Der Pflegenotstand ist in Deutschland längst keine düstere Zukunftsprognose mehr, sondern Alltag in Kliniken, Heimen und ambulanten Diensten. Bis 2034 könnten nach einer Prognose des Statistischen Bundesamtes rund 350.000 Pflegekräfte fehlen. Eine aktuelle Auswertung der Jobplattform Pflegia zeigt nun, wie stark die Versorgung schon heute von internationalem Personal abhängt.

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Demnach besitzen fast vier von zehn auf der Plattform registrierten Pflegekräften keinen deutschen Pass. Grundlage der Analyse sind anonymisierte Daten aus 55.339 Befragungen, die zwischen dem 1. November 2024 und dem 1. November 2025 durchgeführt wurden. Über 23.000 registrierte Pflegekräfte geben laut Pflegia an, keine deutsche Staatsangehörigkeit zu haben – das entspricht 39 Prozent.
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Pflegekräfte aus dem Ausland: Berlin, Baden-Württemberg und Bremen vorn
Besonders hoch ist der Anteil internationaler Pflegekräfte in den Stadtstaaten und wirtschaftsstarken Regionen. In Berlin liegt er laut Pflegia bei 55 Prozent. Damit hat dort mehr als jede zweite auf der Plattform registrierte Pflegekraft keinen deutschen Pass. Es folgen Baden-Württemberg mit 53 Prozent und Bremen mit 52 Prozent.
Deutlich niedriger fallen die Werte in mehreren ostdeutschen Ländern aus. In Mecklenburg-Vorpommern liegt der Anteil internationaler Pflegekräfte laut Pflegia bei 20 Prozent, in Sachsen-Anhalt bei 22 Prozent und in Brandenburg bei 28 Prozent. Besonders sichtbar wird damit ein Ost-West-Unterschied: In den alten Bundesländern einschließlich Berlin liegt der Anteil internationaler Pflegekräfte bei mehr als 44 Prozent. In den neuen Bundesländern beträgt er dagegen nur 25 Prozent.
Pflege verliert Nachwuchs
Arbeitserlaubnis für Pflegekräfte: Viele könnten sofort eingesetzt werden
Entscheidend ist allerdings nicht nur, wie viele Pflegekräfte aus dem Ausland kommen. Wichtig ist auch, ob sie in Deutschland überhaupt arbeiten dürfen. Auch dazu liefert die Auswertung klare Zahlen: Knapp 83 Prozent der internationalen Bewerberinnen und Bewerber verfügen demnach bereits über eine gültige Arbeitserlaubnis. Rund zehn Prozent haben keine, bei etwa sechs Prozent läuft das Verfahren noch.
Das bedeutet: Ein großer Teil der ausländischen Pflegekräfte ist nicht nur theoretisch verfügbar, sondern könnte kurzfristig in Einrichtungen eingesetzt werden. In Berlin ist der Anteil internationaler Pflegekräfte mit Arbeitserlaubnis laut Pflegia mit mehr als 85 Prozent am höchsten. Brandenburg und Bremen folgen mit jeweils rund 84 Prozent. Etwas niedriger liegen Schleswig-Holstein, Thüringen und Sachsen-Anhalt mit Werten zwischen 79 und 81 Prozent. Insgesamt fallen die Unterschiede hier jedoch weniger stark aus als beim Anteil internationaler Pflegekräfte insgesamt.
Felix Westphal, Gründer und Geschäftsführer von Pflegia, sieht darin einen entscheidenden Hebel für den Arbeitsmarkt. „Ohne internationale Pflegekräfte ist die Versorgung in Deutschland heute schon nicht mehr aufrechtzuerhalten“, sagt er. Dass so viele von ihnen bereits eine Arbeitserlaubnis hätten und kurzfristig einsetzbar seien, sei „ein erhebliches Potenzial, das der Arbeitsmarkt aktiv nutzen muss“.
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Herkunftsländer der Pflegekräfte: Syrien, Ukraine und Türkei prägen das Bild
Während die Arbeitserlaubnisse zeigen, wie viele internationale Pflegekräfte kurzfristig einsatzbereit wären, macht der Blick auf ihre Herkunft deutlich, wie global der deutsche Pflegemarkt inzwischen geworden ist. Für diese Analyse wurden laut Pflegia im selben Zeitraum 21.287 anonymisierte Profile internationaler Bewerberinnen und Bewerber ausgewertet.
Die größte Gruppe stammt aus Syrien. 2.589 Bewerber entsprechen zwölf Prozent der ausgewerteten internationalen Profile. Dahinter folgt die Ukraine mit 1.789 Stellensuchenden, also acht Prozent. Aus der Türkei stammen 1.391 Bewerber, das entspricht sieben Prozent. Weitere wichtige Herkunftsländer sind Afghanistan, Indien, Polen, Rumänien, Marokko, Irak und Iran.
Westphal fordert deshalb Rahmenbedingungen, die internationale Fachkräfte nicht nur ansprechen, sondern auch langfristig halten. Wenn Deutschland die prognostizierte Lücke von 350.000 fehlenden Pflegekräften bis 2034 auch nur annähernd schließen wolle, brauche es bessere Strukturen für Integration, Anerkennung und berufliche Bindung, sagt er.











