Eine stärkere Sonneneruption sorgte in der Nacht auf Dienstag in weiten Teilen Deutschlands für Polarlichter. Für viele Menschen begann der Tag jedoch damit zu festzustellen, dass das farbenfrohe Naturspektakel (mal wieder) an ihnen vorbeigegangen ist. Doch es gibt Möglichkeiten, sich ziemlich punktgenau auf das Himmelsereignis vorzubereiten.

Polarlichter erleuchten Deutschland: Farbspektakel am Abendhimmel

Aurora oder auch Polarlichter genannt, gibt es längst nicht mehr nur in hohem Norden, also in Ländern wie Finnland oder Schweden. In Deutschland lässt sich das Farbenspiel am Himmel auch immer wieder bestaunen. So auch diesmal: Vor allem der Norden, aber auch Mittel- und Ostdeutschland, konnten sich am Montagabend über rote über grüne sowie gelbe Lichter am Abendhimmel freuen. Möglich wurde dies dank wolkenlosem Himmel.

Polarlichter entstehen durch geladene Teilchen des Sonnenwinds, die entlang der Magnetfeldlinien der Erde in die obere Atmosphäre eindringen und dort Sauerstoff- und Stickstoffatome anregen. Durch die Eruption flogen Teilchen von der Sonne in Richtung Erde. Sie werden bei Sonnenstürmen vom Erdmagnetfeld in Richtung Pole gelenkt und dringen in die Erdatmosphäre ein, heißt es auf der Webseite des DWD dazu.

Polarlichter über Deutschland: Sonnensturm am Montag besonders stark

Der Sonnensturm am Montagabend war dabei besonders stark. Wir hatten eine stärkere Eruption der Sonne und die ist jetzt bei uns angekommen“, sagte Markus Bayer, Meteorologe beim DWD. Der geomagnetische Sturm erreichte Montagabend die zweithöchste Stufe G4, wie die US-Atmosphärenbehörde Noaa berichtete. Möglich seien bei dieser Stärke unter anderem Auswirkungen auf Satelliten. So könne auch das GPS-System ausfallen.

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Die Eruptionswolke der Sonne habe die Strecke zwischen Sonne und Erde in nur etwa 25 Stunden bewältigt, berichtete die Astronomie-Plattform „Spaceweather“. Das sei extrem schnell. Normalerweise benötige eine solche Wolke für diese Strecke drei bis vier Tage. Wegen der Stärke des Sonnensturms seien die Lichter in der Nacht bis zu den Alpen zu sehen gewesen. 

Polarlichter aktuell: NOAA liefert 30-Minuten-Vorhersage für Sichtbarkeit

Wenn man kurzfristig Informationen darüber bekommen möchte, ob und wo Polarlichter zu sehen sein werden, hilft unter anderem das Space Weather Prediction Center der schon erwähnten National Oceanic and Atmospheric Administration (NOAA), auf Deutsch etwa die Nationale Ozean- und Atmosphärenbehörde. Dort wird Kartenmaterial zur Verfügung gestellt, dass Ort und Intensität von Polarlichtern zeigt. Das wichtigste daran ist die 30-Minuten-Vorhersage. So kann man die aktuellen Ausschläge der Lichter in der eigenen Region überprüfen.

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Am besten sind Polarlichter freilich bei Nacht zu sehen. Die NOAA empfiehlt: eine bis zwei Stunden nach Mitternacht. Das Naturspektakel ist ganz klar etwas für Nachtschwärmer. Doch noch etwas anderes gibt Aufschluss über die Wahrscheinlichkeit, die Lichter sehen zu können.

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Für all jene, die noch etwas tiefer in die Materie eintauchen wollen: Ein spezieller Wert gibt Ausschluss, wie weit Nordlichter vom Nordpol aus in Richtung Süden strahlen werden. Die NOAA erklärt den Grad der geomagnetischen Aktivität mit dem planetaren K-Index (Kp). Der Kp-Index liegt zwischen 0 und 9. Bei einem Kp-Wert zwischen 0 und 2 ist das Polarlicht weit im Norden zu beobachten, von geringer Intensität und nicht sehr aktiv.

Polarlicht: Hohe Kp-Werte ermöglichen Sichtbarkeit weit im Süden

Interessanter wird das Wetterphänomen ab einem Kp-Wert zwischen 3 und 5. Dann entfernt sich das Polarlicht weiter von den Polen, wird heller und zeigt mehr Polarlichtaktivität (Bewegung und Formationen). „Befindet man sich am richtigen Ort, kann man dieses Polarlicht sehr schön beobachten“, erklärt NOAA auf ihrer Webseite.

Bei einem Kp-Wert zwischen 6 und 7 entfernt sich das Polarlicht noch weiter von den Polen und wird besonders hell und aktiv. Bei dieser geomagnetischen Aktivität könnte es sogar möglich sein, das Polarlicht vom nördlichen Rand der Vereinigten Staaten aus zu beobachten. Bei Kp-Werten zwischen 8 und 9 wandert das Polarlicht noch weiter in Richtung Äquator und wird besonders hell und aktiv. In diesen Fällen ist das Polarlicht am besten zu beobachten, und das ausgedehnte Polarlichtoval ist für die meisten Menschen sichtbar. „Bei diesen Werten kann das Polarlicht in den nördlichen Bundesstaaten der USA direkt über den Köpfen der Menschen zu sehen sein.“

Hilfreich können auch Handy-Apps wie Polarlicht-Vorhersage oder Aurora Alerts sein. Das Programm spuckt für den eigenen Standort und die Uhrzeit aus, wie wahrscheinlich es ist, die Lichter am Himmel zu sehen. Andere Nutzer können zudem Angaben darüber machen, wo sie Polarlichter entdeckt haben und Fotos hochladen. Kleiner Bonus: Manche Apps liefern beeindruckende Fotos der Sonne und ihrer Eruptionen.

Für die kommende Nacht stehen die Chancen auf die bunten Lichter übrigens schlecht, sagte der Astrophysiker Volker Bothmer von der Universität Göttingen. Es sei kein weiterer Sonnensturm aufgetreten – weder zur Erde hin noch in eine andere Richtung. Für die darauffolgenden Nächte könne man noch nichts sagen.

mit dpa