Rauchen

Umstrittene E-Zigarette Juul kommt auf deutschen Markt

Juul ist in den USA extrem erfolgreich und umstritten: Viele Schüler greifen zu der E-Zigarette. Bald gibt es sie auch in Deutschland.

Die Juul-E-Zigarette wird jetzt auch in Deutschland verkauft.

Die Juul-E-Zigarette wird jetzt auch in Deutschland verkauft.

Foto: Magdalena Tröndle / dpa

Hamburg.  Mit der Juul ist ab diesem Mittwoch eine umstrittene E-Zigarette in Handel gekommen. Der Verkauf beginne zunächst in rund 1000 Tabakgeschäften und sogenannten Vape Stores im gesamten Bundesgebiet, teilte der Hersteller Juul Labs in Hamburg mit, wo die deutsche Tochtergesellschaft ihren Sitz hat.

Das Unternehmen behauptet, ausschließlich erwachsene Raucher ansprechen zu wollen, um sie vom gesundheitsschädlichen Tabakkonsum abzubringen. Tatsächlich aber ist Juul in den USA sehr beliebt bei Jugendlichen.

E-Zigarettenmarke Juul mit hohem Nikotin-Anteil

„Juul“ und „juulen“ sind Ausdrücke, die an Universitäten und High-Schools in den USA mittlerweile fast jeder kennt. Die E-Zigarette, die seit etwa drei Jahren in Geschmacksrichtungen wie Mint, Mango oder Tabak auf dem amerikanischen Markt erhältlich ist, hat sich rasend schnell in den USA verbreitet. Warum Forscher den Boom der E-Zigaretten skeptisch sehen.

Für viele dürfte es der erste Kontakt mit dem Suchtmittel Nikotin sein. Anders als bei herkömmlichen Zigaretten entsteht bei der elektronischen Variante allerdings kein Tabakrauch, der viele schädliche Stoffen enthält.

Extrem hoher Nikotingehalt in den USA

Juul soll auf dem deutschen Markt in fünf Geschmacksrichtungen mit einem Nikotingehalt von 20 Milligramm je Milliliter angeboten werden. Das entspreche dem zulässigen europäischen Höchstwert. Deutschland ist der siebte Markt, auf dem Juul zu kaufen ist.

In den USA bietet Juul seine Produkte mit deutlich höheren Nikotinwerten an, diese sind in Europa aber nicht zulässig. Die verkaufsüblichen Juul-Kapseln in den USA enthalten 59 Milligramm Nikotin pro Milliliter. Das entspricht einer Nikotin-Konzentration von 5 Prozent und ist selbst für erfahrene Raucher extrem viel. Erst seit einigen Monaten sind in den USA auch Kapseln mit geringeren Dosierungen erhältlich.

Das von zwei Stanford-Studenten in Kalifornien gegründete Startup konnte gegen Großkonzerne wie Philip Morris in den USA einen Marktanteil bei E-Zigaretten von 70 Prozent erreichen. In Deutschland wird der Markt für E-Zigaretten auf 300 bis 400 Millionen Euro geschätzt, bei steigender Tendenz.

Marlboro offenbar vor Einstieg bei E-Zigarette Juul

Laut einem US-Zeitungsbericht will der Marlboro-Hersteller Altria bei Juul einsteigen. Die Unternehmen könnten noch diese Woche einen Deal verkünden, bei dem Altria 12,8 Milliarden Dollar (11,3 Mrd Euro) für einen Anteil von 35 Prozent hinlegen würde, schrieb das „Wall Street Journal“ am Mittwoch (Ortszeit) unter Berufung auf Insider. Insgesamt würde Juul mit 38 Milliarden Dollar bewertet.

Altria und Juul äußerten sich zunächst nicht dazu. Sollte es zum Deal kommen, hätte Juul seine Bewertung innerhalb weniger Monate mehr als verdoppelt und würde höher taxiert als bekannte private Silicon-Valley-Firmen wie Airbnb oder SpaceX. Juul wächst rasant dank neuartiger E-Zigaretten, die an USB-Sticks erinnern und über die aromatisierter, nikotinhaltiger Dampf eingeatmet werden kann.

Krebsforscherin warnt vor E-Zigaretten

Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum äußert große Bedenken. „Auch wenn E-Zigaretten deutlich weniger Schadstoffe enthalten als herkömmliche Zigaretten, sind E-Zigaretten gesundheitlich bedenklich und besitzen ein Abhängigkeitspotenzial – letzteres gilt insbesondere für Juul, die selbst bei Einhalten der gesetzlichen Vorgaben mit 20 Milligramm pro Milliliter sehr viel Nikotin enthält.“

Auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler (CSU), sagte im vergangenen Monat: „Der Fall Juul zeigt, dass man den E-Zigarettenmarkt nicht sich selbst überlassen kann. Wir müssen uns genau anschauen, ob die aktuelle Obergrenze beim Nikotin so in Ordnung ist.“

Die US-Gesundheitsbehörde FDA veröffentlichte im November alarmierende Zahlen zur Nutzung von E-Zigaretten unter Schülern in den USA. Die Zahl der US-Konsumenten in der Mittel- und Oberstufe sei innerhalb eines Jahres um 1,5 Millionen angestiegen, hieß es in einer Studie.

Mehr als jeder fünfte Schüler raucht E-Zigarette

Mehr als 3,6 Millionen Schüler hätten angegeben, in den vergangenen dreißig Tagen eine E-Zigarette geraucht zu haben. Alleine an den High Schools habe die Zahl der Nutzer innerhalb eines Jahres um 78 Prozent zugenommen – dort raucht demnach inzwischen mehr als jeder fünfte Schüler E-Zigarette.

Juul reagierte und legte einen Aktionsplan vor. Darin kündigte der Konzern unter anderem an, Werbung auf Social Media einzustellen und den Verkauf von bestimmten Sorten im Einzelhandel zu stoppen. Diese Geschmacksrichtungen sollen nur noch online erhältlich sein – nach einer strengen Überprüfung des Mindestalters. (mbr/dpa)