Ein internationales Forschungsteam hat eine neue Tierart entdeckt, die wichtige Erkenntnisse über die Evolution verrät. Das Nanjing Institute of Geology and Palaeontology (NIGPAS) teilte mit, dass durch diese Entdeckung nun eine wichtige Forschungslücke in der frühen Geschichte der Erde untersucht werden kann.

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Die ersten Fossilien von Hexapoden, also sechsfüßigen Lebewesen wie den späteren Insekten, sind rund 405 Millionen Jahre alt und stammen aus dem frühdevonischen Zeitalter. Vor rund 450 Millionen Jahren sollen sie sich von den Krebstieren, ihren maritimen Verwandten, abgespalten haben. Eindeutige Insektenfossilien stammten bisher aber erst aus dem Karbonzeitalter, rund 80 Millionen Jahre später.
Das Forschungsteam um Professor Cai Chenyang (Nanjing Institute of Geology and Palaeontology) und Erik Tihelka (Doktorand an der Universität Cambridge) untersuchte jetzt aber das Fossil eines neuen Insekts, das aus dem späten Mississippium stammt und damit rund 324 Millionen Jahre alt sein soll. Durch eine moderne Mikroskopietechnik konnte das internationale Team nachweisen, dass es sich bei dem Insekt nicht, wie lange angenommen, um ein Krebstier, sondern um den ersten bekannten Insektenstamm handelt.
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Halb Insekt, halb Krebs – was das Insekt zum Hybrid macht
Ein typischer Insektenbauplan, sechs Beinchen und zwei Fühler – der Körperbau des Fossils der Chosha praecursor („Vorgänger-Insekt“) zeigt deutliche Ähnlichkeiten mit dem von Insekten. Aber: Das Tier verfügt über einen länglichen Hinterleib mit einem paddelartigen Schwanz. Das ist eigentlich typisch für Krebstiere und war bei Insekten bisher unbekannt.
Welchen Schluss ziehen die Forschenden aus diesem Hybrid-Körperbau? Nach Angaben der NIGPAS deutet das darauf hin, dass das „frühe Stamminsekt einen semiaquatischen, amphibischen Lebensstil führte und feuchte Mikrohabitate an den Übergängen zwischen aquatischen und terrestrischen Lebensräumen besiedelte“. Also: Die Neuentdeckung habe am Übergang von Wasser und Land gelebt. Sie stelle eine Zwischenart zwischen Krebstieren und Insekten dar.
Mehrere Insektenfossilien konnten neu bewertet werden
Diese Entdeckung ist laut dem Institut von großer Bedeutung: Zum einen schließe sie eine 80 Millionen Jahre lange Lücke in der Evolutionsbiologie der Sechsfüßler. Fest stehe durch den Fund, dass die Landbesiedlung der Insekten das Ende einer längeren Übergangsphase war, in der die Tiere sowohl im Wasser als auch an Land lebten. Außerdem werden Veränderungen des Körperbaus der Insekten im Laufe der Evolution deutlich. Während das „Vorgänger-Insekt“ noch kleine Bein-Überreste am Bauch hatte, sind diese zum Beispiel heute fast vollständig verschwunden.
Durch ihre Erkenntnisse konnten die Forscher noch zwei weitere rätselhafte paläozoische Hexapodenfossilien neu bewerten: Leverhulmia aus Schottland und einen unbenannten Hexapoden aus den USA. Zusammen mit diesen beiden Arten bildet die Chosha praecursor den frühesten, primitiven Insektenstamm.





