Das Altersvorsorgedepot löst zum 1. Januar 2027 die Riester-Rente ab. Niedrigere Kosten und ein Verzicht auf die Beitragsgarantie sollen eine höhere Rendite bringen. Als Anreiz bezuschusst der Staat das mit einer Grundzulage von bis zu 540 Euro jährlich. Konkrete Produkte sind zwar weiterhin nicht für den Abschluss verfügbar, die Comdirect bietet jetzt zumindest einen Ausblick auf ihre Pläne.
Demnach soll es bei der Commerzbank-Tochter zum Start des Altersvorsorgedepots Anfang nächsten Jahres drei Produkte für unterschiedliche Zielgruppen geben. Zudem bietet die Comdirect genau wie die ING und Scalable Capital ab sofort eine Warteliste für Interessierte an. Eine Expertin rät Sparerinnen und Sparern aber vorher zu einem analytischen Blick auf ihre finanzielle Situation.
Comdirect-Altersvorsorgedepot: Welche Produkte wird es geben?
Die Comdirect will ihr Altersvorsorgedepot in drei Varianten anbieten. Eine davon ist das Standard-Depot, bei dem die Direktbank vorausgewählte Lösungen und wenig Entscheidungsaufwand verspricht. Mehr Informationen gibt es noch nicht, klar ist aber, dass der Kostendeckel des Gesetzgebers gilt. „Beim Standard-Depot, das praktisch jeder Anbieter im Angebot haben muss, liegt die Obergrenze bei einem Prozent im Jahr“, erklärt Susanne Krehl, Verantwortliche für Unternehmenswachstum beim Finanzdienstleister wealthAPI.
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Bei individuellen Lösungen der Anbieter gilt der Kostendeckel aus dem Standard-Depot nicht: „Andere Depots dürfen teurer sein“, sagt Krehl. So ist es auch beim zweiten neuen Altersvorsorge-Produkt der Comdirect, einer flexibleren Variante mit einer freieren Auswahl an ETFs und Fonds.
Als drittes Produkt kündigt die Comdirect ein Depot zur Frühstart-Rente an, das Eltern für Kinder zwischen 6 und 18 Jahren eröffnen können. Bei dieser Sparform gibt es einen staatlichen Zuschuss von zehn Euro monatlich. „Angespartes Guthaben lässt sich später ins Altersvorsorgedepot übertragen“, erklärt Krehl. Der Staat verfolge hier einen erzieherischen, finanzbildenden Gedanken.
Welche Fristen gelten für die Förderung des Comdirect-Altersvorsorgedepots?
Auch wenn einige Anbieter den Eindruck erwecken: Für Sparerinnen und Sparer besteht beim Abschluss eines Altersvorsorgedepots kein Grund zur Eile. „Wie viel Förderung man bekommt, hängt davon ab, wie viel man im Laufe des Jahres einzahlt; nicht davon, wann man den Vertrag abgeschlossen hat“, sagt Krehl.
In einem Punkt zählt die Zeit allerdings doch, denn beim Abschluss eines Altersvorsorgedepots vor dem 25. Geburtstag bezahlt der Staat eine einmalige Prämie von 200 Euro. „Wer im Laufe des Jahres 25 wird, bekommt sie noch für dieses Jahr. Wer ein ganzes Jahr verstreichen lässt, verliert sie“, so die Expertin.

Comdirect-Warteliste: Welche Bedingungen gelten vor dem Altersvorsorgedepot?
Die Comdirect verspricht Sparerinnen und Sparern einen Zuschuss von 50 Euro, wenn sie sich auf die Warteliste eintragen und bis zum 31. März 2027 ein Altersvorsorgedepot abschließen. Voraussetzung ist ein Girokonto, Depot oder Tagesgeldkonto bei der Direktbank, allerdings sieht Expertin Krehl auch hier keinen dringenden Handlungsbedarf.
„Eine Warteliste reserviert keine Förderung und sichert keine Konditionen“, sagt sie. Den Anbietern von Altersvorsorgedepots diene sie vor allem zur Kundengewinnung. Wer sich einträgt, werde früher informiert. Aber: „Vergleichen kann man erst, wenn mehrere Anbieter ihre Kosten genannt haben“, gibt Krehl zu bedenken.
Profi-Rat bei Altersvorsorge: Vermögenssituation rechtzeitig analysieren
Obwohl Interessierte aktuell noch keine Altersvorsorgedepot-Verträge abschließen können und es nur wenig Informationen über die neuen Produkte der Comdirect gibt, kann die richtige Vorbereitung die Entscheidung später vereinfachen: Krehl empfiehlt, „die Unterlagen zu alten Verträgen zusammenzusuchen und über einen Gesamtplan zur Altersvorsorge und die eigenen Prioritäten nachzudenken.“

Rechner fürs Altersvorsorgedepot, wie sie etwa die Comdirect auf ihrer Webseite anbietet, können laut der Expertin bei der ersten Orientierung helfen. „Wie viel Förderung man bekommt, rechnen sie richtig aus“, sagt Krehl. Eine genaue Analyse ersetzen die Rechner aber nicht.
Laut Krehl sollten Sparer und Sparerinnen zunächst klären, wie groß ihr persönliche Rentenlücke voraussichtlich sein wird und welche monatlichen Sparraten realistisch sind. Zur Aufstellung empfiehlt sie Finanzplattformen, die über technische Schnittstellen Verträge, Versicherungen, Konten und Depots „an einem Ort verbinden“.
Vorsicht bei Riester-Verträgen: „Zurück geht es nicht“
Vor allem bei bestehenden Riester-Verträgen warnt die Expertin vor Schnellschüssen. Grundsätzlich gibt es hier drei Möglichkeiten: Verbraucherinnen und Verbraucher können ihren Vertrag weiterlaufen lassen, das Guthaben in ein Altersvorsorgedepot umziehen oder ihre alten Verträge behalten und in die neue Förderung wechseln. Aber: „Zurück in die alte Förderung geht es nicht“, warnt Krehl.
Sparer und Sparerinnen müssen also vieles abwägen, bevor sie sich für ein Altersvorsorgedepot entscheiden. Trotz des Aufwands sieht Susanne Krehl das grundsätzlich positiv: „Die Einführung des Altersvorsorgedepots ist ein guter Anlass, sich die eigene Rentenplanung anzuschauen und in der Vorsorge aktiv zu werden.“
Quellen:
Interview mit Susanne Krehl, August 2026
Das Altersvorsorgedepot ab 2027, in: comdirect.de. Zuletzt abgerufen am 15.08.2026.


