ich kritisch.“

Heling stimmt zu: Beim Baby-Watching gehe es nicht darum, den Fötus systematisch zu untersuchen. „Fehlbildungen und andere Probleme könnten übersehen werden. Aber die Schwangere ist meist ein medizinischer Laie.“ Wenn dann gesagt werde: „Alles gut“, dann glaube die Schwangere natürlich: Alles sei gut.

Wissen: Hirnschäden: Arzt warnt Schwangere vor veganer Ernährung

Ratgeber: Bis wann sollen Mütter stillen? Das raten Ärzte und Hebammen

Welche Ultraschalluntersuchung bleibt weiterhin erlaubt?

Der Gesetzgeber empfiehlt in seiner Mutterschaftsrichtlinie drei Ultraschalluntersuchungen, die auch von der Krankenkasse bezahlt werden – zwischen der neunten und zwölften, zwischen der 19. und 22. und zwischen der 29. und 32. Schwangerschaftswoche. „So können wir kontrollieren, wie sich der Fötus entwickelt und können den Geburtstermin bestimmen“, sagt Heling.

Finden Ärzte bei diesen Untersuchungen eine Auffälligkeit wie eine Mehrlingsschwangerschaft, ein untypisch großes oder kleines Kind oder Auffälligkeiten an den Organen, können sie eine sogenannte Feindiagnostik anordnen. Dabei können Herz, Arme, Beine, Gehirn und Gesicht des Fötus untersucht werden. Hier kommt oft ein 3D-Ultraschall zum Einsatz.

(Laura Réthy)