„Mein erster Kontakt mit Investments war vor etwa 20 Jahren“, erinnert sich der Finanz-Blogger Clemens Faustenhammer. Heute teilt der 39-Jährige seine Anlage-Erfahrungen auf seinem Finanzblog „Dividend Post“. Dort führt der studierte BWLer ein Echtgeld-Portfolio und hat sich ein Depotvermögen von rund 60.000 Euro aufgebaut. Faustenhammer bezieht rund 100 Euro an Dividenden im Monat. Unsere Redaktion konnte alle Angaben überprüfen. Im Gespräch erklärt der Investor, nach welchen Kriterien er passende Aktien auswählt und warum er nicht mit ETFs arbeitet. Lesen Sie hier: So funktionieren Aktien und die Börse.
Aktien für Anfänger: In dieser Bank startete die Investment-Geschichte
Faustenhammer sagt, er habe am Anfang seiner Investitionen nur wenig Ahnung von der Börse gehabt. Damals habe er in einem ersten Schritt seine Beraterin bei der Sparkasse befragt – diese habe ihm aktiv gemanagte Fonds empfohlen. ETFs, die heute vor allem bei Privatanlegern beliebt sind, waren damals noch weniger verbreitet.
Der Unterschied: Während ETFs (Exchange Traded Funds) einen bestimmten Index nachbilden – sozusagen einen Korb an Aktien –, verbirgt sich hinter aktiv gemanagten Fonds ein Fondsmanager, der mit seinen Anlageentscheidungen den Markt zu schlagen versucht.

Erste Aktien bei der Geldanlage: „War von ihrem Geschäftsmodell begeistert“
Erst Jahre später begann Faustenhammer laut eigener Aussage, eigenständig Aktien zu kaufen. Zu dieser Zeit habe der Österreicher bereits als Vorstandsassistent in der Bank Austria gearbeitet, der österreichischen Tochter der UniCredit Group. Dadurch sei er vermehrt mit dem Kapitalmarkt in Berührung gekommen, erzählt er.
„Mein erstes Investment war 2011 Netflix, gefolgt von Amazon“, erinnert er sich. „Ich kannte die Unternehmen und war von ihrem Geschäftsmodell als Kunde begeistert. Netflix war damals gerade dabei, sich vom DVD-Verleih zum Streaming-Anbieter zu transformieren.“ Die Entwicklung habe ihn interessiert. Tatsächlich hatte Faustenhammer damit eine gute Intuition – denn bis heute sind es seine beiden erfolgreichsten Aktien-Investments.
Nach diesen Kriterien sucht der Investor passende Unternehmen
Doch wie sucht sich der Investor heute aus, wo er sein Geld anlegt? „Ich investiere in Unternehmen mit nachhaltigen Geschäftsmodellen und halte diese Positionen langfristig“, erklärt Faustenhammer. Dabei setze er nicht nur auf große Namen, sondern auch auf Unternehmen, die ihm durch seine persönliche Erfahrung und Interessen auffallen.
„Dividenden sind ebenfalls ein wichtiges Filterkriterium“, betont er. Deshalb halte er nach Unternehmen Ausschau, die regelmäßig einen Teil ihres Gewinns an die Aktionäre ausschütten – die sogenannte Dividende. Dennoch: „Für mich steht das unternehmerische Investieren im Vordergrund“, so Faustenhammer.

