Traumziel

Die Bahamas – Heimat der schwimmenden Schweine

Die Bahamas haben viel mehr zu bieten als Casinos und Powershopping. Es locken abgelegene Traumstrände – und andere Überraschungen.

Echte „Meer“-Schweine als Touristenattraktion: Die Tiere, die einst einsam auf einer Insel zurückgelassen wurden, haben schwimmen gelernt, weil sie aus Fischerbooten heraus gefüttert werden – so die Legende.

Echte „Meer“-Schweine als Touristenattraktion: Die Tiere, die einst einsam auf einer Insel zurückgelassen wurden, haben schwimmen gelernt, weil sie aus Fischerbooten heraus gefüttert werden – so die Legende.

Foto: Jörg Riefenstahl / HA

Nassau.  Eva, unsere Taxifahrerin, erweist sich als Glücksgriff. Lässig zirkelt sie ihren Wagen durch den hektischen Linksverkehr und bringt uns zügig vom Flughafen zum British Colonial Hilton im Zentrum der Hauptstadt. Unterwegs versorgt sie uns mit grundlegenden Informationen: „Die Bahamas haben 370.000 Einwohner, 250.000 davon leben hier in Nassau. Nur 17 der über 700 Inseln sind ständig bewohnt.“

Damit hat Eva einen Aspekt angesprochen, den potenzielle Urlauber oft vergessen: Die Bahamas liegen nur gut 80 Meilen von Florida entfernt, umfassen aber ein Gebiet von rund 14.000 Quadratkilometern. Man findet im Inselstaat dicht besiedelte Gegenden wie New Providence mit großen Hotels und Casinos ebenso wie abgelegene Eilande mit menschenleeren Küsten.

Die heißen dann Exumas, Abacos oder San Salvador. Sie zählen zur Gruppe der Out Islands – was in den Ohren der Einheimischen nicht sonderlich charmant klingt. „Wir nennen sie lieber die Family Island“, sagt Eva und lacht, „denn dort ist alles viel ruhiger und familiärer.“

Fast alle Güter werden vom Festland importiert

Doch nun geht es erst mal hinein ins quirlige Handels- und Tourismuszentrum. „Hey, seht ihr? Das da ist Junkanoo Beach, the cheapest way to get drunk“, sagt Eva, als wir uns an bunt bemalten Hütten vorbei unserem Hotel nähern.

Endlose weiße Sandstrände, freundliche, offenherzige Menschen, viele Kurzurlauber aus den USA. Das sind die Klischees, die den Bahamas vorauseilen. Aber das Inselparadies, das Christoph Kolumbus entdeckte, hat seinen Preis.

Da es weder Landwirtschaft noch nennenswerte Industrie gibt, werden fast alle Güter vom Festland importiert. Das Filet Mignon mit Spargel und Pilzen kann da schnell mit 30 bis 40 Dollar zu Buche schlagen. Und für die Flasche Kalik – ein leichtes Bier, das überall auf den Bahamas eiskalt serviert wird – sind im Hotel acht Dollar fällig.

Getrunken wird es „by the neck“, ohne Glas, wie die Amerikaner betonen. Gratis gibt es dafür einen Blick auf all die dicken Kreuzfahrtpötte, die den kurzen Weg von Miami oder Fort Lauderdale genommen haben und morgens ihre Passagiere zu Tausenden ausspucken.

Die Queen ist noch immer Königin der Bahamas

An der Christ Church Cathedral vor dem Piratenmuseum in Nassau treffen wir unseren Guide Murray zur „Tru Bahamien Food Tour“. Die perfekte Gelegenheit, landestypische Küche wie Conch Salad (Muschelschneckensalat), Conch Fritters (frittierte Muschelschnecke) und andere Appetithäppchen in guten Restaurants auszuprobieren.

Aber erst geht es in die Kirche. „Hier hat Queen Elizabeth II. gesessen, als sie Nassau besuchte. The Queen’s Lounge“, verrät Murray stolz. Seit 1973 sind die Bahamas unabhängig. Die Regierungsgeschäfte bestimmt ein vom Parlament gewähltes Kabinett. Aber noch heute ist die Queen Königin der Bahamas.

