„Eigentlich habe ich mit Tourismus gar nichts am Hut“, scherzt Björn Viergutz. „Außer, dass ich selbst gern reise.“ Der 29-Jährige ist Geschäftsführer von Juvigo. Der Firmenname steht für ein Start-up, das er vor knapp vier Jahren gegründet hat: eine Online-Plattform, über die die Nutzer Kinder- und Jugendreisen buchen können.

Wie es dazu kam? Björn Viergutz holt etwas aus, als er von den Hintergründen erzählt. „Ich war jahrelang selbst Camp-Leiter.“ Im Alter von 18 Jahren habe er sein erstes Feriencamp mit 150 Kindern im Thüringer Wald geleitet und war damit jünger als so mancher Betreuer. „Das war wohl der Einstieg in die Branche“, mutmaßt er.

Masterabschluss in VWL an der Humboldt-Uni

Schon während seines VWL-Studiums gründete er Juvigo. Seinen Bachelorabschluss hat Viergutz in Tübingen gemacht, ehe er dann an der Humboldt-Universität zu Berlin mit dem Mastertitel seine Ausbildung abschloss. Die Semesterferien und fast seine gesamte Freizeit nutzte er, um die Plattform zunächst für lokale Reiseveranstalter aufzubauen. „Denen fehlt es einfach an Lust und Zeit sowie am Know-how, um moderne Online-Auftritte zu gestalten und zu pflegen“, sagt der Volkswirt.

Der 29-Jährige versteht Juvigo als eine Art Online-Reisebüro: Statt nur mit dem eigenen Internetauftritt auf dem Reisemarkt mitzumischen, haben Anbieter bei ihm die Möglichkeit, ihre betreuten Ferienreisen für Sechs- bis 21-Jährige über sein Travel-Start-up zu vermarkten. Die Nutzer wiederum müssen nicht mehr mehrere Webseiten durchforsten, sondern können gezielt auf einem einzigen Portal stöbern. Im Jahr 2017 gewann das Portal den Innovationswettbewerb „Sprungbrett“ des Verbands Internet Reisevertrieb.


Bei Schwierigkeiten nicht aufgeben

Mit zehn Veranstaltern ist Juvigo 2015 an den Start gegangen. „Anfangs musste ich noch viel herumtelefonieren und akquirieren“, erzählt Viergutz. „Dabei war es wichtig, am Ball zu bleiben und bei Schwierigkeiten nicht gleich aufzugeben – eine Devise, die mir das Studium mitgegeben hat.“

Inzwischen läuft es von selbst. „Man hat uns entdeckt“, sagt der Gründer. „Auch große Veranstalter sind aufmerksam geworden.“


Vertrauen der Reiseveranstalter gewinnen

Das sei die größte Herausforderung beim Aufbau seines Start-ups gewesen: das Vertrauen der Reiseveranstalter zu gewinnen und zuverlässige Partner zu finden. Auf deutschlandweit mehr als 70 Reiseanbieter ist das Portal bereits angewachsen. Nutzer können sich informieren, beraten lassen und bei Gefallen schließlich buchen. Im Angebot sind Kinder- und Jugendcamps, Reiterferien, Surfcamps und Sprachreisen.

Entsprechend vergrößert hat sich auch das junge Unternehmen. 15 Mitarbeiter zählt Juvigo inzwischen. Björn Viergutz: „Wir sind ein bunt gemischtes Team aus der IT und dem Tourismus, haben aber auch Einzelhandelskaufleute und Geografen dabei.“ Das Team, dessen Durchschnittsalter bei knapp 30 Jahren liegt, wachse weiter, Verstärkung werde immer noch gesucht.


Ansprüche an eine gute Jugendreise

Wann ist für Björn Viergutz eine Kinder- oder Jugendreise gelungen? „Der Transfer muss sicher und gut klappen. Eine saubere Unterkunft und ein interessantes Programm, bei dem keine Langeweile aufkommt, sind wichtig“, zählt er auf.

Insofern spielten auch die Betreuer eine wichtige Rolle. Und darüber hinaus müsse auch die Verpflegung stimmen. Viergutz, der selbst gern Kanu fährt und windsurft, orientiert sich an den Qualitätskriterien des Deutschen Fachverbands für Jugendreisen Reisenetz und des BundesForums Kinder- und Jugendreisen.

Wer an einer von Juvigo vermittelten Reise teilgenommen hat, kann sie anschließend bewerten. „Gute Bewertungen sind nette Feedbacks, aber auch schlechte Kundenbewertungen halte ich für wichtig“, sagt Björn Viergutz. „Die reichen wir weiter, damit bestehende Probleme erkannt und aus dem Weg geräumt werden können.“


Europa ist das Ziel

Für die Zukunft plant er den Ausbau seines Portals. Denn je mehr Angebote die Plattform vereint, desto besser. Zumal sich damit Juvigos Bekanntheit und Auffindbarkeit in Netz weiter erhöht. Im Aufbau ist bereits die Zusammenarbeit mit holländischen Surf- und Segelschulen sowie belgischen Reiseanbietern für Kinder und Jugendliche. Damit sollen neben Deutschen auch Niederländer und Belgier als Juvigo-Kunden in den Fokus rücken. Ziel von Björn Viergutz, der auch Spanisch und Französisch spricht, ist ein europäisches Projekt.

„Gerade in grenznahen Regionen bietet sich ein Austausch an“, findet er. „Kinder und Jugendliche sollen damit Offenheit entwickeln.“ Er hofft, mit der Reisevermittlung für junge Leute auch etwas für das Miteinander verschiedener Nationen zu tun.