Der Goldpreis hat Anleger 2026 bereits mit kräftigen Ausschlägen überrascht. Nach Rekordständen folgten deutliche Rücksetzer – entsprechend schwierig fällt die Prognose für die kommenden Monate aus.

Die von unserer Redaktion befragten Anlageprofis rechnen zwar mehrheitlich mit einem weiterhin hohen Goldpreis. Bei der Frage, welches Niveau bis zum Jahresende möglich ist, liegen ihre Einschätzungen jedoch weit auseinander. Neben den anhaltenden Goldkäufen der Zentralbanken dürften vor allem die US-Geldpolitik, Realzinsen und der Dollar darüber entscheiden, wie sich das Edelmetall entwickelt.

Goldpreis-Prognose 2026: Kursziele der Profis liegen weit auseinander

Anlageprofi Roland Schmack von der Vermögensverwaltung „Meine Werte“ erwartet zum Jahresende einen Goldpreis von rund 4800 US-Dollar je Feinunze. Auf punktgenaue Prognosen gibt er allerdings wenig: „Wer Ihnen einen Goldpreis auf den Euro genau für Silvester nennt, verkauft Kaffeesatz mit Nachkommastellen.“ Auffällig sei, dass die aktuellen Prognosen großer Banken ungewöhnlich weit auseinanderliegen. „Diese Lücke ist vielleicht das ehrlichste Signal überhaupt“, so Schmack. Je nach Institut reiche die Spanne grob von 4500 bis 6000 Dollar und darüber hinaus. Das verdeutliche die Unsicherheit am Markt.

Schmack sieht für den Goldpreis wichtige Unterstützung durch die anhaltenden Goldkäufe der Zentralbanken. Auch geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Unsicherheiten könnten die Nachfrage nach dem Edelmetall stützen. In solchen Phasen gilt Gold als vergleichsweise sicherer Anlagehafen.

Mann legt einen Goldbarren in ein Schließfach eines Tresorraums
Vor allem hohe Zinsen können für einen Abwärtstrend beim Goldpreis sorgen.© Sven Hoppe/dpa/dpa-tmn | Sven Hoppe

Gold: Ein Faktor entscheidet über den weiteren Kurs

Entscheidend für die weitere Entwicklung dürfte jedoch die Geldpolitik der US-Notenbank bleiben. Sollten die Zinsen wieder sinken und verzinsliche Anlagen an Reiz verlieren, wird Gold interessanter. Ein schwächerer US-Dollar könnte diesen Effekt verstärken. Bleiben die Zinsen dagegen länger auf einem hohen Niveau, könnte dies den Goldpreis belasten und für Abwärtsdruck sorgen.

Michael Wittek Investmentexperte bei „Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung“, sieht die Notenbanken ebenfalls als wichtigsten Treiber. Er könne sich bis Jahresende einen Kurs um die 5000-Dollar-Marke vorstellen, sagt er. Der World Gold Council rechne 2026 mit Käufen von rund 850 Tonnen – einer Nachfrage, die wenig von kurzfristigen Preisschwankungen abhängig sei. Zugleich warnt Wittek davor, einzelne Kursziele zu überbewerten. Auch er verweist auf Prognosen, die teilweise deutlich auseinandergehen: „Bleiben die Realzinsen hoch, wird es die 5000-Dollar-Marke schwer haben.“

Schuldenkrise treibt Goldpreis auf neues Rekordhoch
Der Goldpreis verzeichnete 2026 bereits neue Höchststände.© dpa | Db Heraeus

Weniger optimistisch ist hingegen Anlageprofi Nikolas Kreuz vom Finanzdienstleister „Invios“. Er hält bis zum Jahresende einen Korridor von 4200 bis 4800 US-Dollar je Feinunze für realistisch. Die grundsätzliche Richtung bleibe aus seiner Sicht aufwärtsgerichtet, solange Zentralbanken Gold kauften und das Vertrauen in Staatsanleihen abnehme. Einen Gegenpol dazu bietet Investmentexperte Rolf Ehlhardt vom Vermögensverwalter „I.C.M. Mannheim“. Er nennt für Ende 2026 ein Kursziel von 7000 US-Dollar je Feinunze.

Zentralbanken bleiben der wichtigste Preisfaktor

Bei den Gründen für steigende Goldpreise herrscht weitgehend Einigkeit. An erster Stelle stehen die anhaltenden Käufe der Zentralbanken. Viele Staaten planen ihre Reserven breiter aufzustellen und ihre Abhängigkeit vom US-Dollar zu reduzieren. Gold hat dabei einen besonderen Stellenwert, weil es keinem Ausfallrisiko eines Schuldners unterliegt.

