Die Revolution begann schleichend. Zu beiden Seiten einer unauffälligen Straße im Berliner Südwesten. Mitte der 1980er-Jahre ließ der Senat im Zuge eines Modellversuchs namens Fahrradroute K die ersten Radstreifen der Stadt auf die Fahrbahnen des Südwestkorsos malen. Generationen von Studierenden rollten seither aus Schöneberg, Kreuzberg und anderen Innenstadtquartieren zur Freien Universität nach Dahlem und zurück.

Mehr als 35 Jahre später gibt es in Berlin reihenweise Südwestkorsos. Radfahren ist wieder zu dem Massenverkehrsmittel geworden, das es vor der Ausbreitung des privaten Automobils ab den 1960er-Jahren gewesen ist. Fast jeder fünfte Weg wird in der Stadt mittlerweile mit dem Fahrrad zurückgelegt. In vielen Innenstadtkiezen ist der Anteil deutlich höher. Mehr als 40 Prozent der Bürger geben in Befragungen an, regelmäßig in den Sattel zu steigen. Deutlich mehr Berliner Haushalte besitzen ein Fahrrad als ein Auto.

Teile der Friedrichstraße in Mitte sind seit Monaten für den Autoverkehr gesperrt.
Teile der Friedrichstraße in Mitte sind seit Monaten für den Autoverkehr gesperrt.© FUNKE Foto Services | Reto Klar

Die Berliner Politik kommt schon seit einigen Jahren nicht mehr an dem Thema vorbei, ebenso wenig wie die Verantwortlichen in anderen Städten und Metropolen. Radfahren wird als Fortbewegungsart anerkannt. Das Schild „Radfahrer absteigen“ ist aus dem Stadtbild verschwunden. An Baustellen hören Radwege nicht auf, sondern werden meistens herumgeführt.