Anika Melillo ist Geschäftsführerin der Konditoren-Innung Berlin. Christine Persitzky sprach mit ihr über Ausbildung und Arbeitsmarkt, die wirtschaftliche Situation der Konditoreien und den Preis einer Erdbeerschnitte.

Frau Melillo, wie ist die wirtschaftliche Lage der Konditoreien in Berlin? Hat das Handwerk auch hier den sprichwörtlich goldenen Boden?

Anika Melillo: Pauschal lässt sich das schwer sagen. Manchen Vollsortiment-Konditoreien geht es recht gut. Andere leiden unter dem Preiskampf mit Billiganbietern. Der Preisdruck ist enorm im Lebensmittelhandwerk. Wir merken aber, dass langsam ein Umdenken einsetzt und auch die Kunden von selber merken: Eine Erdbeerschnitte für einen Euro – das kann es nicht geben.

Was können die Konditoreien also tun?

Melillo: Die Betriebe, die umgeschwenkt sind, die auf Regionalität, Qualität, vielleicht sogar auf Bio setzen, die ihr Sortiment eingeschränkt haben und sagen, die Produkte, die ich anbiete, die sollen hochwertig sein, die schaffen es meistens besser.

Anika Melillo ist Geschäftsführerin der Berliner Konditoren-Innung
Anika Melillo ist Geschäftsführerin der Berliner Konditoren-Innung© privat | privat

Ein Beispiel sind Betriebe, die sich auf Hochzeitstorten spezialisiert haben: Während die normale Konditorei im Winter besser läuft, haben Hochzeiten von April bis September Hochkonjunktur. Mit Hochzeitstorten lässt sich also häufig das Sommerloch schließen.

Wie sieht der Stellen- und Ausbildungsmarkt aus?

Melillo: Es kommt darauf an, was man möchte. Wenn man als Geselle flexibel ist und beispielsweise auch eine Tätigkeit mit Nachtschichten akzeptiert, hat man keine Probleme, eine Arbeitsstelle zu finden.

Bei den Auszubildenden geht es bei Angebot und Nachfrage gerade ziemlich gut auf. Backen ist ja im Trend, und viele wollen diesen Beruf erlernen. Es gibt aber genügend Ausbildungsplätze.

Manche machen nach der Ausbildung auch gleich noch ihren Meister. Warum eigentlich?

Melillo: Viele nutzen den Elan nach der Gesellenprüfung und hängen die Meisterausbildung gleich noch hintendran. Denn wenn ich mich später selbstständig machen und eine Konditorei eröffnen möchte, ist die Meisterprüfung dafür die Voraussetzung.

Inwiefern ist das Voraussetzung?

Melillo: Die Konditorei ist ein in der Handwerksrolle eingetragenes geschütztes Handwerk. Damit muss jeder, der sich selbstständig machen und Produkte nach draußen verkaufen will, selber Konditormeister sein, einen Meister eingestellt haben oder die Produkte von einem Meisterbetrieb herstellen lassen.

Vegan, glutenfrei, weniger Zucker: Machen die Konditoreien alle Trends mit?

Melillo: Viele Betriebe bieten entsprechende Produkte an, entweder als Ergänzung zum normalen Sortiment oder ausschließlich, als Spezialisierung. Und wir als Konditoren-Innung bieten in unserer Sommerakademie auch entsprechende Weiterbildungskurse und Workshops an.

Kann jemand, der Veganer oder Allergiker ist, trotzdem eine Ausbildung zum Konditor machen? Muss man nicht alles probieren?

Melillo: Wir haben ja auch muslimische Auszubildende, da geht es dann um die Verwendung von Alkohol oder die richtige Gelatine. Die Auszubildenden müssen die Produkte herstellen können, sie müssen sie nicht zwangsläufig testen. Es kommt auf den Ausbildungsbetrieb an. In solchen Fällen kann man aber immer auch mit uns, der Innung, reden.