In Bochum ist Mitte November eine 29 Jahre alte Frau unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung zu vier Jahren Haft verurteilt worden, weil sie illegal Hunderten Frauen Lippen und Nasen mit Hyaluronsäure aufgespritzt hatte – zunächst in ihrem Wohnzimmer, später in ihrer zur Praxis umgebauten Wohnung.

Geworben hatte die Beauty-Influencerin über die Plattform Instagram, wo ihr rund 100.000 Menschen folgten. Auch die Cousine der Frau ist angeklagt. Keine Einzelfälle, sagt der Haut- und Schönheitsmediziner Klaus Hoffmann von der Universitätshautklinik im St. Josef-Hospital Bochum. Er bügelt immer wieder aus, wenn Behandlungen schiefgehen, und fordert deshalb als Sprecher der Deutschen Gesellschaft für ästhetische Botulinum- und Fillertherapie von der Politik strengere Regeln.

Herr Dr. Hoffmann, eine Frau, die in ihrem Wohnzimmer Hunderten Frauen Lippen und Nasen aufspritzt – der Fall der Influencerin klingt wie ein irrer Einzelfall. Ist er das?


Klaus Hoffmann Nein, wir haben von diesen Fällen schon vorher gehört und wir wissen, dass es bundesweit vorkommt. Wir wissen von Botox-Partys, wir wissen, dass solche Behandlungen in Kosmetik- und Friseursalons stattfinden. Über das Internet, sei es über Facebook oder Instagram, werden die Kunden angeworben, und die Menschen, die ihre Dienste anbieten, haben kein Unrechtsbewusstsein. Nach dem Motto: Lippen aufspritzen, das kann ja jeder.