Die Augen werden häufig als Fenster zum Gehirn beschrieben, eine Metapher, deren Bedeutung durch aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zunehmend gestützt wird. Neue Studien zeigen, dass eine reduzierte Sehfähigkeit mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit für eine Abnahme der kognitiven Leistungsfähigkeit innerhalb der folgenden zwölf Jahre einhergeht und somit als möglicher früher Indikator für die Entwicklung einer Demenz betrachtet werden kann.

Sehkraftverlust als neuer Risikofaktor für den kognitiven Verfall identifiziert

Zu dieser Einschätzung gelangt der „The Lancet Comission“, die mit der Fachzeitschrift The Lancet verbunden ist, einer der weltweit ältesten und renommiertesten medizinischen Publikationen. Ihren Analysen zufolge könnte eine reduzierte Sehfähigkeit für etwa 2,2 Prozent der Demenzfälle mitverantwortlich sein.

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Diese Bewertung stützt sich unter anderem auf zwei Studien, über die „ScienceAlert“ berichtet hat. In einer australischen Untersuchung aus dem Jahr 2024 analysierten Forscher die Sehschärfe sowie den kognitiven Abbau bei 2281 Teilnehmenden. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Verschlechterung des Sehvermögens signifikant mit geringeren Leistungen in den Bereichen Problemlösung, Gedächtnis und Aufmerksamkeit verbunden war. Darüber hinaus erhöhte sich bei betroffenen Personen innerhalb eines Zeitraums von zwölf Jahren die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung einer Demenz deutlich.

Eine weitere Studie aus Großbritannien verfolgte einen anderen methodischen Ansatz. In diesem Fall absolvierten 8000 Teilnehmende einen Sehtest, bei dem sie auf das Erscheinen eines Dreiecks auf einem Bildschirm reagieren sollten. Die Auswertung ergab, dass bei Personen mit einer verlangsamten visuellen Verarbeitungsgeschwindigkeit signifikant häufiger eine Demenz diagnostiziert wurde.

Präventive Maßnahmen bei Hör- und Sehverlusten

Die Neurowissenschaftlerin Nikki-Anne Wilson von Neuroscience Research Australia, eine der Hauptautorinnen der australischen Studie, bewertet präventive Maßnahmen als vielversprechenden Ansatz zur Vorbeugung von Demenz. Sie weist darauf hin, dass eine nachlassende Sehfähigkeit durch verschiedene Faktoren bedingt sein kann, von denen ein Teil behandelt werden kann. Hierzu zählen unter anderem Katarakte sowie Sehschwächen, die sich durch geeignete Sehhilfen korrigieren lassen.

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Eine vergleichbare Relevanz wird auch dem Hörverlust zugeschrieben, der mit etwa sieben Prozent der Demenzfälle in Verbindung gebracht wird. Einschränkungen des Hör- und Sehvermögens führen häufig dazu, dass betroffene Personen soziale Interaktionen vermeiden, beispielsweise aus Unsicherheit oder Angst. Studien verdeutlichen jedoch die zentrale Bedeutung sozialer Kontakte: Soziale Isolation stellt nicht nur einen eigenständigen Risikofaktor für Demenz dar, sondern kann auch die negativen Effekte anderer Risikofaktoren verstärken. Umgekehrt kann die Aufrechterhaltung sozialer Einbindung dazu beitragen, deren Auswirkungen abzumildern.

Im jüngsten Bericht der The Lancet Commission zu Demenz sprechen sich die Experten dafür aus, Vorsorgeuntersuchungen und therapeutische Maßnahmen bei Sehverlust breit zugänglich zu machen. Insgesamt wird die Behandlung von Sehbeeinträchtigungen als eine konkrete und aussichtsreiche Möglichkeit zur Prävention von Demenz bewertet.