In der Natur ist Kommunikation überlebenswichtig – doch wie weit reicht sie? Während viele Tiere Laute zur Verständigung nutzen, stellt sich eine faszinierende Frage: Können sie auch die „Sprache“ anderer Arten entschlüsseln? Eine neue Studie deutet darauf hin, dass Singvögel fremde Rufe nicht nur hören, sondern auch verstehen. Welche Geheimnisse birgt die Kommunikation zwischen verschiedenen Tierarten?

„Mehr Informationen, als uns bewusst ist“: Forscher rätseln über Komplexität von Vogelrufen

Auf langen Migrationsrouten ist eine erfolgreiche Kommunikation zwischen verschiedenen Vogelarten von großer Bedeutung – schließlich ist der Vogelzug keine einsame Reise, wie Studien bereits gezeigt haben. Doch was genau die Vögel „sagen“ lässt immer noch viele Fragen offen. Bei der Erforschung von Tieren spricht man von „Sprache“ auch nur als eine Metapher. Vielmehr handelt es sich um bestimmte Laute. „Sprache ist für den Menschen eine Art artspezifisches Kommunikationssystem“, erklärt Simon W. Townsend, Professor für evolutionäre Anthropologie an der Universität Zürich, gegenüber „Live Science“.

Auch spannend: Spektakulärer Fund – Größter männlicher Weißer Hai gesichtet

Vögel sind besonders gut darin erforscht, wenn es um die Wahrnehmung und das Verstehen der Laute anderer Arten geht. Eine neue Studie über die Migration von Singvögeln zeigt, dass Einzelvögel die Rufe anderer Vogelarten entschlüsseln können, was auf ihren Migrationsrouten überlebenswichtig sein kann. „Es ist nur logisch, sich zu fragen, ob es eine soziale Verbindung zwischen verschiedenen Arten gibt. Ich denke, die Rufe könnten mehr Informationen enthalten, als uns aktuell bewusst ist“, sagte Benjamin Van Doren, Erstautor der Studie und Assistenzprofessor für Naturressourcen und Umweltwissenschaften an der University of Illinois Urbana-Champaign.

Ein wahrer Kommunikationsmeister: Welcher Vogel andere Tiere wie kein zweiter austricksen kann

Innerhalb des Tierreichs gibt es einen bestimmten Vogel, der ein echter Kommunikationsmeister ist: der Gabeldrongo (Dicrurus adsimilis), ein kleiner, schwarzer Vogel aus Afrika. Drongos sind zudem clevere Diebe: Sie folgen anderen Tieren, um ihnen Nahrung zu stehlen. Der Biologe Thomas Flower von der Capilano University in Kanada beobachtete, wie sie Erdmännchen mit falschen Alarmrufen täuschten – sie imitierten Raubtierwarnungen, um die Erdmännchen in ihre Höhlen zu treiben und ihre Essensreste zu ergattern. Doch die List hat Grenzen: Irgendwann durchschauen die Erdmännchen den Trick und ignorieren die Täuschungsrufe.

Ein Drongo sitzt auf dem Zweig.
Der Gabeldrongo kann andere Tiere perfekt nachahmen und verschafft sich damit einen evolutionären Vorteil.© Getty Images | Jakub Maculewicz

Drongos sind echte Meister der Täuschung: Sie imitieren nicht nur ihre eigenen Warnrufe, sondern auch die anderer Tiere, um ihre Beute in Panik zu versetzen und an Futter zu kommen. Wenn ein Alarmruf nicht mehr wirkt, wechseln sie einfach zu einem neuen – oft sogar zum Warnruf der getäuschten Tiere selbst. Laut Flower zeigt dieses Verhalten, dass Drongos flexibel lernen und Geräusche gezielt einsetzen. Ob sie bewusst täuschen oder nur durch Versuch und Irrtum lernen, ist noch unklar. Fest steht: Ihr Trick hält ihre Opfer ständig in Alarmbereitschaft – und sichert ihnen regelmäßige Mahlzeiten.