Der Finanz-Blogger bezeichnet seine Strategie als „Dividend Quality Investing“, bei dem Dividendenwachstum nicht nur ein Ziel, sondern eine Konsequenz eines soliden, wachsenden Unternehmensmodells ist. Das Dividendenwachstum zeigt, wie stark die Dividende im Vergleich zum Vorjahr erhöht wurde.
Faustenhammer sagt, er analysiere gründlich, bevor er in ein Unternehmen investiere. Dabei schaue er auf das Geschäftsmodell, das Management, mögliche Verschuldungen, Chancen und Risiken sowie den Free Cashflow des Unternehmens. Letzterer bestimmt, wie viel Geld ein Unternehmen nach Abzug aller Kosten und Investitionen zur Verfügung hat, etwa für Dividende.
Geldanlage für Einsteiger: Das sind die Top-Aktien im Anleger-Portfolio
Was dem Investor zudem wichtig ist: „Ich investiere als Teil meines Risikomanagements in Tranchen.“ Das bedeutet, dass er seine Investments nicht auf einmal tätigt, sondern in mehreren kleineren Teilen (Tranchen) investiert. Dabei spielt für ihn die eigene Lebenssituation eine Rolle: „Die Investmentstrategie hängt davon ab, ob man Verbindlichkeiten oder Familie hat“, sagt Faustenhammer. Er selbst investiere vor allem langfristig – im besten Fall so, dass er sein Depot eines Tages vererben kann.
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Die aktuellen Top-Aktien im Portfolio von Faustenhammer:
- der deutsche Versicherungskonzern Münchener Rück
- das US-Pharmaunternehmen Gilead Sciences
- der US-Tech-Konzern Microsoft
- die US-Investmentgesellschaft Blackrock
- die Verpackungsfirma Packaging Corporation America mit Sitz in den USA
- der Hersteller für Automaterialien Snap-on
„Ein klares Signal“: Wann der Investor eine Aktie verkauft
Auch wenn Faustenhammer langfristig investieren möchte, trennt er sich auch von Aktien verkauft diese. „Ein Verkauf erfolgt, wenn sich die Unternehmensstory fundamental ändert“, erklärt er. Ein konkretes Beispiel sei das Telekommunikationsunternehmen Bell Canada (BCE). Ursprünglich plante das Unternehmen, seine Schulden abzubauen, doch dann nahm es neue Schulden auf und expandierte zu hohen Kosten in neue Märkte.
„Diese widersprüchliche Strategie und die schlechte Kommunikation des Managements haben mein Vertrauen erschüttert“, erklärt der Blogger. Ein weiteres Beispiel sei Intel, das 2023 entgegen vorheriger Aussagen gleich zwei Mal seine Dividende kürzte. Für Faustenhammer ein klares Signal, sich von solchen Werten zu trennen.
Einzelaktien statt Fonds: Warum der BWLer nicht auf ETFs setzt
20 Jahre nach dem Gespräch mit seiner Sparkassen-Beraterin setzt Faustenhammer nur noch auf Einzelaktien und nicht auf ETFs. Warum? „Aktien sind meine Leidenschaft. Ich beschäftige mich gerne mit Unternehmen, ihrer Geschichte und ihren Entscheidungen“, sagt er. Neben BWL hat Faustenhammer auch Geschichte studiert, weshalb er sich gerne mit langfristigen Entwicklungen an und abseits der Börse auseinandersetzt.

„ETFs sind sicherlich eine solide Basis“, sagt Faustenhammer. Das gelte besonders für Anleger, die nicht die Zeit oder das Interesse für einen intensive Auseinandersetzung mit einzelnen Unternehmen haben und dennoch breit gestreut in den Aktienmarkt investieren möchten. „Für mich sind Einzelwerte greifbarer“, erklärt der Finanz-Experte.
Dividenden-Aktien: So können Sie beim Vermögensaufbau helfen
Beim Vermögensaufbau spielt vor allem das Reinvestieren der Dividenden eine wichtige Rolle. Seit Auflage des Portfolios im April 2022 bezieht Faustenhammer im Schnitt knapp 100 Euro monatlich an Dividenden. Sein Portfolio verzeichnet seither ein Plus von rund 45 Prozent.
Seine größten Dividendenquellen kommen aus Bereichen, die über einen langfristigen Zeitraum stabile Cashflows bieten: „Rio Tinto war 2023 eines meiner besten Investments, und auch Enbridge, ein kanadischer Pipeline-Infrastrukturwert, gehört zu meinen größten Dividendenzahlern“, sagt Faustenhammer.
Auf Platz Drei liegt Brookfield Renewable Corporation, ein kanadisches Unternehmen aus dem Bereich erneuerbare Energien, danach folgt Münchner Rück aus Deutschland. „Es ist ein interessanter Mix“, sagt der Blogger. „Aber alle drei Unternehmen haben starke Cashflows und kommen aus kapitalintensiven Branchen, die einen Markteintritt neuer Konkurrenten erschweren.“
Das waren Faustenhammer größten Investmentfehler
Faustenhammer sagt, er bereue kein Investment. Aber: „Es gab viele Fehlinvestments“, sagt er. Besonders seit 2022 habe er über 20 Verkäufe getätigt, teils aus steuerlichen Gründen, teils wegen schlechter Performance. Doch der Österreicher betont: „Es geht mir nicht nur um den schnellen Gewinn, sondern um ein langfristiges und nachhaltiges Wachstum. Korrekturen im Portfolio sind so normal wie eben an der Börse“, so Faustenhammer. Sein wichtigster Punkt beim Investieren: ein Regelwerk festlegen und sich daran halten.
Bitte beachten:
Aktien, Immobilien und andere Investments sind grundsätzlich mit einem Risiko verbunden. Auch ein Totalverlust des eingesetzten Kapitals kann nicht ausgeschlossen werden. Ebenso können Kredite eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen. Verbraucher sollten ihre finanzielle Situation sorgfältig prüfen und alle Kosten gründlich durchrechnen. Die veröffentlichten Artikel, Daten und Prognosen sind keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Rechten und ersetzen keine fachliche Beratung.


