- Der Branchenverband der deutschen Heizungsindustrie hat neue Absatzzahlen veröffentlicht.
- Im ersten Halbjahr 2025 wurden erstmals mehr Wärmepumpen als Gas- oder Ölheizungen verkauft.
- Ein Branchenkenner sieht in den Extra-Kosten für den Wärmepumpeneinbau ein großes Problem.
Immer mehr Hausbesitzer in Deutschland können sich eine Wärmepumpe als Alternative zu ihrer Gas- oder Ölheizung vorstellen. Das zeigt eine Umfrage der Marktforschungsfirma Appinio im Auftrag des Heizungsbauers Thermondo. Demnach würden 34 Prozent der 700 Befragten eine Wärmepumpe wählen, wenn sie ihre Heizung austauschen müssten. Diese Entwicklung spiegelt sich auch in den Verkaufszahlen des ersten Halbjahres wider.
Wärmepumpen übertrifft Gas- und Ölheizungen mit den Absatzzahlen
Während der Absatz von Gas- und Ölheizungen stark eingebrochen ist, verzeichnen Wärmepumpen und Biomasseheizungen ein kräftiges Plus. Das zeigen die Absatzzahlen vom ersten Halbjahr (Januar bis Juni 2025) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In absoluten Zahlen wurden im ersten Halbjahr 139.500 Wärmepumpen verkauft. Das politische Ziel, ab 2024 jährlich 500.000 neue Wärmepumpen zu installieren, ist aber noch weit entfernt.
Insgesamt ist der Absatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 22 Prozent auf 296.500 neu eingebaute Heizungen gesunken. Vor allem der schwächelnde Verkauf von Öl- und Gasheizungen zieht die Bilanz nach unten. Doch auch bei der Wärmepumpe sieht der Branchenverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) Nachholbedarf. Die Hauptursache für die Krise am Heizungsmarkt sei die anhaltende Verunsicherung der Verbraucher, heißt es vom BDH.
| Heizung | Absatz im 1. Halbjahr 2025 |
|---|---|
| Wärmepumpe | 139.500 Stück (+ 55 %) |
| Biomasse | 14.000 Stück (+ 42 %) |
| Ölheizung | 10.500 Stück (- 81 %) |
| Gasheizung | 132.500 Stück (- 41 %) |
| Wärmeerzeuger insgesamt | 296.500 Stück (- 22 %) |
Quelle: Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) – Der Wert in der Klammer zeigt die prozentuale Veränderung der Absatzzahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Heizungsindustrie fordert konkrete politische Rahmenbedingungen
Im Koalitionsvertrag hatten Union und SPD angekündigt, das Gebäudeenergiegesetz (GEG) zu überarbeiten. Konkrete Pläne sind aber nicht bekannt. Lediglich die aktuelle Heizungsförderung für Wärmepumpe, Biomasse und Co. laufe weiter, teilte uns eine Sprecherin des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie mit.

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Der Heizungsverband kritisiert das: Infolgedessen gebe es eine Unsicherheit, die Modernisierungswillige zurückhalte, so der BDH. Der Verband appelliert in einer Pressemitteilung an die Bundesregierung, „für verlässliche, verständliche und praxistaugliche Rahmenbedingungen zu sorgen – sowohl im Ordnungsrecht als auch bei der finanziellen Förderung“.
Experte sieht Problem auch in den zusätzlichen Kosten für Wärmepumpen
Tobias Klug ist Geschäftsführer des Heizungsbauunternehmens Nuuenergy. Er sieht neben dem GEG aber noch ein weiteres Problem: Bürokratie und Vorgaben, etwa bei der Elektrik oder der Installation der Außeneinheit. „Je nach Wohnort kann der zuständige Netzbetreiber andere Vorgaben für die Elektrik machen“, führt Klug aus. Grundsätzlich gilt: Nur ein beim Netzbetreiber registrierter Elektromeister darf den Anschluss übernehmen.
Dennoch führt der Flickenteppich dazu, dass sich die zusätzlichen Kosten für eine Wärmepumpe regional stark unterscheiden. „In der Spitze reden wir von 6000 bis 8000 Euro an Extra-Kosten, die zusätzlich zur Anschaffung und Installation der Wärmepumpe dazukommen“, sagt Klug. Das sei etwa dann der Fall, „wenn ein Zählerkasten erneuert werden muss oder die Außeneinheit nicht direkt am Haus stehen darf“.
Vor einigen Wochen hatte eine Studie des Energieanbieters Octopus Energy und der Universität Aachen enthüllt, dass eine Wärmepumpe in Deutschland fast doppelt so viel kostet wie in Großbritannien. Die Zusatzkosten durch politische Regularien waren einer der Preistreiber. Dazu kommt, dass in Deutschland die volle Mehrwertsteuer für eine Wärmepumpe anfällt. Klug sieht in den Regularien und Normen deswegen einen Hebel, die Kosten für eine Wärmepumpe zu senken.
| Land | Mehrwertsteuersatz für Wärmepumpen |
|---|---|
| Deutschland | 19 Prozent |
| Großbritannien | steuerfrei |
| Frankreich | 5,5 Prozent |
Umfrage macht deutlich, welche Bedenken viele Hausbesitzer umtreiben
Auch die Appinio-Umfrage zeigt: Die Kostenfrage treibt Hausbesitzer um. Von den 700 Befragten gibt fast ein Viertel der Befragten (24 Prozent) an, sich eher nicht für eine Wärmepumpe entscheiden zu wollen. 38 Prozent dieser Gruppe nennen die hohen Anschaffungskosten als Grund. Auch die Beschaffenheit des eigenen Hauses und die mangelnde Wirtschaftlichkeit werden als Gründe aufgeführt.
Ein sinkender Strompreis könnte hingegen die Akzeptanz erhöhen: Mehr als die Hälfte der Befragten gibt an, dass ein niedrigerer Strompreis ein entscheidender Anreiz für den Umstieg auf eine Wärmepumpe wäre. Groß ist auch die Zustimmung zur aktuellen Heizungsförderung von bis zu 21.000 Euro. Dadurch kosten neue Wärmepumpen kaum mehr als Gas- oder Ölheizungen. Auch die ungewisse CO2-Preis-Entwicklung ab 2027 ist ein Argument für Wärmepumpen: Experten raten deshalb mehrheitlich vom Einbau neuer fossiler Heizungen ab.





