Silber ist nicht nur als Anlage gefragt, sondern spielt auch in zahlreichen Industriezweigen eine wichtige Rolle. Aktuell liegt der Silberpreis im Vergleich zu Gold auf einem niedrigen Niveau. Doch wie könnte sich der Kurs des Edelmetalls künftig entwickeln? Experten haben ihre Silberpreis-Prognosen für das Jahr 2025 abgegeben. Gleichzeitig verraten sie, was den Kurs kurzfristig als auch langfristig beeinflussen könnte.
Silberpreis-Prognose: Diese Faktoren beeinflussen den Kurs
Anleger sollten wissen, dass den Silberpreis mehrere Faktoren beeinflussen. „Eine Rolle spielen zum Beispiel die Terminmärkte: Insbesondere die US-Warenterminbörse COMEX, an der große Mengen Silber gehandelt werden – oftmals nur auf dem Papier“, erklärt Korbinian Penzkofer, Geschäftsführer des Onlinevergleichsportals Gold.de. Angebot und Nachfrage von institutionellen Investoren, Spekulanten und Banken bestimmen hier den Preis. Das führt dazu, dass der Kurs stark schwanken kann – teils ohne realen Bezug zum physischen Markt.
Diese ausgeprägte Volatilität zeigt sich auch in den täglichen Preisbewegungen: Laut Adrian Ash von der Edelmetall-Handelsplattform Bullionvault sind diese beim Silber im Durchschnitt um 76 Prozent höher als bei Gold. Das liege zum einen am „kleineren Markt“, zum anderen an der daraus resultierenden hohen Volatilität, die spekulative Händler anzieht.
Gold und Industrie: Was den Edelmetallpreis außerdem prägt
Zudem hat laut Ash auch der Gold-Kurs einen erheblichen Einfluss auf den Silberpreis. Trotz unterschiedlicher Angebots- und Nachfragedynamiken sowie dem früheren Verlust seiner Rolle als Zahlungsmittel hat Silber seine Funktion als Sachwert und Wertspeicher bewahrt. „Der Preis hat sich in den letzten fünfzig Jahren in 77 Prozent der Fälle täglich, wöchentlich und auch jährlich in die gleiche Richtung wie der Goldpreis bewegt“, erklärt er.
Gleichzeitig ist Silber besonders in der Industrie gefragt – deutlich mehr als Gold. „50 Prozent der Nettonachfrage nach Silber entfällt auf produktive Verwendungszwecke und nicht auf Investitionen oder Schmuck“, erklärt Ash.
Penzkofer nennt die Solarindustrie als „Wachstumstreiber Nummer eins“. Gefolgt von Elektronik, Medizintechnik und dem E-Automobilbau. „Neu hinzukommt die stark steigende Nachfrage in der Rüstungsindustrie“, so Penzkofer weiter. „Diese Branchen benötigen Silber in immer größeren Mengen, was zu einem seit fünf Jahren anhaltenden strukturellen Angebotsdefizit führt.“ Das sorge für höhere Preise.
Doch nicht nur die Industrie trägt ihren Teil bei. Auch Anleger, die in physisches Silber und börsengehandelte Produkte investieren, beeinflussten laut Penzkofer den Silberpreis. Schließlich ermöglichen ETFs und ETCs „einen einfachen Zugang zu Silber als Vermögenswert.“

Prognose für Silber 2025: Wie könnte sich der Preis kurz- und mittelfristig entwickeln?
Vorab sei gesagt: Konkrete Vorhersagen sind schwierig. Penzkofer erklärt: „Viele Analysten von Reuters sehen Potenzial für einen Anstieg auf circa 40 bis 50 US-Dollar in den verbleibenden Monaten des Jahres. Einige Optimisten wie Wisdomtree und der kanadische Silber-Milliardär Eric Sprott erwarten aufgrund struktureller Angebotsdefizite und starker Industrienachfrage sogar bis zu 45 US-Dollar bis zum Ende des dritten Quartals 2025. Walletinvestor prognostiziert kurzfristig einen Kursanstieg auf etwa 40,50 US-Dollar, mit einer Spanne zwischen 37,50 und 40,40 US-Dollar in den nächsten zwei Monaten.“
Ein realistischer Bereich für den Silberpreis scheinen demnach 38 bis 45 US-Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm) am Spotmarkt zu sein.
