Entdeckung

Urlaub in der Nebensaison: Ein Winter auf Mallorca

Für die Baleareninsel ist nach dem Ende der Saison noch nicht Schluss. Immer mehr Deutsche kommen im Dezember und Januar nach Mallorca.

Foto: ArtesiaWells / Getty Images

Palma de Mallorca.  Alle Jahre wieder. Immer im Winter. Und immer in derselben Ferienwohnung an der Playa de Palma. Der Rentner Manuel Mühlbeck (75) verbringt mit seiner Partnerin Inge zwei Monate auf Mallorca. Diesmal von Mitte Dezember bis Mitte Februar. „Das Wetter ist uns ziemlich egal. Wind und ein wenig Regen stören nicht. Wir lieben das Licht auf der Insel“, sagt er. „In Deutschland ist es uns dann einfach zu dunkel.“

Statt zu Hause Schnee zu schippen, klappern die beiden im Winter lieber Wochenmärkte ab, erkunden mit dem Mietwagen die Dörfer, fahren ins Tramuntana-Gebirge oder machen einen Bummel durch Palma.

„Und abends, wenn mal wieder nichts für uns im Fernsehen ist, gehen wir ins Deutsche Eck, eine Kultkneipe, die an 365 Tagen geöffnet hat“, sagt Manuel Mühlbeck. „Hier bleiben wir nicht lange allein.“

Zahl der Gäste steigt rasant

Mallorca nach der Saison – es hat sich herumgesprochen, dass die Lieblingsinsel der Deutschen auch dann ihren Reiz hat. Rasant steigt die Zahl der Gäste. In diesem Winter bieten die Fluglinien von Deutschland aus nach Palma de Mallorca 2,3 Millionen Plätze an. Das sind 57,9 Prozent mehr als zum selben Zeitpunkt im vergangenen Jahr.

Das Internetportal Check24 meldet: Mallorca ist das beliebteste Flugziel über den Jahreswechsel. „Unser Angebot für die Winterurlauber ist deutlich gewachsen“, erklärt die balearische Tourismusministerin Isabel Busquets. Anders als früher bleiben viele Hotels einfach geöffnet und locken nun mit günstigen Preisen.

Auch immer mehr jüngere Gäste kommen in der Nebensaison

„Nicht nur Rentner, sondern auch jüngere Gäste kommen mehr und mehr in der Nebensaison auf die Insel“, berichtet auch Nils Lübbe, Produktchef von DER Touristik. In der Regel bleiben sie zehn Tage. „Mallorca im Winter tut einfach gut“, sagt ein Urlauber, mit dem wir auf den Bus vor unserem Hotel warten.

Ein Ausflug in die Inselhauptstadt ist geplant. Vorab erleben wir eine Premiere: Regen-Ponchos mit Kapuzen werden verteilt. Eine erste Vorsichtsmaßnahme gegen schlechtes Wetter. Doch die Wolken verziehen sich. Die Sonne meint es gut mit uns.

Die Inselhauptstadt präsentiert sich von ihrer besten Seite. Seit dem 22. November brennt bereits die Weihnachtsbeleuchtung. Die Altstadt verbreitet ihren ganz eigenen Charme. Tausende Lichter tauchen Straßen und Plätze in weihnachtlichen Glanz.

Die meisten Hotels und Restaurants haben geöffnet

Die Auslagen in den Geschäften in der Shoppingmeile Avenida Jaume III. sind besonders festlich dekoriert. Die meisten Hotels und Restaurants haben geöffnet. Im Café Bosch, dem prominentesten Treffpunkt in der Stadt, sitzen die Menschen draußen und genießen ihren Cortado, einen Espresso, der mit warmer Milch gemischt wird.

Die wohl attraktivsten Anziehungspunkte Palmas im Dezember sind die Weihnachtsmärkte auf dem Plaza ­Mayor, dem Plaza Espana und auf der Flaniermeile La Rambla. Hier gibt es von Naschereien bis zu originellen Krippenfiguren einfach alles.

Die meisten Märkte haben bis Anfang Januar geöffnet. In vielen öffentlichen Gebäuden sind Krippen ausgestellt, die schönste ist im Rathaus am Plaza de Cort zu sehen. Die Krippe spielt auf der Insel in der Adventszeit eine zentrale Rolle. In jedem Haus steht eine, meist von den Kindern selber gebastelt.

