Horrorfilme, Gruselmasken, Kürbisfratzen: An Halloween gehört das zu Tode Erschrecken einfach dazu. Doch kann ein Schreck buchstäblich tödlich enden? Karl-Heinz Ladwig vom Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität München erklärt, was im Körper passiert, wenn wir uns erschrecken – und wer besser aufpassen sollte, wenn die schaurig-kostümierten Nachbarskinder an der Tür klopfen.
Was passiert beim Erschrecken im Körper?
Erschrecken ist zunächst eine Reaktion des Körpers auf unerwartete Reize. „Es ist eine ganz normale, natürliche und gesunde Reaktion, die als Stressreaktion in unserem Körper eingebaut ist“, erklärt der Professor für Psychosomatische Medizin und Medizinische Psychologie.
Beim Erschrecken laufen in Sekundenschnelle mehrere Prozesse ab: Der Blutdruck steigt, die Herzfrequenz erhöht sich, Stresshormone wie Cortisol werden ausgeschüttet und das Immunsystem wird aktiviert. Diese Reaktion mobilisiert den Körper und stellt schnell Energie bereit – ein überlebenswichtiger Mechanismus aus evolutionärer Sicht. In akuten Gefahrensituationen nutzt der Körper diese Energie, um zu fliehen oder zu kämpfen.
Das Entscheidende: Diese Stressreaktion ist normalerweise nur von kurzer Dauer. Sobald die Gefahr vorüber ist und wir uns wieder in Sicherheit befinden, reguliert sich der Körper von selbst. Dabei springt auch das Dopaminsystem an und sorgt für Entspannung.
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Zu Tode erschrecken – ist das möglich?
Kann man sich aber zu Tode erschrecken? Für gesunde Menschen ist die Antwort beruhigend: Nein, Erschrecken ist harmlos. Eine kurze Schreck- oder Stressreaktion löst bei gesunden Menschen keinen Herzinfarkt aus. Die meisten Menschen stecken einen Schreck problemlos weg.
Anders sieht es bei einer kleinen Gruppe von Menschen mit geschädigtem oder stark geschwächtem Herz-Kreislauf-System aus. „Menschen, die bereits einen Herzinfarkt durchgemacht haben oder unter Brustenge leiden – da würde ich ein bisschen vorsichtiger sein“, warnt Professor Ladwig.

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Der Mediziner nennt in dem Zusammenhang als Beispiel das sogenannte Broken-Heart-Syndrom (Takotsubo-Kardiomyopathie) – eine plötzlich auftretende Herzmuskelerkrankung, die durch starken emotionalen oder physischen Stress ausgelöst werden kann. Die Symptome ähneln einem Herzinfarkt, jedoch sind die Herzkranzgefäße nicht verstopft. Betroffen sind überwiegend Frauen.
Wichtig ist jedoch: „Da reden wir über einen ganz kleinen Prozentsatz“, betont Ladwig. Kein Grund zur Panik also. Menschen, die bereits einen Herzinfarkt erlitten haben oder unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden, sollten dennoch vorsichtig sein mit extremen Schrecksituationen wie besonders intensiven Horrorfilmen oder Grusel-Events zu Halloween. Wer sich zu den Betroffenen zählt, spricht vor der Geisterbahn besser mit seiner Ärztin.
Warum erschrecken wir uns gerne?
Nicht jeder liebt Grusel und Horror gleichermaßen. „Da gibt es Persönlichkeitsunterschiede. Es gibt ja auch Unterschiede zwischen Menschen, die eher introvertiert oder extrovertiert sind“, erklärt der Experte.
Obwohl die körperliche Reaktion zunächst die gleiche ist – egal ob fiktive oder reale Bedrohung – kommt bei Gruselfilmen ein wichtiger Faktor hinzu: Menschen, die Grusel lieben, haben Spaß dabei.
In der Psychologie gibt es dafür einen Begriff: Angstlust. Manche Menschen lieben es geradezu, sich zu gruseln und schauen Horrorfilme ausschließlich wegen des Gruselfaktors.
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Denn wenn eine Gefahrensituation überstanden ist, schüttet unser Gehirn Endorphine aus, jene Glückshormone, die uns quasi als Belohnung durchfluten. Sie sind es, die für die wohltuende Entspannung sorgen. Professor Ladwig vermutet, dass die dabei ausgeschütteten Hormone, die auf unser Belohnungssystem abzielen, die Menge der abgegebenen Stresshormone beeinflussen könnten – was den Grusel-Genuss erklären würde.
Der entscheidende Unterschied zu echter Angst: Gruselfilme und Geisterbahnen sind rein fiktiv. Man kann solchen Situationen einfach entkommen – Augen zu, Ohren zuhalten, Film ausschalten.
Anders sei es in echten Gefahrensituationen, etwa nachts alleine in einem gefährlichen Viertel einer fremden Stadt: „Bei solchen Sachen hört dann schon der Spaß auf.“






