Studien zufolge gab es in den vergangenen Jahrhunderten die Tendenz, dass die Pubertät bei Kindern immer früher eingesetzt hat. Dies sei unter anderem auf die gesunde Ernährung und bessere Gesundheit zurückzuführen. Als mögliche Ursache werden aber auch veränderte Familienkonstellationen diskutiert. Durch das Zusammenleben in einer Familie und mit Geschwistern werden Kinder geprägt und lernen früh, sich umeinander zu kümmern. Kann es sein, dass die Beziehung zu Geschwistern sogar beeinflusst, wann Kinder in die Pubertät kommen?

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Wie sich Familienkonstellationen auf den Beginn der Pubertät auswirken können, wurde in Dänemark an der Universität Aarhus untersucht. Hierzu wurden Daten von 10.657 Kindern ab 11 Jahren und während ihrer Pubertät ausgewertet. Die Forscher fanden heraus, dass Kinder, die ohne Brüder oder Schwestern aufwachsen, bis zu fünf Monate früher Geschlechtsmerkmale entwickeln. Bei Kindern mit Halb- oder Stiefgeschwistern zeigte sich Ähnliches. Die genauen Hintergründe zu den Erkenntnissen sind zwar noch unklar, allerdings gibt es zu diesem Geschwister-Effekt bereits erste Theorien.
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Das Team um Forscherin Katrine Andersen wertete halbjährliche Berichte über die Entwicklung der Kinder aus. Es wurden verschiedene Geschlechtsmerkmale wie das Wachstum von Brust und Genitalien sowie der Scham- und Achselhaare erfasst. Der Zeitpunkt der ersten Menstruation beziehungsweise Ejakulation und das Einsetzen von Stimmbruch und Akne wurden ebenfalls als Indikatoren der einsetzenden Geschlechtsreife beobachtet. Anschließend wurden diese Daten mit Angaben zur familiären Situation abgeglichen.
Pubertät: Geschwister beeinflussen die Entwicklung von Kindern
Andersen und ihre Kolleginnen und Kollegen beobachteten dabei, dass es einen Zusammenhang zwischen Geschwistern und der Entwicklung der Kinder gibt. Einzelkinder kommen demnach bis zu fünf Monate früher in die Pubertät als Kinder mit leiblichen Geschwistern. Bei Mädchen sind es im Schnitt 5,5 Monate und bei Jungen 4,5 Monate.

Bei Kindern, die mit Halb- oder Stiefgeschwistern aufgewachsen sind, war dies ebenfalls zu beobachten. Hier begann die Pubertät bei Mädchen durchschnittlich 2,2 Monate früher und bei Jungen 1,2 Monate. Schwächer war der Effekt, wenn Kinder sowohl leibliche als auch nicht leibliche Geschwister hatten. Mädchen kamen dann 1,2 Monate und Jungen 1,4 Monate früher in die Pubertät.
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Andersen und ihr Team erklären sich diese Ergebnisse mit der Dynamik innerhalb der Familien. Diese unterscheidet sich je nach Anzahl und Beziehung der Kinder. Die reine Zahl an Geschwistern scheint hier jedoch nicht ausschlaggebend zu sein. Sonst müssten Halb- und Stiefgeschwister denselben Effekt auf die Pubertät haben wie Vollgeschwister.
Familiärer Stress kann den Eintritt in die Pubertät verschieben
Die Forscher vermuten deshalb, dass Veränderungen der Familienzusammensetzung einen ähnlichen Effekt haben können wie das Aufwachsen als Einzelkind. Somit könnte es eine Rolle spielen, ob sich Eltern getrennt haben oder eine Patchworkfamilie gebildet wurde. Trifft dies zu, könnte innerfamiliärer Stress ein möglicher Auslöser für die frühere Geschlechtsreife sein. Die Annahme lässt sich allerdings nicht eindeutig belegen, da der Zeitpunkt, an dem die „neuen“ Geschwister der Probandinnen und Probanden in die jeweilige Familie gekommen sind, nicht in dieser Studie erfasst wurden.
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Frühere Studien sprechen sich auch für den Einflussfaktor in Form von familiärem Stress aus. Demnach kommen Kinder, die ohne einen Vater aufwachsen, früher in die Pubertät. Allerdings fanden Andersen und ihr Team in ihrer aktuellen Analyse keinen Zusammenhang mit der Abwesenheit eines Elternteiles. Zusätzlich scheinen Scheidungen und psychischer Stress ebenfalls einen Einfluss auf den Pubertätsbeginn zu haben.
Die Analyse zeigt allerdings nur einen Trend in der dänischen Bevölkerung, der sich zum Teil mit früheren Erkenntnissen zum Pubertätsbeginn bei Mädchen aus den USA, Großbritannien und Tschechien deckt. Daraus lassen sich folglich noch keine konkreten Ratschläge für Eltern und Familien ableiten.
Forscher wollen nun in Folgestudien genauer untersuchen, wie unterschiedliche Familienstrukturen die Kindesentwicklung beeinflussen können. Hierzu sei allerdings ein großer Datensatz notwendig, um starke Schlussfolgerungen zu ziehen, heißt es in der Studie.








