Mehr als 100.000 Euro – so viel Nettovermögen besitzt jeder zweite Haushalt in Deutschland. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft. Dabei stellt sich auch heraus: Der Besitz eines Eigenheims spielt bei der Vermögensverteilung eine entscheidende Rolle.
IW-Studie: So viel Geld besitzen die Deutschen
Aus einer aktuellen Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft ging Anfang Juli hervor, dass jeder zweite Haushalt in Deutschland ein Nettovermögen von 103.100 Euro besitzt. Die Datenerhebung erfolgte im Jahr 2023 auf Grundlage einer Befragung durch die Deutsche Bundesbank.
Das Ergebnis wirkt auf den ersten Blick beeindruckend – doch wie setzt es sich zusammen? Die höchsten Vermögen entfallen auf Personen kurz vor dem Ruhestand. Jüngere und ältere Menschen verfügen in der Regel über deutlich weniger.
Denn: Vermögen entsteht in der Regel über viele Jahre hinweg – meist über den Verlauf eines gesamten Erwerbslebens. Im Ruhestand wird es dann nach und nach aufgebraucht. Das erklärt auch die Unterschiede zwischen den Altersgruppen: Unter 35-Jährige verfügen laut Untersuchung über ein mittleres Vermögen von 17.300 Euro. Bei den 55- bis 64-Jährigen liegt es im Schnitt bereits bei 241.100 Euro. Menschen ab 75 Jahren besitzen durchschnittlich noch 172.500 Euro
Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die Vermögensverteilung nach Alter:
| Altersgruppe | Vermögen |
|---|---|
| unter 35 Jahren | 17.300 Euro |
| 35 bis 44 Jahre | 75.500 Euro |
| 45 bis 54 Jahre | 146.200 Euro |
| 55 bis 64 Jahre | 241.100 Euro |
| 65 bis 74 Jahre | 193.300 Euro |
| ab 75 Jahren | 172.500 Euro |
| Gesamt | 103.100 Euro |
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft (Datenstand: 9. Juli 2025)
Das ist die Methodik zur Studie: Es wurden 3985 Haushalte zu ihrer Vermögens- und Schuldensituation befragt. Um auf das Haushaltsnettovermögen zu kommen, wurden alle Verbindlichkeiten (Hypotheken- oder Konsumkredite) vom Bruttovermögen abgezogen. Dazu gehören:
- Geldvermögen
- Immobilien
- Wertgegenstände
- Fahrzeuge
- Betriebsvermögen
Eine weitere interessante Erkenntnis: Der Besitz eines Eigenheims ist beim Vermögensaufbau besonders relevant. Bei den 55- bis 64-Jährigen lebt „mehr als jeder Zweite“ in den eigenen vier Wänden. Bei den unter 35-Jährigen ist es nicht einmal jeder Zehnte. „Will der Staat den privaten Vermögensaufbau erleichtern, könnte er die Arbeitseinkommen entlasten“, sagt IW-Verteilungsexperte und Studienkoautor Maximilian Stockhausen. „Wenn Arbeitnehmer mehr Netto vom Brutto behalten, eröffnet ihnen das zusätzliche Spielräume für die Vermögensbildung.“
Doch wie geht Vermögensaufbau eigentlich? Dafür haben wir drei Tipps:
Tipp 1: Lebensstandard hinterfragen
Mehr verdienen und gleichzeitig mehr ausgeben? Das sollte beim Vermögensaufbau klar durchdacht sein. Schließlich soll sich die Lücke zwischen Einkommen und Ausgaben kontinuierlich vergrößern. Auch wenn es wirkt, als würde es nichts bringen: Kleine Ausgaben können sich stark summieren.
Wer seinen Filterkaffee vor der Arbeit beispielsweise zu Hause macht, zahlt heruntergerechnet zwischen fünf bis zehn Cent. Ein Kaffee beim Bäcker kostet hingegen 3,50 Euro. Wenn man nun davon ausgeht, dass eine Person 200 Tage in einem Büro arbeitet und sich täglich einen Kaffee kauft, sind das 700 Euro. Zum Vergleich: Zuhause kommen nur zehn bis 20 Euro pro Jahr zusammen.
Tipp 2: Sparquote festlegen
Finden Sie heraus, wie viel Geld Sie monatlich zur Seite legen können. Eine Faustregel besagt, dass mindestens zehn bis 20 Prozent des Nettoeinkommens für den Vermögensaufbau aufgewendet werden sollten.

Tipp 3: Breit investieren
Es gibt verschiedene Investitionstypen. Die einen sind risikofreudiger, die anderen risikoscheuer. Viele greifen auf Tagesgeld und Festgeld zurück. Das ist zwar vergleichsweise sicher, bringt aber auch weniger Rendite als beispielsweise ein ETF auf den MSCI World.
