Bis zu 3,5 Prozent Zinsen zahlen einige Banken Neukunden derzeit aufs Tagesgeld. Doch bei vielen Angeboten gibt es einen Haken: Die Konditionen sind nur für wenige Monate garantiert. Anschließend gilt in den meisten Fällen ein variabler Standardzins, der mitunter sehr niedrig ausfällt. Ab diesem Zeitpunkt verliert das Ersparte dann Stück für Stück an Kaufkraft.

Wer langfristig denkt, sollte deshalb auf einen anderen Wert schauen: den effektiven Jahreszins. Dieser ist einfach zu berechnen und hilft bei der Einordnung von Tagesgeld-Angeboten. Eine Rechnung zeigt dabei ein überraschendes Bild.

Tagesgeld: Wo gibt es den höchsten effektiven Jahreszins?

In unserem Tagesgeld-Vergleich stellen wir regelmäßig aktuelle Angebote vor. Bei den Aktionszinsen führt derzeit die Finanzplattform Raisin* mit 3,5 Prozent p. a. für drei Monate – doch der Zinssatz kann trügen. Denn so verlockend der Spitzenwert auf den ersten Blick wirkt: Nach Ablauf der Aktionsphase sieht die Situation anders aus. Anschließend lässt sich bei Raisin ein Folgeangebot mit aktuell bis zu 2,02 Prozent wählen, woraus sich ein effektiver Jahreszins von 2,39 Prozent ergibt. Wer davon profitieren möchte, muss allerdings selbst aktiv werden – andernfalls landet das Geld automatisch auf einem unverzinsten Konto. Alle Details dazu in unserem Check des Raisin-Angebots.

Höher ist zum Beispiel der effektive Jahreszins bei einem Angebot, das beim Blick auf die Aktionszinsen allenfalls durchschnittlich wirkt: Die Crédit-Agricole-Tochter BforBank* bezahlt neuen Kundinnen und Kunden aktuell 2,5 Prozent Tagesgeld-Zinsen – garantiert diesen Zinssatz aber für ein Jahr. So ergibt sich ein Wert von 2,5 Prozent.

Was bedeutet das *-Symbol im Text?

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Ein noch höherer effektiver Jahreszins von 2,75 Prozent ist bei der BBVA* möglich, die in ihrem Angebot zunächst 3 Prozent Zinsen p. a. für sechs Monate garantiert. Um den besten Anschlusszins von 2,5 Prozent zu bekommen, müssen Kundinnen und Kunden jedoch entweder einen monatlichen Geldeingang von 900 Euro oder Umsätze von 1500 Euro über die Debitkarte der Bank erreichen. Ansonsten gewährt die BBVA 1,5 Prozent bei einem durchschnittlichen Monatsguthaben bis 10.000 Euro oder 2 Prozent, wenn es über dieser Schwelle liegt. Daraus errechnet sich dann ein effektiver Jahreszins von 2,25 beziehungsweise 2,5 Prozent.

ING, VW Bank & Co.: Wie hoch ist der effektive Jahreszins bei bekannten Geldhäusern?

Flags outside IKEA store
Die Ikano Bank ist die Hausbank von Ikea und bietet das Tagesgeldkonto „Fleks Horten“ an.© Getty Images | Marcus Lindstrom

Die Anbieter oben gehören eher zu den unbekannteren Banken. Viele Kundinnen und Kunden vertrauen bei ihrer Geldanlage am liebsten auf bekannte Namen. Wie sieht es dort aktuell mit dem effektiven Jahreszins aus? Wir haben ihn für mehrere Angebote berechnet.

VW Bank: 1,88 Prozent effektiver Jahreszins

  • Zinssatz Neukunden: 2,75 Prozent p. a. für sechs Monate
  • Basiszinssatz: 1 Prozent p. a.
  • Maximalbetrag für Aktionszinssatz: unbegrenzt
  • Zinsauszahlung: monatlich
  • Einlagensicherung: 100.000 Euro je Kunde

>> Aktion der VW Bank* hier ansehen

Ikano Bank (Ikea-Hausbank): 1,97 Prozent effektiver Jahreszins

  • Zinssatz Neukunden: 3,36 Prozent p. a. für drei Monate
  • Basiszinssatz: 1,51 Prozent p. a.
  • Maximalbetrag für Aktionszinssatz: bis 100.000 Euro
  • Zinsauszahlung: jährlich
  • Einlagensicherung: 100.000 Euro je Kunde

>> Aktion der Ikano Bank* hier ansehen

Consorsbank: 1,45 Prozent effektiver Jahreszins

  • Zinssatz Neukunden: 3,4 Prozent p. a. für drei Monate
  • Basiszinssatz: 0,8 Prozent p. a.
  • Maximalbetrag für Aktionszinssatz: bis 1.000.000 Euro
  • Zinsauszahlung: vierteljährlich
  • Einlagensicherung: 100.000 Euro je Kunde

>> Aktion der Consorsbank* hier ansehen

ING: 1,57 Prozent effektiver Jahreszins

  • Zinssatz Neukunden: 3,2 Prozent p. a. für vier Monate
  • Basiszinssatz: 0,75 Prozent p. a.
  • Maximalbetrag für Aktionszinssatz: bis 250.000 Euro
  • Zinsauszahlung: jährlich
  • Einlagensicherung: 100.000 Euro je Kunde

>> Aktion der ING* hier ansehen

Santander: 1,3 Prozent effektiver Jahreszins

  • Zinssatz Neukunden: 3,3 Prozent p. a. für vier Monate
  • Basiszinssatz: 0,3 Prozent p. a.
  • Maximalbetrag für Aktionszinssatz: bis 250.000 Euro
  • Zinsauszahlung: jährlich
  • Einlagensicherung: 100.000 Euro je Kunde

>> Aktion der Santander* hier ansehen

Die ING hat ihre Konditionen für das Tagesgeldkonto angepasst - wir zeigen, was jetzt gilt.
Bei der Jagd nach dem besten Tagesgeldangebot sollten Sparer nicht nur auf den Aktionszins achten. Eine Rechnung zeigt, warum. © iStock / Getty Images | MicroStockHub

Wie berechnet sich der effektive Jahreszins beim Tagesgeld?

