Häusliche Pflege gilt politisch als wünschenswert: Sie ermöglicht Menschen, in ihrer vertrauten Umgebung zu bleiben, und entlastet die Pflegeheime. Doch sie hat einen Preis, den überwiegend Angehörige zahlen. Sie verzichten teils auf Arbeitszeit, Einkommen, Erholung und meist auf einen Teil ihres bisherigen Lebens. Gerade in Partnerschaften kann aus Nähe ein Versorgungsverhältnis werden.
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Gesundheitsminister Carsten Linnemann will nun bei der Pflege rund zehn Prozent der Ausgaben einsparen und schließt Leistungskürzungen nicht aus. Gleichzeitig sollen Pflegebedürftige möglichst lange zu Hause bleiben. Beides passt schlecht zusammen. Wer häusliche Pflege stärken will, darf nicht ausgerechnet denen die Unterstützung entziehen, die diese Tag für Tag ermöglichen.
Pflege von Angehörigen: Pflegereform darf nicht zusätzlich belasten
Im Jahr 2025 wurden rund 5,1 Millionen Pflegebedürftige von Angehörigen oder Freunden in den eigenen vier Wänden versorgt. Ohne diese Arbeit wäre das System längst überfordert. Kürzungen verschieben Kosten und Belastungen nur: auf Familien, auf die Gesundheit der Pflegenden – und damit das Gesundheitssystem und mitunter früher auf Pflegeheime.

Natürlich braucht die Pflegeversicherung eine verlässliche Finanzierung. Leistungen müssen sinnvoll eingesetzt, Strukturen einfacher und Bürokratie abgebaut werden. Doch flexible Budgets und digitale Anträge helfen wenig, wenn Pflegedienste fehlen, Angehörige keine Auszeit finden und so selbst krank werden. Eine Pflegereform muss Entlastung garantieren, statt familiäre Hilfsbereitschaft stillschweigend einzuplanen. Der Sozialstaat darf Solidarität fördern – aber nicht ausnutzen.