Ein Glanzpunkt ist das Graycliff Hotel. Einst wohnte hier King Edward VIII. Im Keller der Nobelherberge lagern 275.000 exquisite Weine – darunter ein Rüdesheimer Apostelwein von 1722. Der Riesling aus dem Rheingau wird auf 200.000 Dollar taxiert, verrät der Kellermeister.

Wer nur kurz in die feine Welt des Graycliff eintauchen will, holt sich für ein paar Dollar einen Tagespass für ein Menü im Hotelrestaurant – inklusive Badevergnügen im Swimmingpool inmitten eines verwunschenen Parks. Einen Blick in die Zigarren- und Schokoladenmanufaktur sollte man zudem nicht versäumen.

Viele Promis sind Gäste des One & Only Ocean Club

Über eine geschwungene Brücke erreichen wir Paradise Island. Stars und Sternchen ziehen sich gern hierher zurück. Am Yachthafen vorbei geht es zum berühmten One & Only Ocean Club am Cabbage Beach – Hotspot der Reichen und Schönen und seit dem 007-Streifen „Casino Royal“ mit Daniel Craig jedem Bond-Fan ein Begriff.

Umgeben von einer Dünen- und Strandlandschaft, zählt The One im Ambiente einer Plantage im Kolonialstil zu einem der schönsten und teuersten Hotels der Bahamas.

Honeymooner lassen es sich hier gut gehen, gut Betuchte und Prominente ebenfalls: „Toni Bennett, Pierce Brosnan, Katy Perry, Benjamin Bratt, Chris Noth und Beyoncé sind regelmäßig unsere Gäste“, verrät die Sales-Managerin.

Auf Great Guana Cay geht beim Feiern die Post ab

Mit Glück begegnet man dem einen oder anderen an der Hotelbar. Dort, wo James Bond alias Daniel Craig seinen original Vesper schlürfte. Mit viel Gin und Wodka eiskalt in der Martinischale, versteht sich. Auch am Hotel Atlantis führt kein Weg vorbei. Die gigantische Anlage mit Freizeitpark wirkt wie von einem anderen Stern.

Astronomisch auch die Preise: 65.000 Dollar kostet die Suite, in der „King of Pop“ Michael Jackson mit der Familie Urlaub machte. Abends treffen sich die Zocker im Casino zum Rhythmus von Steeldrums und Calypso-Bands. Die Spielstätte ist ein architektonisches Juwel. Eintritt? Frei.

Zeit für einen Ortswechsel: Drei Stunden braucht die Fähre nach Harbour Island, Hotspot der Popmusikwelt in den 1960er- und 70er-Jahren. Chris Blackwell, Entdecker von Bob Marley, baute hier die Hotels Coral Sand, Pink Sand und Bol Sands – in den Sand.

Wir schlendern an quietschbunten Holzhäusern vorbei zum Pink Beach. Der verdankt seinen Namen winzigen Korallensedimenten, die abends Garant für stimmungsvolle Fotos sind.

Im Nippers auf Great Guana Cay geht seit 20 Jahren die Post ab

30 Minuten dauert der Flug von Paradise Island nach Marsh Harbour. Wir gehen an Bord der „Haute Waters“ – ein hochmoderner Segelkatamaran. Lloyd ist unser Skipper. Ein braun gebrannter Seebär, den so schnell nichts aus der Ruhe bringt. Unser erstes Ziel: Great Guana Cay – Hotspot für Strandpartys.

Aber was ist das? In Sekunden verfärbt sich der Horizont pechschwarz. Eine Schauerböe peitscht über Deck. Lloyd steht wie ein Fels in der Brandung am Ruder. Nach fünf Minuten ist der Spuk vorbei. Die Sonne hat uns wieder. Willkommen auf den Bahamas!

Im Nippers auf Great Guana Cay geht seit 20 Jahren die Post ab. Spärlich bekleidete Mädchen schwingen schon mittags am „Eight and a half Miles Beach“ die Hüften. Zur Stärkung gibt es Cocktails, Kalik und Fleisch vom Grill.

Die Partyjünger kommen von Marsh Harbour, sie fahren mit der Abendfähre zurück. Die Sonne sinkt. Auf geht’s zum Sundowner auf unser Schiff.

