Es ist eine Woche vor Weihnachten, als Melanie Buchner* den Anruf aus der Praxis ihres Gynäkologen entgegennimmt. Das Testergebnis sei da. Sie solle in die Praxis kommen. Sofort. Mehr nicht. Keine Erklärung, keine beruhigenden Worte.

Wenig später sitzt Buchner ihrem Frauenarzt gegenüber und hört die Nachricht, deren Tragweite sie in diesem Moment noch nicht erkennt: Der nicht-invasive Pränataltest (NIPT), den sie vor wenigen Tagen hat durchführen lassen, hätte Auffälligkeiten bei Trisomie 18 ergeben. Auf ihre Fragen hin, wie verlässlich das Ergebnis sei und welche Beeinträchtigungen ihr ungeborenes Kind haben könnte, erhält sie nur „schwammige Antworten“.

Für die Untersuchung wurde Buchner Blut abgenommen, das etwa ab der zehnten Schwangerschaftswoche auch Spuren von Zellbestandteilen des Fötus, darunter Chromosomen-Bruchstücke, enthält. Sie ermöglichen es Humangenetikern, Rückschlüsse auf genetisch bedingte Krankheiten des Ungeborenen zu ziehen. Darunter Trisomie 21 (Down-Syndrom), Trisomie 13 (Patau-Syndrom) und Trisomie 18 (Edwards-Syndrom).

Kinder mit letzterer Erkrankung haben Fehlbildungen am Kopf, Körper und den inneren Organen. Sie leiden häufig an einem schweren Herzfehler, sind geistig stark behindert. Die meisten sterben noch im Mutterleib oder in den ersten Tagen nach ihrer Geburt. All das erfährt die damals 40-Jährige im Gespräch mit ihrem Arzt nicht.