Skaterpark und Feuchtgebiet

Oberschöneweide - Der Gleichschritt russischer Stiefel ist verhallt. Von Panzern keine Spur mehr. Erbarmungswürdig sieht das 270 000 Quadratmeter große Kasernengelände der Russen an der Treskowallee mit seinen zerstörten Bauten aus. Zerschossene Fensterhöhlen, Stahlgerippe, herumliegende Trümmerteile. Doch da, wo sich die Natur ihr Terrain zurückerobert, blühen üppig Gräser und Blumen, überall wachsen kleine Bäume.

Notdürftig wurde das Gelände vom Bezirk gesichert, doch Schlupflöcher sind geblieben und machen es zu einem Anziehungspunkt für jugendliche Randalierer und Rechtsextremisten auf der einen, Naturschützern, Radfahrern und Hundebesitzern auf der anderen Seite.

«Wir wollen, daß sich alle Nachbarn und Verantwortlichen des Geländes endlich einmal an einen Tisch setzen», fordert Ute Ehrich von der Bürgerinitiative «Karlshorst sagt Nein» und nennt die beiden Bezirke Treptow-Köpenick und Lichtenberg, die Trabrennbahn, Forstleute, Wasserbetriebe und Senatsvertreter. Es müsse endlich ein Gesamtkonzept für das Gelände und seine Umgebung entwickelt werden.

Während Treptow-Köpenick vorhat, es zu renaturieren, aber die Finanzierung für das 6,8 Millionen Euro teure Erholungsgebiet noch nicht ganz geklärt ist, haben die Streiter der Initiative eigene Pläne. Ihnen schwebt ein Volkspark vor, in dem Natur und Freizeitnutzung sich im Einklang befinden. Nach Meinung der Anwohner in der Initiative müssten zunächst alle Mauern abgetragen und alle Betonwege entsiegelt werden. Der Boden müsste an den durch Beton und Benzin verseuchten Stellen entgiftet werden. Auf dem ehemaligen Exerzierplatz könnte vielleicht ein Skaterpark mit Halfpipes und Rollschuhbahn angelegt werden. «Wir überlegen uns, ob die Trümmer des Geländes zur Aufschüttung eines Rodelbergs genutzt werden könnten», sagt Frau Ehrich. Dies sollte aber nur geschehen, wenn das umweltverträglich möglich sei. Diesen Rodelberg könnte sich die Initiative auch als markanten Aussichtspunkt des Areals vorstellen.

Was der Initiative besonders wichtig ist: die Wiederherstellung des Feuchtgebiets Rohrlake an der Trabrennbahn. «In der Karte von 1840 werden Stell- oder Stallwiesen, Rohrlake und Schlechter Hütung als Feuchtwiese dargestellt, die von Bächen und Gräben durchzogen sind», sagt Stefan Rudolph. Deshalb sollte der Flusslauf teilweise wieder frei gelegt und Schilf angepflanzt werden. Mit dem Abfluss in die Spree könne der gestörte Wasserhaushalt der Wuhlheide wieder in Ordnung gebracht werden.

Eine «multifunktionale Freifläche» mit Rasen sollte nach Abriss des großen Russen-Garagenkomplexes entstehen. Dort könnten eine Vielzahl von Aktivitäten stattfinden. «Wir brauchen keinen Renommierpark», sagt Frau Ehrich. Das Geld sollte lieber in die Sanierung des verseuchten Bodens gesteckt werden.