Forscher des Nationalen Instituts für Anthropologie und Geschichte (INAH) haben an der archäologischen Stätte Balcón de Montezuma in Mexiko einen bemerkenswert geformten Schädel freigelegt, dessen Struktur dem Kopf ein nahezu würfelförmiges Erscheinungsbild verleiht. Aktuelle Laboranalysen sollen nun dazu beitragen, die kulturellen Hintergründe dieser rund 1500 Jahre alten Entdeckung präziser zu bestimmen.

Forscher erstaunt: Balcón de Montezuma als bedeutende Ausgrabungsstätte

Die archäologische Stätte Balcón de Montezuma wurde vor drei Jahrzehnten erstmals systematisch erforscht. Auf Grundlage aktueller Perspektiven und Methoden versuchen der physische Anthropologe Velasco González und der Archäologe Carlos Vanueth Pérez Silva heute, den Ursprung der Siedlung zu rekonstruieren, indem sie deren früheste Besiedlungsphasen bestimmen.

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Bei dem Fundort handelt es sich um kleine bäuerliche Siedlungen, die zwischen 600 und 900 nach Christus bewohnt waren. Erhalten sind die Fundamente der einstigen Wohnbauten, unter denen menschliche Überreste freigelegt wurden. Angesichts der großen Zahl an Bestattungen gehen die Wissenschaftler des INAH laut einer Mitteilung des Instituts derzeit davon aus, dass das ursprünglich aufgegebene Dorf später zu einem kultischen Zentrum umgewandelt wurde.

Skurriler Fund: Archäologen verblüfft über seltsame Schädelform

Bei den jüngsten Ausgrabungen vor Ort entdeckten die Wissenschaftler den Schädel eines über vierzigjährigen Mannes, der während der klassischen mesoamerikanischen Periode zwischen 400 und 900 nach Christus in der Sierra Madre Oriental lebte. Die Analyse von Sauerstoffisotopen in Knochen und Zähnen ergab, dass der Mann in dieser Region geboren wurde, dort sein Leben verbrachte und schließlich auch verstarb. Eine Herkunft aus anderen Gebieten kann daher ausgeschlossen werden.

Der Schädel weist eine Form auf, die sich deutlich von anderen bekannten konischen (kegelförmigen) Schädeln unterscheidet. Die Forschenden gehen davon aus, dass eine gezielte Modifikation vorgenommen wurde, die einer Technik entspricht, die als „tabular erect“ oder „parallelepipedisch“ beschrieben wird. Durch den anhaltenden Druck auf den wachsenden Schädel entstand ein nahezu würfelförmiges Erscheinungsbild.

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Nach Aussage des Anthropologen Jesús Ernesto Velasco González handelt es sich dabei um eine in Mesoamerika weit verbreitete körperliche Praxis. Verschiedene Formen der bewussten Schädelmodifikation wurden bereits in jungen Lebensjahren durch den Einsatz von Brettern, Bandagen oder speziellen Kopfbedeckungen hervorgerufen, die das äußere Erscheinungsbild nachhaltig prägten. Die so veränderte Schädelform diente dazu, sich visuell von anderen Mitgliedern der Gemeinschaft abzugrenzen und die eigene soziale Stellung zu betonen.

Regionale Bedeutung von Schädelverformungen: Das steckt hinter der Entdeckung

Durch die Untersuchung des außergewöhnlichen Schädels aus der archäologischen Stätte Balcón de Montezuma konnten die Wissenschaftler nachweisen, dass bewusste Formen der Schädelmodifikation auch im nördlichen Huasteca verbreitet waren, wenngleich hier eine deutlich abweichende Gestaltungsform gewählt wurde.

INAH-Spezialisten enthüllen beispiellose Praktiken der Schädeldeformation in der Huasteca-Region
Dies ist eine mesoamerikanische Variante, die als oberer Tafelbogen oder Parallelepiped bezeichnet wird. Technisches Archiv der Abteilung für Physische Anthropologie von CINAH Tamaulipas.© INAH | INAH

Die Direktorin des INAH-Zentrums Tamaulipas, Tonantzin Silva Cárdenas, betont in diesem Zusammenhang die große Bedeutung der fortlaufenden Arbeiten vor Ort, zumal die Stätte bereits für die Öffentlichkeit zugänglich wart. Die bisherigen Funde ermöglichen zudem ein besseres Verständnis der kulturellen Verbindungen zwischen der Bergregion im Norden der Huasteca und den mesoamerikanischen Gesellschaften der tiefer gelegenen Gebiete an der Golfküste.