"Es tut mir so leid, ich habe verschlafen", sagt Sedal am Telefon, das schlechte Gewissen in Person. Gerade findet das JazzFest Berlin statt und auch in seinem Club, dem "A-Trane" an der Bleibtreustraße, gastieren während der fünf Tage internationale Star-Musiker. Da werden die Nächte lang, der Schlaf kommt zu kurz ... Sardan lebt für Jazz. Als Perfektionist kümmert sich der 44-Jährige um alles, vom Booking über die Begrüßung der Musiker und Gäste bis zur Bierbestellung.
Seine Liebe zum Jazz entdeckte der in Ankara geborene und in Berlin aufgewachsene Sardan während eines Urlaubs. Ein BeBop-Konzert in Izmir weckte bei dem damaligen Grafiker und Basketballspieler das Interesse. Ein befreundeter Musiker erteilte ihm einen Schnellkurs in Sachen Jazz. Der Anfang einer großen Liebe. 1991 eröffnete Sardan die "BeBop Bar" in Kreuzberg, 1997 übernahm er das "A-Trane".
Die Hingabe des Gastronomen an den Jazz hat ihm bei Musikern und Fans einen exzellenten Ruf beschert. Stars wie Diana Krall, Till Brönner oder Wynton Marsalis spielen gern in dem Charlottenburger Kleinod aus Holz, Leder und Musik. "Im A-Trane stimmt der Wohlfühlfaktor", sagt Sardan bescheiden. "Hier kommt man sich einfach schnell näher." Und das ist wörtlich gemeint. Gerade mal 80 Gäste passen in dem Miniclub. Bei Konzerten von Stars wird es schnell voll und eng.
Doch diese Nähe lieben auch die Stars. Herbie Hancock spielte bereits am Steinway-Flügel des Kuschel-Clubs. Sein Foto mit Widmung "For A-Trane and Sedal" hängt gut sichtbar gleich am Eingang. Auch die deutsche Soulsängerin Joy Denalane präsentierte auf der zwölf Quadratmeter kleinen Bühne vorab ihr Album. Doch um dorthin zu gelangen, musste die Wahlberlinerin sich vom Backstage-Raum zur Bühne erst einmal durch die Menschenmengen zwängen.
Übrigens wird jeder Musiker vom Gastgeber persönlich angesagt. Doch bei einem Gastmusiker war keine große Ankündigung notwendig: Vor zwei Jahren saß Hollywood-Schauspieler Kevin Spacey an der "A-Trane"-Bar und trank Whisky. Lange musste der Star von Sedal Sardan nicht gebeten werden, dann betrat der Mime die Bühne und sang spontan "Fly Me To The Moon" aus seinem Film "Beyond The Sea". Ein Raunen ging durch den Club.

