Ob in düsteren U-Bahn-Schächten, versteckten Hinterhöfen oder belebten Parks – in zahlreichen Großstädten gehören Ratten längst zum Alltag. Besonders in Metropolen wie Washington D.C., New York City und Amsterdam nimmt ihre Zahl rapide zu. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind der Entwicklung auf den Grund gegangen – mit besorgniserregenden Ergebnissen.

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Dichte Bebauung, steigende Einwohnerzahlen und vor allem der Klimawandel schaffen ideale Bedingungen für die Tiere. Durch wärmere Winter überleben mehr Ratten, und mit dem ständigen Nahrungsangebot durch menschliche Abfälle vermehren sie sich rasant. Doch das hat seinen Preis: Die Nager verursachen massive wirtschaftliche Schäden, verunreinigen Lebensmittel und können gefährliche Krankheiten übertragen. Städte kämpfen deshalb gegen die Rattenflut – doch mit welchem Erfolg?

Studie nimmt Großstädte unter die Lupe: Wie viele Ratten leben in den Metropolen?

Ein Team um den Biologen Jonathan Richardson von der University of Richmond hat untersucht, wie sich Rattenpopulationen in urbanen Räumen im Laufe der Zeit entwickelt haben. Dafür werteten die Forschenden über einen Zeitraum von durchschnittlich zwölf Jahren öffentliche Beschwerdemeldungen und Inspektionsdaten aus insgesamt 16 Städten aus.

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Die Studie umfasste 13 US-Städte, darunter New York City, Washington D.C. und Chicago sowie drei Städte aus anderen Ländern: Toronto, Amsterdam und Tokio. Neben der Bestandsaufnahme der Rattenpopulationen suchten die Forschenden auch nach Ursachen für deren Wachstum – dabei spielten Faktoren wie Temperaturveränderungen und Bevölkerungsdichte eine zentrale Rolle.

Die Untersuchung zeigt: In 69 Prozent der analysierten Städte haben sich die Rattenpopulationen in den letzten zehn Jahren deutlich vermehrt. Besonders betroffen sind Washington D.C., New York und Amsterdam. In der US-Hauptstadt fiel der Anstieg sogar dreimal so stark aus wie in Boston. Doch nicht überall wächst die Zahl der Nagetiere. In Tokio, Louisville und New Orleans ging die Population zurück, während in Dallas und Saint Louis keine großen Veränderungen festgestellt wurden.

Diese Faktoren begünstigen den Anstieg der Rattenpopulation

Der Studie zufolge lassen sich vor allem drei zentrale Faktoren für das Wachstum städtischer Rattenpopulationen ausmachen: steigende Durchschnittstemperaturen (40,7 Prozent), der Rückgang von Grünflächen (34,3 Prozent) sowie eine zunehmende Bevölkerungsdichte (19,4 Prozent).

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Besonders der letzte Punkt könnte in Zukunft problematisch werden. Laut der Weltbank wird die Stadtbevölkerung bis 2050 um 25 Prozent zunehmen, während die bebauten Flächen sogar um 185 Prozent wachsen sollen. „Die wachsende menschliche Bevölkerung und die Verstädterung werden wahrscheinlich auch mehr Lebensmittelabfälle als Ressource und strukturelle Lebensräume bereitstellen, die Rattenpopulationen unterstützen“, erklärten Richardson und seine Kollegen gegenüber dem Wissensmagazin „Scinexx“.

Wird es noch schlimmer? Diesen negativen Einfluss könnte der Klimawandel haben

Die geringe Körpergröße der Ratten hat eine direkte Auswirkung auf ihre Anpassung an das Klima. In kälteren Städten schwanken ihre Populationen je nach Jahreszeit, mit einer Zunahme der Rattenzahlen im Sommer und einem Rückgang im Winter. „Als kleine Säugetiere müssen Ratten die innere Homöostase ihres Körpers aufrechterhalten und sind im Winter durch kalte Temperaturen eingeschränkt“, schreiben Richardson und sein Team.

In wärmeren Regionen jedoch bleibt die Zahl nahezu konstant. Doch durch den Klimawandel, der Städte selbst im Winter wärmer macht, könnte sich dieses Muster ändern. Die Ratten hätten so ganzjährig Zugang zu Nahrung und Unterschlupf, was ihre Fortpflanzungsrate und damit auch das Wachstum ihrer Population anheizen könnte. „Das kann das saisonale Fenster für die oberirdische Nahrungssuche und die aktive Fortpflanzungszeit von Ratten verlängern“, betont das Forscherteam.

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Forscher sprechen Klartext: Das sind die möglichen Lösungsansätze für das Rattenproblem sein

Wie lässt sich die zunehmenden Rattenplage bekämpfen? Die zentralen Ursachen – etwa Klimawandel und Bevölkerungszuwachs – sind kurzfristig kaum beeinflussbar. Dennoch können Städte aktiv gegensteuern, indem sie den Lebensraum für die Nager unattraktiver machen. Entscheidend ist dabei, die urbane Umgebung so zu gestalten, dass Ratten möglichst wenige Rückzugs- und Nahrungsquellen finden – etwa durch gut gesicherte Müllbehälter und das konsequente Entfernen von potenziellen Unterschlüpfen wie Sperrmüll.

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Zudem lohnt es sich, von Städten zu lernen, in denen die Rattenpopulation weniger stark wuchs oder sogar zurückging. Dort zahlen sich spezielle Maßnahmen aus. „Die mit der Nagetierbekämpfung beauftragte Abteilung in New Orleans führt beispielsweise eine proaktive Überwachung der Rattenaktivität durch und hat ihre Bemühungen verstärkt, andere städtische Abteilungen und Einwohner in die Aufklärung und Kontrollmöglichkeiten einzubeziehen. In Tokio gibt es hohe kulturelle Erwartungen an die Hygiene, die Sanitärstandards fördern“, schreiben die Forscher in der Studie.