Hinzu kommen weitere Faktoren:

  • geopolitische Konflikte und wirtschaftliche Unsicherheit,
  • die hohe und weiter steigende Staatsverschuldung,
  • ein möglicherweise schwächerer US-Dollar,
  • mögliche Lockerungen der US-Geldpolitik,
  • eine weiterhin erhöhte Inflation.

Für weitere Kurssteigerungen braucht es laut Thomas Mitroulis, Anlageprofi bei „Axia Asset Management“, nicht zwingend eine neue Finanzkrise. Es könne bereits ausreichen, wenn mehr Investoren zu dem Schluss kämen, dass die staatlichen Schulden schneller wachsen als die Fähigkeit, sie aus realen Einnahmen zurückzuführen. Der Weg nach oben dürfte jedoch nicht geradlinig verlaufen. Rücksetzer von zehn bis 15 Prozent sind für Mitroulis denkbar.

Bitte beachten:

Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.

Hohe Realzinsen könnten Gold unter Druck setzen

Trotz des überwiegend positiven Ausblicks bleiben erhebliche Risiken. Anlageprofi Jan-Patrick Weuthen von „B&K Vermögen“ nennt insbesondere eine robuste US-Konjunktur und anhaltend hohe Realzinsen, also Zinsen nach Abzug der Inflation. Diese sind für die Preisentwicklung von Gold problematisch, weil das Edelmetall selbst weder Zinsen noch Dividenden abwirft. Steigen gleichzeitig der US-Dollar und die Renditen sicherer Anleihen, werden verzinste Anlagen im Vergleich attraktiver. Unter solchen Bedingungen sei ein Rückgang in Richtung 4000 US-Dollar oder darunter nicht ausgeschlossen.

Für Anleger ergibt sich ein Spannungsfeld: Zentralbankkäufe, Staatsverschuldung und geopolitische Risiken sprechen für Gold. Eine straffe Geldpolitik, hohe Realzinsen und ein starker Dollar können den Kurs dagegen belasten. Auch eine geopolitische Entspannung könnte die Nachfrage nach dem als sicherem Hafen geltenden Edelmetall verringern.

Goldpreis auf Rekordhoch
Experten rechnen mit einem steigenden Goldpreis bis zum Jahresende 2026.© DPA Images | Uli Deck

Das größte Risiko beim Goldkauf: falsche Erwartungen

Die breite Spanne der Prognosen zeigt, wie unsicher selbst professionelle Einschätzungen bleiben. Ein Kursziel ist kein Versprechen. Gold kann innerhalb eines grundsätzlich positiven Marktumfelds stark schwanken und vorübergehend deutlich an Wert verlieren. Es dient als Absicherung gegen Währungs-, Schulden- und Systemrisiken, ersetzt aber kein ausgewogenes Portfolio. Ein zu hoher Anteil birgt ein Klumpenrisiko, also eine übermäßige Abhängigkeit von einer einzigen Anlageklasse.

Besonders riskant sind gehebelte Produkte und Goldminenaktien. Sie reagieren häufig deutlich stärker auf Marktbewegungen als physisches Gold. Beim Kauf von Barren oder Münzen sollten Anleger außerdem auf seriöse Händler, transparente Preise und einen eindeutigen Eigentumsnachweis achten.

Die Prognosen zeigen dabei vor allem eines: Auch bei einem positiven Ausblick bleiben die Unsicherheiten hoch. Für Anleger bedeutet das: Gold kann langfristig zur Diversifikation beitragen, zwischenzeitliche Korrekturen von zehn bis 15 Prozent sind aber möglich. Bei welchem Kurs Profis einsteigen würden, lesen Sie in einem separaten Text.

Quellen:

Im Gespräch mit Nikolas Kreuz von der INVIOS GmbH, Institut für Vermögenssicherung & Asset Management, im August 2026

Im Gespräch mit Roland Schmack, Certified Financial Planner, Geschäftsführer der Meine Werte GmbH – Partner der isFINANCE AG, im August 2026

Im Gespräch mit Kohlbrecher, Mirko bei Spiekermann am im August 2026

Im Gespräch mit Rolf Ehlhardt von I.C.M. Mannheim im August 2026

Im Gespräch mit Rainer Beckmann, Partner der unabhängigen Vermögensverwaltung ficon Vermögensmanagement GmbH in Düsseldorf, im August 2026

Im Gespräch mit Jan-Patrick Weuthen von der B&K Vermögen GmbH im August 2026

Im Gespräch mit Thomas Mitroulis, Geschäftsführer der AXIA Asset Management GmbH, im August 2026

Im Gespräch mit Michael Wittek, Direktor Portfoliomanagement bei der Albrecht, Kitta & Co. Vermögensverwaltung & Family Office in Hamburg, im August 2026