Zur Veranschaulichung gehen wir davon aus, dass jemand monatlich 250 Euro in einen ETF-Sparplan stecken kann. Anhand des Sparplanrechners von iShares können wir uns ein grobes Bild davon machen, wie sich das Geld innerhalb von zehn, 20 und 30 Jahren mit einer geschätzten Rendite von 6,3 Prozent (MSCI World) im Durchschnitt vermehrt.
| Jahre | Durchschnittliches Vermögen |
|---|---|
| zehn Jahre | 41.249,15 Euro |
| 20 Jahre | 117.237,62 Euro |
| 30 Jahre | 257.222,25 Euro |
Quelle: Eigene Berechnung durch iShares (Datenstand: 22. Juli 2025)
Nach 30 Jahren hätte die Person ein Vermögen von 257.222,25 Euro (vor Steuern). Investiert der Anleger hingegen 100 Euro mehr – also 350 Euro – ist der Effekt noch stärker.
| Jahre | Durchschnittliches Vermögen |
|---|---|
| zehn Jahre | 57.748,82 Euro |
| 20 Jahre | 164.132,67 Euro |
| 30 Jahre | 360.111,15 Euro |
Quelle: Eigene Berechnung durch iShares (Datenstand: 22. Juli 2025)
Der Vorteil von Sparplänen: Sie sind flexibel veränderbar. Es lässt sich also spontan mehr oder auch weniger einzahlen – je nachdem, wie es am besten zur Lebenssituation passt.
>> MSCI World vs. FTSE All World: Welcher Welt-ETF passt zu mir?
Häufig gestellte Fragen zu Sparprodukten (FAQ)
Was ist das Tagesgeld? Tagesgeld ist eine flexible Geldanlage, bei der Anleger ihr Kapital jederzeit verfügbar haben. Das Geld wird auf einem Tagesgeldkonto geparkt und mit variablen Zinsen vergütet. Die Verzinsung ist oft höher als bei einem Girokonto, aber niedriger als bei Festgeld. Tagesgeld eignet sich besonders für die kurzfristige Geldanlage und als Notfallrücklage.
Was ist das Festgeld? Beim Festgeld legen Sparer ihr Geld für eine festgelegte Laufzeit zu einem festen Zinssatz an. Die Laufzeit kann von wenigen Monaten bis zu mehreren Jahren betragen. Während dieser Zeit kann das Kapital nicht verfügbar gemacht werden. Festgeld bietet meist höhere Zinsen als Tagesgeld, ist aber weniger flexibel.
Was ist ein Depot? Ein Depot ist ein Konto, das Anleger für den Kauf und Verkauf von Wertpapieren wie Aktien, ETFs oder Fonds benötigen. Es wird bei einer Bank oder einem Online-Broker geführt. Depots unterscheiden sich in ihren Gebühren, Handelsmöglichkeiten und Zusatzleistungen.
Was ist ein ETF? Ein Exchange Traded Fund (ETF) ist ein börsengehandelter Fonds, der einen Index wie den DAX oder den MSCI World abbildet. ETFs sind kostengünstig, transparent und bieten eine breite Diversifikation, da sie viele verschiedene Wertpapiere enthalten. Sie eignen sich besonders für langfristiges Anlegen und sind bei passiven Investoren beliebt.
Was sind Aktien? Aktien sind Anteile an Unternehmen, die an der Börse gehandelt werden. Durch den Kauf von Aktien werden Anleger Miteigentümer des Unternehmens und profitieren von Kurssteigerungen sowie Dividenden. Aktien bieten langfristig hohe Renditechancen, sind aber auch mit Risiken verbunden, da die Kurse schwanken können.
Wie funktionieren Sparpläne? Ein Sparplan ermöglicht es, regelmäßig Geld in Aktien, ETFs oder Fonds zu investieren. Anleger zahlen beispielsweise monatlich einen festen Betrag ein. Durch den Durchschnittskosteneffekt profitieren sie von Schwankungen, da sie bei niedrigen Kursen mehr Anteile und bei hohen Kursen weniger Anteile kaufen.
Was bedeutet MSCI World? Der MSCI World ist ein weltweit verbreiteter Aktienindex, der die Entwicklung von rund 1.600 Unternehmen aus 23 Industrieländern abbildet. Er gilt als Basis für viele ETFs und steht für eine breite Diversifikation. Wer in einen MSCI-World-ETF investiert, beteiligt sich indirekt an vielen internationalen Unternehmen.
Was für Anlageformen gibt es? Neben Tagesgeld, Festgeld, Aktien und ETFs gibt es weitere Anlageformen wie Anleihen, Immobilien, Rohstoffe, P2P-Kredite oder Kryptowährung. Jede Anlageklasse hat spezifische Chancen und Risiken. Eine gute Diversifikation kann helfen, das Risiko zu minimieren und langfristig stabile Renditen zu erzielen.
Inwieweit ist der Einlagenzins der EZB relevant? Die Europäische Zentralbank (EZB) legt den Einlagenzins fest, zu dem Banken Geld bei ihr parken können. Dieser Zins beeinflusst die Sparzinsen für Verbraucher: Ist der Einlagenzins hoch, steigen oft auch die Tages- und Festgeldzinsen. Niedrige Einlagenzinsen führen hingegen oft zu geringen Sparzinsen.
Was ist die beste Anlagestrategie? Die beste Anlagestrategie hängt von individuellen Zielen, der Risikobereitschaft und dem Anlagehorizont ab. Ein bewährter Ansatz ist die breite Diversifikation, beispielsweise durch ETFs. Langfristiges Investieren und regelmäßiges Sparen reduzieren Risiken. Ein Mix aus sicheren (Tages- und Festgeld) und renditestarken (Aktien, ETFs) Anlagen kann ein ausgewogenes Portfolio schaffen.