Ein seltenes Licht-Phänomen lockt zur Kathedrale in Palma

Palma steckt voller Überraschungen und bietet Sehenswürdigkeiten an jeder Ecke. Wir kommen an der Kathedrale vorbei, Wahrzeichen der Stadt und eine der schönsten Kirchen der Welt. Wenn die Sonne scheint, können Besucher zweimal im Jahr in der Zeit von 8 bis 9 Uhr die Spiegelung der großen Ro­sette unterhalb der anderen Fensterrose beobachten – in der Form einer farbenfrohen Acht. Das Ereignis findet immer im Herbst und im Winter statt, weil die Sonne dann im optimalen Winkel strahlt: zuletzt am 11. November, jetzt wieder am 2. Februar.

Wir flanieren über den Paseo del Borne, kurz Borne genannt, Palmas prominenteste Einkaufsstraße, eine von Platanen gesäumte Allee mit mehreren kleinen Cafés. Ein paar Minuten weiter liegt das Es Baluard, eines der besten Museen Spaniens, eingegliedert in die alten Stadtmauern, bekannt für seine große Kollektion moderner Kunst. Viele der dort ausstellenden Künstler sind Mallorquiner.

Günstige Doppelzimmer zwischen alten Stadtpalästen

Weiter geht es zur Basi­lika Sant Francesco. Sie gehört seit 1756 zu den sieben ranghöchsten katholischen Gotteshäusern. Hier ist Mallorcas großer Sohn Ramon Llull begraben. Der Philosoph und Theologe lebte im 13. Jahrhundert als Einsiedler auf dem 542 Meter hohen Berg Randa im Inselinneren. Im 15. Jahrhundert wurde hier ein Kloster für Franziskanermönche gebaut, zu dem heute ein rustikales Hotel gehört. „Wir sind zwischen Himmel und Erde mit einer einzigartigen Aussicht“, wirbt das Hotel.

Ein Doppelzimmer für zwei Personen ohne Frühstück kostet 53 Euro. Zwischen alten Stadtpalästen und neuen Boutique-Hotels, in den Gassen im Schatten der Kathedrale im Altstadtviertel, liegt das Künstlerviertel La Calatrava.

Abseits der Touristenpfade befinden sich auf kleinstem Raum insgesamt 29 Ateliers, Kunst­hand­werk­stätten und Galerien. Wir treffen uns in Uta Gritschkes Weinhandlung Bodega Santa Clara. Die Deutsche ist Galeristin, lebt seit elf Jahren auf Mallorca und kennt sich bestens in der Künstlerszene aus.

Der berühmteste Wanderweg ist der Gran Recorrido

Versteckt im Labyrinth von La Calatrava liegt das Kloster Santa Clara. Es ist das älteste von fünf Nonnenklöstern in Palma. Beliebt bei den Besuchern ist das Kloster wegen seiner leckeren Plätzchen, die von den Nonnen gebacken und für vier Euro angeboten werden.

Doch die frommen Schwestern bekommt niemand zu Gesicht, auch nicht beim Verkauf der Süßigkeiten. Sie bleiben unsichtbar hinter einer drehbaren Klappe. Gesprochen wird nur das Notwendigste. Man sagt, welches Gebäck man will, legt das Geld in die Klappe und kurze Zeit später kommen die gewünschten Plätzchen.

Für die nächsten Tage stehen Wandern und Radtouren auf dem Programm. Der berühmteste Wanderweg ist der 150 Kilometer lange Gran Recorrido 221, bekannt als Trockenmauer­route. Sie führt von Port d’Andratx bis nach Pollenca quer durch die Serra de Tramuntana. Oft liegt hier oben auch Schnee.

Es gibt zahlreiche Berghütten, in denen man übernachten kann. Oben auf den Gipfeln leben noch Mönchsgeier, die vom Aussterben bedroht waren und nach einem Wiederansiedlungsprogramm jetzt immer häufiger anzutreffen sind. Das ganze Gebiet wurde zum Unesco-Welterbe ernannt.

