Die Stadt in der Stadt mit Flair

Potsdam - «Aus dem hässlichen Entlein ist inzwischen ein stolzer Schwan geworden» - zu diesem Urteil kommt Potsdams Baubeigeordnete Elke von Kuick-Frenz (SPD) und meint Babelsberg, das 250 Jahre alte Nowawes mit seinem Weberviertel. Zu Recht. Der Potsdamer Stadtteil, der bis 1939 noch eigenständige Gemeinde war, fristete zu DDR-Zeiten ein Schattendasein. Die Weberhäuser waren dem Verfall überlassen, die Infrastruktur war mangelhaft, die Straßen marode.

Inzwischen präsentiert sich der Babelsberger Kern, das 100 Hektar umfassende Sanierungsgebiet, frisch geliftet als Stadt in der Stadt mit eigenem Flair und kurzen Wegen. Und der vermehrte Zuzug junger Familien zeigt, dass sich der Aufwand gelohnt hat. In den vergangenen zehn Jahren flossen 40 Mio. Euro von Bund, Land und Stadt in die Sanierung - davon zwölf Mio. in den Straßenbau. Nur einige, aber dennoch schwerwiegende Schönheitsfehler wie Leerstand und Verfall aufgrund ungeklärter Eigentumsverhältnisse weisen auf weiteren Sanierungsbedarf hin. Doch 50 Prozent der Wohngebäude sind nach Angaben des von der Stadt beauftragten Sanierungsträgers Stadtkontor saniert. Die Weberhäuschen wurden bis auf wenige erhalten, Baulücken intelligent und städtebaulich interessant gefüllt.

Babelsberg kann sich sehen lassen und erhielt im vergangenen Jahr gleich den Bauherrenpreis des Brandenburger Bauministeriums - für die Neubauten am Weberplatz 24 bis 25 und die Sanierung der Tuchmacherstraße 11 sowie eine Anerkennung für den Weberplatz 3. In direkter Nachbarschaft am pittoresken Weberplatz Nummer 13 liegt auch die ehemalige Berufsschule. Ein Gebäude von 1860, das Anfang Juli eine wichtige Funktion für den Stadtteil übernehmen wird. Denkmalgerecht für 1,1 Mio. Euro saniert, ziehen hier 115 Kita- und Hortkinder ein. Damit wird in Babelsberg eine klaffende Lücke in der sozialen Infrastruktur geschlossen. Um den Bedarf an Kitaplätzen zu decken, wird voraussichtlich im nächsten Jahr in einem Weberhaus eine weitere Kita in Alt-Nowawes eröffnen.

Soziale Infrastruktur und Straßenbau waren dann auch das erste, worum sich der Sanierungsträger in den vergangenen zehn Jahren kümmerte - um ein Kerngerüst für das 18 000 Einwohner zählende Babelsberg zu schaffen und damit die Stadtkernfunktion zu stärken. «Wichtig war uns, dem Druck von Investoren, die den Abriss von Weberhäuschen forderten, standzuhalten, und es ist uns augenscheinlich gelungen», sagt Rainer Baatz von Stadtkontor. Eng zusammengearbeitet wird inzwischen mit dem Förderkreis Böhmisches Dorf Nowawes und Neuendorf unter Vorsitz des Pfarrers Stephan Flade sowie dem Förderverein für den Wiederaufbau der Alten Neuendorfer Kirche.

Um den Kontakt zu den Einwohnern zu halten, gibt der Sanierungsträger jedes Jahr eine Broschüre heraus, die über neue Projekte im Kiez informiert. Die neunte Bürgerinformation ist soeben erschienen und wird per Hauwurf zugestellt bzw. ist bei Stadtkontor in der Schornsteinfegergasse 3 erhältlich.

Wer sich vom Charme des Weberviertels überzeugen möchte, hat am nächsten Wochenende eine gute Gelegenheit. Von Freitag bis Sonntag wird auf dem Weberplatz wieder das traditionelle Weberfest gefeiert.