Handelsbörsen wie Bullionvault geben keine Preisprognosen ab. Allerdings hat das Unternehmen in einer kürzlich erstellten Umfrage unter Bullionvault-Benutzern herausgefunden, dass 1075 Anleger „im Durchschnitt voraussagten, dass Silber zum Jahresende bei 41,18 US-Dollar pro Feinunze liegen wird“, so Ash. Das wären umgerechnet 35,58 Euro und ein Anstieg um 8,8 Prozent.
Was bedeutet die Gold/Silber-Ratio?
Die Gold/Silber-Ratio gibt an, wie viele Unzen Silber man für eine Unze Gold bekommt. Um das herauszufinden, teilt man den aktuellen Goldpreis durch den aktuellen Silberpreis. Eine hohe Ratio deutet darauf hin, dass Silber im Vergleich zu Gold günstig ist. Eine niedrige Ratio auf ein relativ teures Silber. Anhand der Gold/Silber-Ratio lässt sich beurteilen, ob Silber oder Gold aktuell unter- oder überbewertet ist.
Wie könnte sich der Silberpreis langfristig entwickeln?
Auch langfristig gibt es nur Schätzungen. Der Geschäftsführer von Gold.de fasst die strukturellen Trends so zusammen:
- Prognose bis 2030: Eine realistisch konservative Einschätzung bewegt sich im 50 bis 80 US-Dollar-Bereich. Bullisch könnten es eher 82 bis 225 US-Dollar sein.
- Prognose bis 2040: Verbindlich konservativ werden mehr als 50 US-Dollar erwartet. Bullische Szenarien halten 100 bis 225 US-Dollar für realistisch – vor allem bei massiver Knappheit und einer hohen Nachfrage in der Industrie.
- Prognose bis 2050: Das Edelmetall wird knapp und die technologischen Innovationen werden die Nachfrage massiv antreiben – das ist das sehr optimistische Szenario. Sollte das eintreffen, ist ein Preis bis 225 US-Dollar oder sogar mehr denkbar.
Langfristige Einflussfaktoren auf den Silberpreis
Langfristig gibt es ebenfalls mehrere Faktoren, die den Kurs maßgeblich beeinflussen könnten. Entscheidend sind dabei unter anderem die Rolle der Zentralbanken, die industrielle Nachfrage und das bestehende Angebotsdefizit. „Zentralbanken halten kein Silber“, erklärt Ash. Das habe dazu geführt, dass Silber im Vergleich zu Gold deutlich zurückgefallen ist. Einige Experten rechnen nun mit einer Rückkehr zum langfristigen Durchschnitt des sogenannten Gold-Silber-Verhältnisses – was ein mögliches Aufwärtspotenzial für Silber bedeuten könnte.
Hinzu kommt: Der Silbermarkt befindet sich laut Ash seit fünf Jahren im strukturellen Defizit. Das habe nicht nur die Lagerbestände verringert, sondern auch neue Investoren angezogen. Zwar existieren noch große oberirdische Reserven – etwa in Form von Schmuck – doch neue Silbervorkommen sind kaum in Sicht, und auch das Recycling steckt noch in den Anfängen.
>> Goldpreis-Prognose 2025: Rekordverdächtige Entwicklung
Penzkofer bekräftigt das Argument der strukturellen Angebotsknappheit. „Viele Prognosen gehen davon aus, dass die Nachfrage durch Photovoltaik, Elektronik und neuartige Elektroauto-Batterien die verfügbaren Reserven bei Weitem übersteigt. Sollte sich zum Beispiel die Feststoff-Akku‑Technologie durchsetzen, könnte der Bedarf pro Fahrzeug signifikant steigen und so die Nachfrage um tausende Tonnen jährlich erhöhen – bei nahezu stagnierender Produktion und noch vernachlässigbarem Recycling.“
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