Jeder zweite Krypto-Anleger in Deutschland denkt, dass Bitcoin vor Inflation schützt. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Umfrage der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin). Anders als klassische Währungen lässt sich die Menge an Bitcoin nicht beliebig ausweiten, sondern ist auf maximal 21 Millionen Einheiten begrenzt. Für manche Anleger ist diese künstliche Knappheit ein Argument für einen langfristigen Schutz vor Geldentwertung. Die Bafin hält diese These für einen Trugschluss, doch ein Krypto-Experte liefert der Finanzaufsichtsbehörde Gegenwind.

Bitcoin als Inflationsschutz: Hälfte der Anleger verfällt Irrglauben

Für ihre Untersuchung befragte die Bafin im April 2026 insgesamt 1000 Personen und stellte ihnen 16 Wissensfragen zu Kryptowerten. Rund 13 Prozent der Befragten besaßen bereits Kryptowerte. Diese Gruppe beantwortete 57 Prozent der Fragen richtig, bei 31 Prozent der Antworten lag sie aus Sicht der Finanzaufsicht daneben.

Besonders deutlich zeigt sich die Wissenslücke beim Thema Inflation: 54 Prozent der befragten Krypto-Besitzer gingen davon aus, dass Bitcoin vor steigenden Preisen schützt. Die Bafin wertet diese Aussage als falsch. Für Pascal Nörrenberg, Geschäftsführer der Tradingplattform Etoro Deutschland, ist dieses Urteil allerdings zu pauschal. „Ich glaube, ‚falsch liegen‘ greift hier etwas zu kurz“, sagt er gegenüber unserer Redaktion.

Bitcoin 
Krypto-Anleger glauben, dass Bitcoin vor Inflation schützt – doch stimmt das wirklich? Finanzexperten sind sich nicht einig.© Getty Images | Panchanut Chobjit

Unter Inflationsschutz versteht man grundsätzlich, dass eine Anlage die Kaufkraft des investierten Geldes trotz steigender Preise erhält. Die Bafin argumentiert, dass der Bitcoin-Wert dafür zu stark schwankt. „Bitcoins sind hochvolatil, können also binnen weniger Tage deutlich an Wert gewinnen oder verlieren“, heißt es von der Aufsicht. Mehr als ein Drittel der Befragten ging in der Umfrage fälschlicherweise davon aus, dass der Bitcoin-Preis im Vergleich zu neueren Kryptowährungen stabil sei.

Krypto-Profi: Glaube an Bitcoin darf nicht blind machen

Pascal Nörrenberg räumt ein, dass Bitcoin kurzfristig keine zuverlässige Absicherung gegen Inflation ist. Langfristig sei die Überlegung vieler Anleger aber nachvollziehbar, sagt der Profi. Weil das Bitcoin-Angebot von vornherein begrenzt ist, sehen sie in der Kryptowährung eine Form digitaler Knappheit und damit eine mögliche Absicherung gegen Geldentwertung. „Das ist zunächst einmal eine legitime Anlagethese“, sagt Nörrenberg.

Entscheidend sei jedoch, daraus keine Sicherheit abzuleiten. „Eine langfristige Anlagethese und eine Garantie sind zwei Paar Schuhe“, so der Profi. Bitcoin könne aus seiner Sicht in einem diversifizierten Portfolio durchaus sinnvoll sein. Die größten Sorgen bereitet Nörrenberg hingegen, dass der Glaube an die Kryptowährung manche Anleger für die damit verbundenen Risiken blind machen könnte.

„Die langfristige Überzeugung von Bitcoin als Anlageklasse schützt nicht vor Fehlentscheidungen“, betont er. Das gilt etwa, wenn Anleger die Position zu groß werden lassen oder auf die unvermeidliche Volatilität nicht vorbereitet sind. Die Volatilität von Krypto schaffe Chancen, erfordere aber auch Disziplin, so Nörrenberg. Daher sollten Anleger sich nicht von „kurzfristigem Marktrauschen“ aus der Ruhe bringen lassen. Dazu spannend: Bitcoin: Kann der Kurs so stark steigen wie früher? Profi wird deutlich

Bitte beachten:

Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.

Bafin-Umfrage zeigt große Wissenslücke bei Stablecoins

Laut der Bafin-Umfrage zeigen Krypto-Anleger auch bei Stablecoins Wissenslücken. Die Hälfte der befragten Krypto-Besitzer hielt sie für geeignet, um Vermögen aufzubauen. Stablecoins funktionieren anders als Bitcoin: Ihr Wert soll möglichst stabil bleiben, weil sie an einen Referenzwert gekoppelt sind.

Ein Stablecoin, der an den US-Dollar gekoppelt ist, soll möglichst dauerhaft etwa einen Dollar wert sein – nicht zwei oder drei. Wer einen Stablecoin hält, setzt also nicht auf einen langfristigen Kursanstieg oder Wachstum. Zudem schützt die Bindung an eine Währung nicht vor deren Kaufkraftverlust durch Inflation.

Die Bafin-Untersuchung und die Einschätzung des Anlage-Profis führen zumindest in einem Punkt zum gleichen Ergebnis: Wer in Bitcoin investiert, sollte nicht allein auf eine einfache Erzählung vertrauen. Die Verknappung auf 21 Millionen Einheiten macht Bitcoin nicht automatisch zu einem zuverlässigen Schutz vor steigenden Preisen. Ob sich die Kryptowährung langfristig als Absicherung gegen Geldentwertung bewährt, bleibt wie andere Spekulationen unvorhersehbar.

Quellen:

Kryptowissen, in: Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Zuletzt abgerufen am 02.09.2026.

Im Gespräch mit Pascal Nörrenberg, Geschäftsführer von etoro Deutschland, im September 2026.