Talfahrt trotz Aufwärtsrutsche

Fürstenwalde - Der «Bauchklatscher» von Sandro schwappt gewaltig. Auch Mikes «Köpper» schlägt mächtig Wellen. Das Rutschen-Duo Maria und Kerstin liegt perfekt in der Kurve - wie ein Zweierbob im Eiskanal. Die gute Laune der Gäste können die Betreiber des Fürstenwalder Spaßbad Schwapp allerdings längst nicht mehr teilen: Die Stadt erlebt mit dem kommunalen Schwapp gerade eine veritable Bauchlandung.

Im Vorjahr gingen die Besucherzahlen drastisch zurück, die Umsätze sanken entsprechend. Planschten 1998 noch etwas über 380 000 Gäste im Badeparadies, waren es 2001 nur noch knapp 323 000. Ohne Finanzspritze würde der Brandenburger Bäderboom der vergangenen Jahre wohl sein erstes Opfer fordern. Nur die jetzt beschlossene Liquiditätshilfe der Stadt Fürstenwalde in Höhe von 300 000 Euro an den Betreiber, die100-prozentige Stadttochter «Fürstenwalder Freizeit- und Sportstätte GmbH» (FFS), rettet das Schwapp offenbar vor dem Aus.

FFS-Chef Norbert Koch versucht zu beschwichtigen. Seinen Angaben nach decken die Einnahmen die Kosten. Im Rathaus schütteln Mitarbeiter über diese Aussage jedoch nur den Kopf. «Defizite können nicht auf Dauer von der Stadt beglichen werden. Deshalb soll ein neuer Betreiber die Betriebs- und Personalkosten drastisch senken», so Anne-Gret Trilling, Pressesprecherin der Stadtverwaltung. Ein Personalabbau sei unvermeidlich. Von den derzeit 37 Beschäftigten sollen voraussichtlich bis zu zehn Mitarbeiter ihren Hut nehmen.

Die Sparmaßnahmen bekommen auch die Schwapp-Gäste zu spüren. Seit Anfang Juni schließt das Bad von Montag bis Freitag bereits um 20 Uhr, statt bisher 21 Uhr. Sportbad, Fitnesscenter und Sauna bleiben weiter bis 22 Uhr geöffnet. Sonntags ist überall um 20 Uhr Schluss. «Mehr können wir uns bei den hohen Betriebs- und Personalkosten nicht leisten», räumt Schwapp-Chef Koch ein. Freitag und Sonnabend bleiben die Öffnungszeiten vorerst unverändert.

Mit der Münchner «Gesellschaft für Entwicklung und Management von Freizeiteinrichtungen mbH & KoKG» (GMF) steht bereits eine neue Betreiberfirma in den Startlöchern. Die Stadt könne sich keine weiteren Management-Fehler erlauben, kritisiert Pressesprecherin Trilling die Geschäftsgebaren der FFS. Als «fahrlässig» bezeichnet sie die nur mäßige Eigenwerbung für das Schwapp angesichts mehrerer Neueröffnungen von Bädern und Thermen in Brandenburg in den vergangenen Jahren. «Die haben sich auf ihren anfangs erworbenen Lorbeeren ausgeruht», meint eine Rathausangestellte. Für Fürstenwalde bitter: Der 300 000-Euro-Zuschuss allein wird nicht reichen, um das auch bei Berlinern beliebte Spaßbad wieder auf Vordermann zu bringen. Allein die anstehenden Reparaturen des 1997 eröffneten Bades schlagen mit 50 000 Euro zu Buche. Die gleiche Summe muss für noch fehlende Ausstattungsgegenstände aufgebracht werden. Die teilweise Erneuerung der Fassade und des Eingangsbereich verschlingt schätzungsweise 100 000 Euro. Ulrich Hengst, stellvertretender Bürgermeister in Fürstenwalde, spricht von einem «Investitionsstau».

Frank-Udo Wartenberg, Projektleiter des neuen Betreibers GMF, will das Schwapp wieder auf Trab bringen. Treue Kunden erhalten demnächst spezielle Rabatte, die Rutschenkonstruktionen sollen von Zeit zu Zeit verändert werden. Im kommenden Jahr soll das Bad - bei besserer Finanzlage - einen Außenbereich erhalten. «Die Potenziale des Schwapp sind noch längst nicht ausreichend genutzt. Das wollen wir ändern», so Wartenberg. Mit dem «Masterblaster», einer mit Wasserdruck betriebenen «Aufwärtsrutsche» bietet die Einrichtung bereits jetzt eine in Brandenburg einmalige Attraktion. Neben einer 104 Meter langen Rutsche verfügt die Anlage über mehrere Saunen, darunter Dampf- und Kristallsauna.

Die GMF betreibt bundesweit 16 Bäder, darunter die Freizeiteinrichtung in Brandenburg/H. Die Stadtverordnetenversammlung muss den Betreiberwechsel noch beschließen.