Das Rätsel um den Fund eines gefährlichen Weichmachers im Urin von Kita-Kindern in Nordrhein-Westfalen ist offenbar gelöst: Toxikologen und Überwachungsbehörden sehen aufgrund neuer Untersuchungen den Beweis erbracht, dass die Belastungen aus einem verunreinigten UV-Filter in Sonnenschutzmitteln stammen. Das geht aus einem gemeinsamen Bericht des NRW-Umwelt- und des Verbraucherschutzministeriums an den Landtag hervor. Er liegt dieser Redaktion vor.

In dem Bericht werden zugleich neue Funde im Urin von Kindern öffentlich. Demnach sind die aktuell getesteten Kinder teils so massiv belastet, dass die Behörden nun erstmals einschreiten: Sie fordern Hersteller von Sonnenschutzmitteln auf, ihre Produktion so umzustellen, dass keine schädlichen Weichmacher mehr messbar seien. Die Umsetzung werde durch die Lebensmittelüberwachungsbehörden kontrolliert, kündigen die Ministerien an.

Toxikologen in ganz Europa suchen nach der Quelle des Weichmachers

Seit rund einem Jahr suchen Toxikologen in Deutschland und Europa fieberhaft nach der Quelle des fruchtbarkeitsschädigenden Weichmachers DnHexP. In der EU zählt er zu den „besonders besorgniserregenden Stoffen“, seit 2019 darf er nicht mehr in kosmetischen Mitteln enthalten sein. Dennoch fand ein Bochumer Speziallabor unter Leitung des Toxikologen Holger Koch im Herbst 2023 erstmals Spuren der Chemikalie im Urin von Kita-Kindern. Im Frühjahr 2024 äußerte das Umweltbundesamt erstmals die Vermutung, dass es einen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Sonnencreme, einem möglicherweise verunreinigten UV-Filter und den gefundenen Belastungen im Urin der Kinder geben könnte.