Demenz gehört zu den größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit: Laut dem RKI lebten allein in Deutschland 2021 rund 1,8 Millionen Menschen mit der Erkrankung. Mehr als 10.000 Menschen starben 2023 dem Statistischen Bundesamt zufolge an der häufigsten Form der Demenz: Alzheimer. Trotz intensiver Forschung gibt es bislang keine Heilung – umso wichtiger wird die Frage: Können wir Demenz verhindern, bevor sie beginnt?

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Ein Beitrag von Demenz- und Alzheimer-Forschern im Fachportal „The Conversation“ liefert darauf eine überraschende Antwort: Demnach sei bereits die Kindheit in der Vorbeugung einer späteren Demenz-Erkrankung entscheidend. „Es ist zwar nie zu spät, Maßnahmen zur Verringerung des Demenz-Risikos zu ergreifen, aber es ist auch nie zu früh, damit anzufangen“, schreiben die Autoren.

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Demenz-Risikofaktoren sollten schon im Kindesalter bekämpft werden

Lange galt Demenz als unausweichliches Schicksal im Alter – eine Folge von genetischer Veranlagung und dem natürlichen Abbau des Gehirns. Doch neuere Forschung stellt dieses Bild zunehmend infrage. So schätzt eine renommierte Forschungskommission, dass bis zu 45 Prozent aller Demenz-Fälle durch die Vermeidung oder Reduzierung von 14 Risikofaktoren verhindert werden könnten.

Zu den Faktoren zählen unter anderem Übergewicht, Bluthochdruck, Rauchen, Alkoholmissbrauch, Bewegungsmangel, soziale Isolation sowie geringe Bildung. Doch viele ungesunde Verhaltensweisen wie schlechte Ernährung, zu wenig Sport oder Nikotinkonsum entstehen laut den Forschern bereits in der Jugend – und bleiben dann oft ein Leben lang bestehen. Studien zeigen etwa, dass 80 Prozent der fettleibigen Jugendlichen auch als Erwachsene übergewichtig bleiben.

Wie die Autoren Scott Chiesa, Francesca Farina und Laura Booi in dem Beitrag beschreiben, setzen die meisten Demenz-Präventionsprogramme trotzdem erst ab dem mittleren Lebensalter, zwischen etwa 40 bis 60 Jahren, an.

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Alzheimer-Risiken beginnen schon im Mutterleib

Dabei könnten sich Demenz-Risiken fürs Gehirn bereits im Mutterleib entwickeln, berichten die Forscher. Besonders intensiv verändert sich demnach das Gehirn auch in den ersten Lebensjahren. Veränderungen oder Defizite in dieser Zeit können langfristige Auswirkungen auf die kognitive Leistungsfähigkeit haben – und damit auch auf das Risiko für Demenz im hohen Alter.

Langzeitstudien wie die schottische „Lothian Birth Cohort“ würden etwa zeigen, dass die kognitiven Fähigkeiten im Alter stark mit jenen im Kindesalter korrelieren. Wer also mit 11 Jahren unterdurchschnittlich abschneidet, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch mit 70 kognitiv schlechter gestellt sein – unabhängig von späteren Lebensstilfaktoren.

Demenz-Prävention müsse als „lebenslanges Projekt“ verstanden werden, fordern die Forscher. Dabei solle es nicht darum gehen, Kindern im großen Stil Medikamente zu verabreichen, sondern um die Förderung gesunder Lebensumstände von Anfang an: gute Ernährung, ausreichende Bewegung und kognitive Förderung. Dazu hat ein internationales Forschungsteam – darunter die Autoren des Artikels – eine Reihe von Empfehlungen veröffentlicht.