Die hartnäckige Inflation und die Energiepreiskrise sorgen in Deutschland finanziell für Bauchschmerzen. Das legt die neue Studie des Finanzvermittlers Raisin nahe: Menschen aus elf Ländern erklären darin, wie zuversichtlich sie auf ihre Finanzen blicken. Im Gesamtranking erzielt Deutschland zwar einen hohen Score, trotzdem haben viele der deutschen Teilnehmenden überraschend häufig Geldsorgen.
Niederländer bei Finanzen am zuversichtlichsten
Raisin hat die Studienteilnehmenden gefragt, wie sie bei ihren Finanzen Stresslevel, Kontrolle, Zukunft, Widerstandskraft und Planungsfähigkeit einschätzen. Aus den Ergebnissen hat das Unternehmen für jedes Land einen Score errechnet, der die finanzielle Zuversicht in einem Wert von bis zu 100 Punkten ausdrückt. Die Niederlande führen mit großem Abstand vor Deutschland auf Platz eins, die USA liegen unter dem Durchschnitt von 46,5 Punkten.
Das Länder-Ranking auf einen Blick:
| Land | Score |
|---|---|
| Niederlande | 55,3 |
| Deutschland | 49,7 |
| Spanien | 48,2 |
| Polen | 48,0 |
| Österreich | 47,7 |
| USA | 44,3 |
| Finnland | 44,1 |
| Italien | 44,1 |
| Frankreich | 43,7 |
| Vereinigtes Königreich | 43,3 |
| Irland | 41,1 |
Trotz Platz zwei im Gesamt-Ranking plagen 49 Prozent der Deutschen häufig Finanzsorgen im Alltag. Bei 22 Prozent spielt das Thema nur selten eine Rolle. Zum Vergleich: In den Niederlanden gaben 35 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an, kaum Geldsorgen zu haben. Doch was steckt hinter den finanziellen Problemen der Deutschen?
Finanzsorgen: In diesem Punkt liegen Deutsche über dem Durchschnitt
Einen Hinweis darauf geben die finanziellen Prioritäten. In Deutschland sind laut Studie 40 Prozent der Studienteilnehmer darauf fokussiert, ihre Alltagsausgaben zu decken. Das sind im Vergleich zu den anderen elf Ländern (38 Prozent) überdurchschnittlich viele. Katharina Lüdth, Vorständin bei Raisin, erklärt in einer Mitteilung: „Deutschlands zweiter Platz darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die hohen Lebenshaltungskosten den Alltag dominieren.“
Viele Menschen fahren finanziell auf Sicht
Den langfristigen Vermögensaufbau sehen derzeit nur 14 Prozent der Deutschen als höchste Priorität an, ein Prozentpunkt weniger als im Durchschnitt. Dafür ist das Ansparen eines Notgroschens mit 17 Prozent hierzulande wichtiger als in allen anderen Ländern. „Wenn der finanzielle Spielraum schrumpft, zählt jeder Euro“, so Lüdth.
Die finanzielle Planung verläuft bei vielen Umfrageteilnehmenden eher kurzfristig. 40 Prozent haben demnach einen Planungshorizont von maximal einem Monat. Hier schneidet Deutschland mit einem Wert von 36 Prozent besser ab als der Durchschnitt. Immerhin rund ein Drittel der Deutschen plant seine Finanzen für mindestens ein Jahr im Voraus, das machen insgesamt nur 23 Prozent der Befragten.

Wenig finanzieller Fortschritt und Optimismus in Deutschland
Nur ein Viertel aller Befragten gab an, in den vergangenen zwölf Monaten finanziell gut vorangekommen zu sein oder seine Ziele erreicht zu haben. Vorne liegen hier die Niederlande mit einem Wert von 42 Prozent, in Deutschland trifft das auf ein Drittel aller Befragten zu.
Dass sich daran mit Blick auf die Zukunft etwas ändert, glaubt nur eine Minderheit: Eine spürbare finanzielle Verbesserung im kommenden Jahr erwarten 30 Prozent der Befragten aus Deutschland. Fast jeder zweite Deutsche (48 Prozent) geht davon aus, finanziell weiter auf der Stelle zu treten.
Diese Punkte würden finanzielle Zuversicht der Deutschen steigern
Auf die Frage, was die finanzielle Zuversicht steigern würde, gaben die Deutschen eine Gehaltserhöhung (19 Prozent), niedrigere Kosten für Alltagsausgaben (18 Prozent) und sinkende Wohnkosten (15 Prozent) als wichtigste Faktoren an. Interessant: Mehr als in allen anderen Ländern wünschen sich die Menschen in Deutschland eine klarere Finanzpolitik (8 Prozent).
Quellen
„Der Raising Geldbeutel-Index 2026“, in: Raising.com. Zuletzt abgerufen am 28.05.2026.
„Raisin – Weltweit Geld anlegen“, in: Raisin.com. Zuletzt abgerufen am 28.05.2026.
„Verbraucherpreisindex“, in: Destatis.de. Zuletzt abgerufen am 28.05.2026


