Zum zweiten Mal findet heute der bundesweite Digitaltag statt, mit mehr als 2000 Online-Aktionen und Präsenzveranstaltungen vor Ort. Unser Privat- und Arbeitsleben wird immer digitaler. In wichtigen Lebensbereichen trifft künstliche Intelligenz (KI) Entscheidungen, die jeden betreffen. Eine der wenigen sichtbaren Frauen in dieser Branche ist Kenza Ait Si Abbou. Im Interview spricht die 40-jährige Expertin für KI und Robotik über unsichtbare KI im Alltag, gravierende Schwächen der Technik und den Einfluss von Frauen in der IT.

Frau Ait Si Abbou, Sie sagen, jeder von uns ist schon viel mehr von künstlicher Intelligenz umgeben, als wir sehen und merken. Wo denn zum Beispiel?

Kenza Ait Si Abbou: Navigation auf dem Handy, bequemeres Einkaufen und Fahrunterstützung in Autos nutzen wir bewusst. Aber selbstlernende KI-Systeme entscheiden auch über meinen Kreditantrag bei der Bank oder darüber, ob ich eine Kreditkarte bekomme oder nicht. Auch Aufzüge oder Heizungsanlagen werden im Hintergrund mit KI vorausschauend gewartet. Das bekomme ich nicht mit, führt aber dazu, dass beide – etwa bei mir im Haus – weniger oft kaputtgehen. In unserem Mailpostfach landen kaum noch Spam-Mails aufgrund von lernender KI. Unser Leben wird bequemer, aber im Hintergrund läuft dafür einiges.

Anders als Laien vielleicht annehmen, arbeiten KI-Systeme nicht immer neutral oder fair. Wo benachteiligt KI bestimmte Menschengruppen oder Minderheiten?