Der effektive Jahreszins berücksichtigt Aktionszins und Anschlusszins. Aus beiden Werten bildet er einen Durchschnittszinssatz für eine Anlage über zwölf Monate. Zur Vereinfachung ist in der folgenden Formel keine etwaige Wiederanlage von unterjährlich anfallenden Zinsen berücksichtigt. Auch Eigenheiten der Banken, wie sie ihre Zinsen berechnen, sind hier nicht abgebildet. Für einen überschaubaren Zeitraum wie ein Jahr sind die dadurch entstehenden Unterschiede beim Tagesgeld allerdings prozentual betrachtet marginal. Diese vereinfachte Berechnung reicht aus, um die besten Angebote zu identifizieren.

Berechnung effektiver Jahreszins

Formel: ((Aktionszins x Anzahl Garantiemonate) + (Anschlusszins x (12 - Anzahl Garantiemonate)) / 12

1. Schritt: Aktionszins x Anzahl Garantiemonate berechnen (Beispiel: 3,5 x 3 = 10,5)

2. Schritt: Anschlusszins x (12 - Anzahl Garantiemonate) berechnen (Beispiel: 1,5 x (12 - 3) = 13 ,5)

3. Schritt: Ergebnisse aus Schritt 1 und 2 addieren und durch 12 teilen (Beispiel: (10,5 + 13,5) / 12 = 2)

Liegen zwei Banken hier gleichauf, schneidet die mit einem häufigeren Zinszahlungsintervall (etwa monatlich gegenüber jährlich) in der Regel minimal besser ab. Warum erfahren Sie auch in unserem Ratgeber: „Tagesgeld-Zinsen pro Jahr oder Monat? So viel sparen Sie wirklich“. Falls keine Kosten anfallen, genügt diese Berechnung zum Vergleich.

Aufpassen müssen Sparerinnen und Sparer dann nur noch bei den Kosten. Die Kontoführung ist zwar in vielen Fällen kostenlos, aber nicht immer. Wenn beispielsweise ein gebührenpflichtiges Girokonto erforderlich ist, schmälert das die Rendite. Hier empfiehlt es sich, den Zinsertrag konkret anhand der eigenen Anlagesumme zu berechnen und davon die Kosten abzuziehen. Mit dem Ergebnis lässt sich der um Kosten bereinigte effektive Jahreszins berechnen.

Effektiver Jahreszins nach Kosten

Formel: (Anlagebetrag x effektiver Jahreszins / 100 - Kosten) x 100

1. Schritt: Anlagebetrag mit effektivem Jahreszins multiplizieren und durch 100 teilen (Beispiel: 8000 x 1,5 / 100 = 120)

2. Schritt: Kosten vom dem Ergebnis aus Schritt 1 abziehen (Beispiel: 120 - 15 = 105)

3. Schritt: Ergebnis aus Schritt 2 durch den Anlagebetrag teilen und mit 100 multiplizieren (Beispiel: (105 / 8000) x 100 = 1,3125)

Hier gilt als Faustregel: Je höher der Anlagebetrag ist, desto weniger fallen monatliche fixe Kosten etwa für die Kontoführung ins Gewicht.

Was ist bei der Wahl des Tagesgeldkontos noch wichtig?

Neben dem Zinssatz sollte beim Tagesgeld auch die Sicherheit stimmen. Für diese gibt es eine europaweite Regelung: Banken müssen Mitglied einer Einlagensicherung sein, die im Falle einer Insolvenz Guthaben von bis zu 100.000 je Kunde ersetzt. Das ist bei allen in diesem Artikel genannten Geldhäusern der Fall.

Allerdings gibt es nicht etwa einen Schutzschirm für alle, sondern in jedem Land einen eigenen. Warum beispielsweise das deutsche System als besonders sicher gilt, zeigt der Artikel „Tagesgeld mit deutscher Einlagensicherung“. Diese greift auch bei den hier genannten Angeboten von Raisin*, VW Bank*, ING* und Santander*.

Bitte beachten:

Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.

Fazit: Effektiver Jahreszins kann bei der Entscheidung helfen

Ein Blick auf den effektiven Jahreszins zeigt: Es ist nicht immer das Angebot mit dem höchsten Aktionszins, das aufs volle Jahr gerechnet am besten abschneidet. Die Länge der Zinsgarantie und der Anschlusszins spielen fürs Ergebnis eine entscheidende Rolle.

Der Wert ist eine praktische Orientierungshilfe für Sparerinnen und Sparer, die nicht ständig mit ihrem Ersparten von einer Bank zur nächsten wechseln wollen. Für echte Zinsjägerinnen und Zinsjäger ist er hingegen egal. Diese schnappen sich einfach immer das Angebot mit den besten Sonderkonditionen und ziehen dann weiter. Etwas Aufwand bei der Zinsjagd lässt sich mit einem „Tagesgeldkonto mit langer Zinsgarantie“ sparen.

Tagesgeld-Vergleich zeigt aktuelle Angebote

Diese und weitere Angebote finden Sie auch in unserem Tagesgeld-Vergleich. Im Rechner unter diesem Absatz lassen sich Angebote auch nach Anlagesumme und geplanter Anlagedauer filtern.