Der extrem lebensgefährliche Schimmelpilz Cladophialophora bantiana findet eine immer stärkere Verbreitung. Darauf verweisen die Experten des US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) in einer kürzlich veröffentlichten Studie. Zwar sind Infektionen mit dem Erreger weiterhin selten, doch die Zahl der untersuchten Erkrankungsfälle hat sich im Beobachtungszeitraum vervierfacht. Welche Ursachen hinter dieser Entwicklung stehen, ist bislang unklar.

Rätselhafter Anstieg von lebensgefährlichen Hirn-Pilzen

Eine Infektion mit dem Schimmelpilz Cladophialophora bantiana kann schwerwiegende Folgen für eine erkrankte Person haben und verläuft häufig tödlich. Die Sterblichkeit liegt etwa zwischen 60 und 70 Prozent, sodass die Heilungschancen oftmals gering sind. Der Erreger zählt zu den sogenannten neurotropen Pilzen, die das zentrale Nervensystem befallen können. Gelangt er durch das Einatmen in den Körper, erreicht er in den meisten Fällen das Gehirn und kann dort schwere Abszesse verursachen, wie das Robert Koch-Institut (RKI) die Erkrankung beschreibt.

Auch interessant

In einer kürzlich veröffentlichten Studie warnen die US-Behörde „Centers for Disease Control and Prevention“ (CDC) vor einem deutlichen Anstieg der Infektionsfälle in den vergangenen Jahren. Zwischen Januar 2009 und Juli 2026 wurden in einem großen klinischen Referenzlabor in den USA insgesamt 48 bestätigte und ein wahrscheinlicher Fall erfasst. Obwohl diese Zahl vergleichsweise gering erscheint, bereitet den Wissenschaftlern vor allem die jüngste Entwicklung Sorgen. Während zwischen 2009 und 2023 jährlich lediglich ein bis fünf Fälle registriert wurden, stieg die Zahl im Jahr 2024 auf acht und erreichte 2025 bereits 14 bestätigte Infektionen mit dem Schimmelpilz Cladophialophora bantiana.

Was ist die Ursache für den Anstieg der Infektionen?

Die genauen Ursachen für den deutlichen Anstieg der Infektionsfälle sind bislang vollkommen unklar. Ein entscheidender Grund dafür ist, dass der natürliche Lebensraum des Pilzes und seine Übertragungswege noch nicht vollständig erforscht sind. Die Wissenschaftler ziehen daher verschiedene Erklärungen in Betracht. Dazu zählen veränderte Umweltbedingungen, eine evolutionär bedingte Zunahme der Virulenz oder verbesserte diagnostische Verfahren, durch die Infektionen häufiger erkannt werden.

Lesen Sie auch

Auch die Diagnose selbst stellt eine Herausforderung dar. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) kann die Inkubationszeit wenige Wochen bis mehrere Monate betragen, in Einzelfällen sogar mehrere Jahre. Hinzu kommt, dass für den eindeutigen Erregernachweis häufig invasive Probenentnahmen erforderlich sind, wodurch sich die endgültige Diagnose verzögern kann. Erschwerend wirken sich die unspezifischen Symptome aus. Kopfschmerzen, Fieber, neurologische Ausfallerscheinungen und Krampfanfälle können ebenso bei zahlreichen anderen Erkrankungen auftreten.

Wissenschaftler fordern medizinische Konsequenzen

Der deutliche Anstieg der Infektionsfälle sollte nach Ansicht der Autoren der aktuellen Studie Konsequenzen für die medizinische Praxis haben. Experten empfehlen, Cladophialophora bantiana bei unklaren Hirnabszessen grundsätzlich als potenzielle Diagnose in Betracht zu ziehen. Für betroffene Patienten kann eine frühzeitige und konsequente Behandlung mit Antimykotika überlebenswichtig sein. Auch die operative Entfernung des befallenen Gewebes kann die Behandlung unterstützen und die Heilungsaussichten verbessern.

Auch interessant

Darüber hinaus fordern die Wissenschaftler die Einführung eines nationalen Meldesystems für diesen spezifischen Erreger. Dadurch ließen sich künftige Infektionsfälle systematisch erfassen und Entwicklungen bei der Ausbreitung des Pilzes genauer nachvollziehen.