Ein unscheinbarer Hefepilz versetzt nicht nur Europas Kliniken in Alarmbereitschaft. Er entzieht sich gängigen Therapien, bleibt oft unerkannt – und endet nicht selten tödlich. Die Weltgesundheitsorganisation zählt ihn inzwischen zu den gefährlichsten Pilzerregern der Gegenwart: Candida auris. Wie viele Menschen pro Jahr an einer Infektion mit dem Pilz sterben, ist zwar schwer zu beziffern. Klar ist aber, dass es mehr werden. Der Pilz breitet sich aus.

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Das Nationale Referenzzentrum für Invasive Pilzinfektionen in Jena verzeichnete 2023 insgesamt 77 nachgewiesene Fälle von Candida auris in Deutschland – sechsmal so viele wie in den Vorjahren. In England ist eine Infektion seit April 2025 meldepflichtig. Vorausgegangen waren 134 registrierte Infektionen innerhalb von nur fünf Monaten, von November 2024 bis April 2025. Auch Italien, Spanien und Rumänien berichten inzwischen von Ausbrüchen.
Schwere Candida-auris-Infektion: Wenn der Pilz das Gehirn erreicht
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Candida auris in die höchste Prioritätskategorie für Pilzerreger ein. Laut ihren Angaben endet eine Infektion bei schweren Verläufen in bis zu 53 Prozent der Fälle tödlich.
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Wie gefährlich eine Infektion mit Candida auris verlaufen kann, zeigt ein Fall aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ein Patient infizierte sich während eines Krankenhausaufenthalts; der Pilz drang bis ins Gehirn vor. Die Ursache blieb zunächst unentdeckt – erst nach rund drei Monaten gelang den Ärzten die Diagnose. Es folgten sieben Monate intensiver Behandlung, darunter auch neurochirurgische Eingriffe. Der Mann überlebte – trotz des außergewöhnlich schweren Krankheitsverlaufs.
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Candida auris: Wie gefährlich ist der Pilz wirklich?
Solche Extremverläufe sind selten – doch sie verdeutlichen, welches Gefahrenpotenzial Candida auris im Ernstfall entfalten kann. Damit stellt sich die Frage: Wer ist besonders gefährdet – und wie groß ist das Risiko für die Bevölkerung?
Für gesunde Menschen ist eine Infektion in aller Regel unproblematisch. „Die meisten Menschen, die kolonisiert (befallen, d. Red.) sind, merken nicht einmal etwas davon“, sagt Oliver Kurzai, Mikrobiologe an der Universität Würzburg und Mitautor einer Studie, die bereits 2023 vor dem Erreger warnte, gegenüber „tagesschau.de“.
Gefährlich sei der Pilz hingegen vor allem für vulnerable Gruppen – etwa für Patienten auf Intensivstationen, ältere Menschen oder Personen mit geschwächtem Immunsystem. Gelangt der Erreger in den Blutkreislauf, kann er eine Sepsis, also eine Blutvergiftung, auslösen. „Für fast jeden zweiten Patienten endet das tödlich“, sagt Kurzai. Auch Infektionen an Gelenkprothesen könnten schwerwiegende Komplikationen verursachen.
Die Gefährlichkeit von Candida auris liegt nach Einschätzung von Fachleuten nicht allein in seinen potenziell tödlichen Krankheitsverläufen. Der Pilz ist gegen viele gängige Antimykotika resistent – Medikamente, die zur Behandlung von Pilzinfektionen (Mykosen) eingesetzt werden. In Labortests wird er zudem häufig mit weniger bedrohlichen Arten verwechselt – eine Kombination, die die Diagnose erschwert.
Hinzu kommt seine außergewöhnliche Überlebensfähigkeit: Auf medizinischen Geräten und Oberflächen kann der Erreger wochenlang bestehen. In Kliniken macht ihn das zu einem hartnäckigen und hoch ansteckenden Gegner, der sich nur unter großem Aufwand eindämmen lässt.
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Doch wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, sich überhaupt anzustecken – und unter welchen Bedingungen geschieht das? Im Alltag sei das Risiko äußerst gering, betonen Fachleute. Der Pilz werde nicht über die Atemluft übertragen, sondern fast ausschließlich durch direkten Kontakt. „Im privaten Umfeld braucht es schon sehr engen körperlichen Kontakt“, sagt auch Oliver Kurzai. Candida auris siedelt bevorzugt in Hautfalten und warmen Körperregionen, wie Achselhöhlen oder der Leistengegend. Eine Umarmung zwischen bekleideten Personen berge daher nur ein minimales Übertragungsrisiko.
In Krankenhäusern jedoch gelten andere Regeln. „Im Gegensatz zu allen bisher bekannten Arten wird er häufig von Patient zu Patient übertragen und kann somit Ausbrüche in Krankenhäusern verursachen“, erklärt Kurzai. Möglich seien auch Schmierinfektionen – etwa über Apparaturen, die bei mehreren Patienten eingesetzt werden.
Zur Eindämmung sind nach Einschätzung von Experten konsequente Isolationsmaßnahmen entscheidend. Wirksam seien zudem strikte Hygieneregeln: gründliche Desinfektion von Materialien und Oberflächen sowie regelmäßige Handhygiene. Die bislang vergleichsweise niedrigen Fallzahlen in Deutschland deuteten, so Kurzai, darauf hin, dass diese Maßnahmen hierzulande bisher griffen.
Trotzdem bleibt die Gefahr: In vielen Fällen wird die Infektion erst spät erkannt – manchmal zu spät. Mehrere Kliniken mussten bereits ganze Stationen schließen, nachdem sich der Erreger unbemerkt ausgebreitet hatte. Mediziner sprechen von einem „Alptraum-Erreger“, der selbst in modern ausgestatteten Krankenhäusern nur schwer zu kontrollieren ist.











