In Nordrhein-Westfalen sind drei Infektionen mit einem multiresistenten Erreger der Gonorrhö – umgangssprachlich Tripper – bekannt geworden. Die bakterielle Geschlechtskrankheit konnte in diesen Fällen nicht mit den üblichen Antibiotika behandelt werden. Das gehe aus einem Bericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor, wie das Deutsche Ärzteblatt schreibt.

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Die betroffenen Erreger zeigten Resistenzen gegen mehrere gängige Wirkstoffe, darunter Ceftriaxon und Cefixim – beides sogenannte Cephalosporine der dritten Generation. Auch Azithromycin, Ciprofloxacin und Tetracyclin, häufig verwendete Medikamente bei sexuell übertragbaren Infektionen, blieben wirkungslos.

Resistenzen gegen wichtige Medikamente

Nach Angaben des RKI litten alle drei betroffenen Personen an einer Harnröhrenentzündung (Urethritis). Zwei der isolierten Bakterienstämme seien genetisch nahezu identisch, was auf einen möglichen epidemiologischen Zusammenhang schließen lässt. Als Infektionsweg werden heterosexuelle Kontakte vermutet. In mindestens einem Fall gab es Hinweise auf eine Ansteckung im Umfeld von Sexarbeit.

RKI vermutet hohe Dunkelziffer

Bei einem der Patienten sei die Infektion laut RKI vollständig abgeheilt. Ein weiterer zeigte eine klinische Besserung, verweigerte jedoch die empfohlene mikrobiologische Nachkontrolle. Zum Verlauf beim dritten Betroffenen liegen derzeit keine Informationen vor. Das Institut betont, wie wichtig es sei, den Therapieerfolg sorgfältig zu kontrollieren – und auch Sexualpartnerinnen und -partner über mögliche Ansteckungen zu informieren und testen zu lassen.

Die Fälle wurden dem RKI bereits im März 2025 gemeldet. Seither seien keine weiteren vergleichbaren Infektionen registriert worden. Dennoch geht das Institut von einer erheblichen Untererfassung aus. Der Grund: In den meisten Fällen wird Gonorrhö mittels PCR-Test diagnostiziert, der zwar zuverlässig das Bakterium nachweist, aber keine Aussage über mögliche Antibiotikaresistenzen erlaubt. Dafür ist eine zusätzliche Kultur im Labor notwendig – und die wird in der Praxis selten durchgeführt.

Warum Gonorrhö gefährlich werden kann

Gonorrhö gehört zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen weltweit. Sie wird durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae verursacht, das 1879 von dem deutschen Dermatologen Albert Neisser entdeckt wurde. Die Infektion betrifft vor allem Schleimhäute im Genital-, Anal- oder Rachenbereich. Häufige Symptome sind Ausfluss und Schmerzen beim Wasserlassen. Doch gerade bei Frauen und im Rachenbereich kann die Infektion symptomfrei verlaufen und so unbemerkt weiterverbreitet werden.

Das RKI ruft bei Verdacht auf eine resistente Infektion zur Kontaktaufnahme mit einem spezialisierten Konsiliarlabor auf. Dort können die Erreger gezielt auf ihre Empfindlichkeit gegenüber Antibiotika getestet werden.