Mehr als 150.000 Radfahrer sind alljährlich auf Mallorcas Straßen unterwegs, die meisten von ihnen im Winter und Frühjahr. Überall auf der Insel gibt es neue Radwege. Hotels verleihen Räder, zahlreiche begleitete Touren werden angeboten. Sie führen durch male­rische Landschaften und stille Dörfer, beispielsweise in sechs Tagen von Llucmayor über Petra, Sineu, Pollenca, Alcudia nach Campanet.

Wer Glück hat, kann im Januar den „kleinen Sommer“ genießen

Die Strecken sind zwischen 45 und 60 Kilometer lang. Übernachtet wird in kleinen Landhotels. Aber auch Golf und Tennis gehören zum Winterprogramm. Die Insel ist ein wahres Paradies für Golfer. 24 Plätze gibt es. Stolz nennt sich Mallorca auch „golf island“.

Fast alle großen Hotels haben eigene Tennisplätze. In Peguera gibt es die Tennis Academy, wo einst Steffi Graf und Boris Becker trainiert haben. Die Academy ist die größte Anlage auf Mallorca und bietet den ganzen Winter ein umfangreiches Trainingsprogramm an.

„Ich genieße meinen täglichen Morgenspaziergang an der Playa de Palma von Can Pastilla nach Arenal“, erzählt ein Urlauber, der gemütlich in der Sonne auf der Bank sitzt und aufs Meer hinausschaut. Er sei 70 Jahre alt, mache jedes Jahr mit seiner Frau zwei Wochen Winterurlaub auf Mallorca und atme hier einfach mal durch. „Mittags besuchen wir mal ein Museum, abends lassen wir uns leckere Tapas und ein Gläschen Wein schmecken.“

Mandelblüte bringen im Februar einen Hauch von Frühling

Wer Glück hat, kann im Januar zehn bis 15 Tage lang den sogenannten kleinen Sommer genießen. Ein Wetterphänomen, das für sommerliche Tage mit oft mehr als 20 Grad, strahlendem Sonnenschein, wolkenlosem Himmel und völliger Windstille mitten im Winter sorgt.

„Ja, Mallorca ist eine tolle Insel“, erklärt der mallorquinische Künstler Pep Llambias in einem Satz, warum es Jahr für Jahr Millionen Menschen immer wieder auf das Eiland im Mittelmeer zieht.

Am Ende des mallorquinischen Winters bringt dann die Mandelblüte schon im Februar einen Hauch von Frühling. Drei Millionen Bäume verwandeln die Insel in ein rosa-weißes Blütenmeer. Anfang März ist der Winter vorbei. Die neue Saison kann beginnen.

Tipps & Informationen

Anreise ab Berlin und Hamurg z. B. mit Eurowings oder Ryanair, Flugzeit rund 2,5 Stunden, teilweise ab 40 Euro für einen Fug, Gepäckkosten beachten.

Unterkunft an der Playa de Palma z. B. das lti Llaut Palace oder das Iberostar Playa de Palma, buchbar auch bei Veranstaltern als Pauschalpaket inkl. Flug und Transfer. Auf dem Land geöffnet ist z. B. das Hotel Es Reco de Randa im Bergdörfchen Randa im Inselinneren, DZ mit Frühstück ab 90 Euro (Telefon: 0034 971 660 997).

Gruppen-Fahrradreise Mallorca – Naturerlebnis auf zwei Rädern, 7 Nächte im DZ, Hotel Timor (4 Sterne) an der Playa de Palma mit HP, Radtouren, inkl. Miete eines Fitnessrades oder E-Bikes, Transfer, inkl. Flug ab Hamburg, p. P. ab 829 Euro, www.dertour.de. Atelierrundgänge durch Palmas Künstlerviertel La Calatrava bietet die deutsche Galeristin Uta Gritschke an: sifonsivi@ gmaIl.com, Telefon 0034 667 974 066. Spiritual Mallorca heißt ein Netzwerk von Kulturstätten und Sehenswürdigkeiten, die man jetzt besuchen kann (www.spiritualmallorca.com). Weitere Infos: www.spain.info
(Der Autor reiste mit Unterstützung durch DER Touristik.)