Colonia Dignidad - die Kolonie der Würdelosen

Colonia Dignidad, Kolonie der Würde, so lautete der zynische Name der Sekte, die der selbsternannte Prediger Paul Schäfer 1961 im Süden Chiles gründete.

Colonia Dignidad, Kolonie der Würde, so lautete der zynische Name der Sekte, die der selbsternannte Prediger Paul Schäfer 1961 im Süden Chiles gründete. Dorthin war er aus Deutschland geflohen, wo er wegen Kindesmissbrauchs angeklagt war. Bereits 1949 hatte ihn die evangelische Kirche wegen ähnlicher Vorfälle als Jugendpfleger entlassen. Die Colonia bestand zunächst aus Familien, die Schäfer bereits 1956 für eine Sekte bei Siegburg angeworben hatte. Auf dem Gelände lebten bis zu 350 Mitglieder. Schäfer hielt die Mitglieder in absoluter psychischer und ökonomischer Abhängigkeit. Nach außen präsentierte die Colonia, die sich seit 1988 Villa Baviera nennt, das Bild einer heilen bayerischen Welt mit Dirndln, Apfelkuchen und Schuhplattler. Das Krankenhaus der Sekte behandelte die chilenische Bevölkerung kostenlos - als Tarnung. In der Klinik wurden chilenische Kinder entführt, Menschen gefoltert und mit Psychopharmaka gefügig gemacht. Auf dem Gelände lagerten große Mengen Waffen und Sprengstoff. Im Juli 2006 gestand Gerhard Mücke, ein ehemaliges Führungsmitglied, nach dem Putsch 1973 seien in der Colonia Dignidad 22 chilenische Regimegegner ermordet und verbrannt worden. Schäfer wurde nach neun Jahren Flucht im Jahr 2005 gefasst. 2006 wurde er wegen Kindesmissbrauchs in 25 Fällen zu 20 Jahren Haft verurteilt, später kamen noch sieben Jahre wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz hinzu. Die einstigen Führungsmitglieder Karl van den Berg und Kurt Schnellenkamp, der Vater des Buchautors, bekamen je fünf Jahre Haft, der Klinik-Chefarzt Hartmut Hopp eineinhalb Jahre. Weitere Führungsmitglieder sind flüchtig. Einige werden in Deutschland vermutet.

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