Sportgerät

Mediziner: Trampoline sind so gesund wie auch gefährlich

Eltern und Kinder unterschätzen oft, welche Gefahren auf Trampolinen lauern. Ein Experte gibt Ratschläge für den Umgang mit ihnen.

So viel Spaß Trampoline auch bereiten können, so hoch ist auch die Verletzungsgefahr, die von ihnen ausgeht.

So viel Spaß Trampoline auch bereiten können, so hoch ist auch die Verletzungsgefahr, die von ihnen ausgeht.

Foto: iStock/pliona / iStock

Hamburg.  Nur ein paar Minuten durfte Elli (3) mit ihrem Bruder und dessen Freund (beide 6) auf das Gartentrampolin. Nicht wild, nur ein bisschen hüpfen. Doch plötzlich weinte sie: „Mama, mein Bein tut so weh.“ Als sie auch am Tag darauf nicht auftreten konnte, fuhren die Eltern mit ihr ins Krankenhaus. Diagnose: Bruch des Wadenbeins.

Kein Einzelfall. Laut einer Studie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) hat sich die Zahl der Trampolinunfälle bei Kindern seit etwa 15 Jahren mehr als verdreifacht. Rund 28 Prozent der Verletzungen infolge eines Trampolinunfalls sind schwer. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) zählt das Trampolinspringen bei den Ein- bis Sechsjährigen zu den häufigsten Ursachen bei Unfällen mit Sport- oder Freizeitgeräten.

Im schlimmsten Fall bleiben Brüche unerkannt

Mediziner sprechen inzwischen von Trampolin-Brüchen. „Wir sehen in der Notaufnahme viele derartige Verletzungen“, sagt Oberarzt Dr. Jakob Nüchtern vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Besonders häufig seien Sprunggelenke, Handgelenke und Wirbelkörper betroffen. Und es sind nicht nur Kinder, die in die Notaufnahme kommen. „Wir müssen auch vielfach junge Erwachsene behandeln, die sich überschätzen“, sagt Nüchtern.

Besonders tückisch: Kleine Kinder können den Schmerz oft nicht präzise lokalisieren. Daher bleiben selbst Brüche oft über mehrere Tage unerkannt. Nüchtern empfiehlt, dass man unbedingt einen Arzt aufsuchen sollte, wenn das Kind auch ein paar Tage nach dem Springen nicht richtig auftreten kann oder über Schmerzen klagt: „Falls das Kind aus großer Höhe stürzt, etwa auf den Rand oder auf den Boden, sollte man im Zweifel den Rettungsdienst alarmieren oder eine Notaufnahme aufsuchen“, sagt Nüchtern.

Eltern unterschätzen Kräfte oft

Auch in anderen Kliniken sind die Folgen des Booms der Gartentrampoline – im Sommer angefacht durch Sonderangebote von Discountern und Baumärkten – zu beobachten. Behandelt werden dort nicht nur Frakturen, Verstauchungen, Prellungen und Gehirnerschütterungen. Prof. Karl-Heinz Frosch, Chef des Chirurgisch-Traumatologischen Zentrums der Asklepios Klinik St. Georg in Hamburg diagnostiziert mit seinem Team in der Kinder-Kniesprechstunde zunehmend Verletzungen, die durch Überlastung entstehen, etwa Ermüdungsbrüche oder Knorpelschäden. Eine Operation ist oft unumgänglich, etwa wenn sich ein Knorpelteil gelöst hat.

„Viele Eltern unterschätzen, welche Kräfte beim Trampolinspringen gerade auf die Kniegelenke wirken“, sagt Frosch. Besonders gefährlich sei es, wenn zwei oder gar drei Kinder gleichzeitig auf dem Gerät hüpften. Der Grund: Die Spannung des Trampolintuchs passt sich immer der schwereren Person an. Landet das leichtere Kind in dem Moment, in dem das schwerere abspringt, entsteht eine Art Katapulteffekt. Die Kräfte sind so enorm.

Trampoline haben aber auch ihre guten Seiten

Frosch empfiehlt, dass die Kinder nicht zu lange springen sollten, Überlastung steigere die Verletzungsgefahr. Viel besser sei es, wenn die Kinder regelmäßig, aber nicht exzessiv springen würden. Wer die wichtigsten Regeln beachte (siehe Checkliste), tue seinem Körper mit Trampolinspringen aber etwas Gutes: „Das ist allemal besser als stundenlanges Sitzen vor dem Fernseher oder Computer“, so Frosch. Das Hüpfen stärke die Muskulatur, steigere die Kondition und verbessere Konzentration und Koordination.

„Das Trampolin ist ein Sport- und kein Spielgerät. Mit dem richtigen Gefahrenbewusstsein und der nötigen technischen Sicherheit lässt sich die Unfallgefahr verringern“, sagt DGOU-Generalsekretär Reinhard Hoffmann. Für einen ungetrübten Trampolinspaß empfehlen Orthopäden und Unfallchirurgen, dass Eltern mit ihren Kindern klare Regeln für das Springen vereinbaren und auf deren Einhaltung achten sollten.