Die schwimmenden Schweine können auch mal zuschnappen

Wir nehmen Kurs auf No Named Cay. Dort leben Schweine, die im Meer schwimmen. „Ein Farmer bekam Alkoholprobleme. Da hat er sie auf der Insel vergessen“, erzählt Lloyd. „Fischer haben die Schweine gesehen und von ihren Booten aus gefüttert. So haben sie schwimmen gelernt.“

Seemannsgarn? Heute sind die niedlichen Borstentiere Touristenattraktion. Lautlos gleitet unser Zodiac ans Ufer. Unter den Bäumen tollen die „Meer“-Schweine. Junge Amerikanerinnen locken die bronzefarbenen Tiere mit Apfelstückchen fürs Foto ins hüfthohe Wasser.

Die Schweinchen strampeln mit den Beinchen, recken ihre sandige Nase empor. Vorwitzige versuchen, ins Boot zu springen. Herrlich! Aber aufgepasst: Die lustigen Kerlchen können zuschnappen.

Nur für wenige Stunden gibt das Meer eine schmale Landzunge vor Tahiti Beach frei. Typisch für die Bahamas. Wir schnorcheln, baden, bis die Tide uns das sandige Fleckchen entreißt, und segeln weiter nach Hopetown, die wohl beeindruckendste und bunteste Stadt der Bahamas aus der Kolonialzeit.

Schnorcheln in der bunten Unterwasserwelt

Verträumt geht es auch im Städtchen New Plymouth auf Green Turtle zu. Dort lebten die ersten schwarzen Siedler der Bahamas. Davon zeugen mächtige Bronzefiguren im Skulpturenpark.

Nach einem Abstecher zum Traumstrand von Treasure Cay machen wir vor Little Harbour fest. In „Pete’s Pub“ steht man barfuß im Sand und trinkt Blaster, einen Mix aus fünf Sorten Rum, Grapefruit und Ananas. Pete ist Metallkünstler, sein Pub ist übersät mit frechen T-Shirts.

Segler haben sie zurückgelassen. Hinter der Düne brechen sich die Atlantikwellen. Doch was wären die Bahamas ohne die bunte Unterwasserwelt? Vor New Spoil Bank Cay hüpfen wir ins seichte Wasser, gehen mit Brille und Schnorchel auf Muscheljagd – für einen frischen Conch-Salat später an Bord.

In The Mermaid’s Reef bewacht ein Hummer seine Höhle, ein Feuerfisch zeigt sein prachtvolles Kleid. Wo ist Nemo? Zum Abschied winkt Lloyd lässig von der „Haute Waters“ zu uns rüber. Den Seebären bringt eben so schnell nichts aus der Ruhe.

Tipps & Informationen

Anreise z. B. mit Condor von Frankfurt aus auf die Bahamas. Flugzeit: knapp elf Stunden. Ab Berlin auch z. B. mit British Airways (Umstieg in London).

Fünf lokale Airlines verbinden die Family Islands. Ein Flug kostet rund 130 Dollar. Inselhopping mit dem Boot oder den Fähren auf den Abacos kostet 30 Dollar pro Strecke. Fischer nehmen Mitreisende gegen eine geringe Gebühr an Bord. Auf New Providence und Bahama Island sind Jitneys (Kleinbusse) ein günstiges Fortbewegungsmittel.

Katamarancharter auf den Bahamas ist auch ohne Segelschein möglich. Es reicht der Nachweis von Segelerfahrung. Eine Woche mit der „Haute Waters“ mit vier Doppelkabinen kostet ab 4800 Euro für 7 Nächte. Kosten für Skipper (180 Dollar pro Tag plus Verpflegung), Bojenankern (30 bis 40 Dollar) oder Marina (120 Dollar am Tag), Wi-Fi (110 Dollar die Woche) und 1500 Dollar Kaution kommen hinzu (www.moorings.com). Crew-Yacht-Charter mit Skipper und Koch ab 10.000 bis 20.000 Dollar.

(Die Reise wurde unterstützt von „The Moorings“ und Bahamas Tourist Office.)

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