"Autogrammjäger ist so ein böses Wort"

Romanus Krick ist Ehrenvorsitzender der "Arbeitsgemeinschaft der Autographensammler e.

Romanus Krick ist Ehrenvorsitzender der "Arbeitsgemeinschaft der Autographensammler e. V.". Seine Sammlung umfasst mehr als 4500 verschiedene Autogramme und Handschriften. Sein Motto: "Tinte wird erst dann besonders wertvoll, wenn sie von berühmter Hand in die besonderen Bahnen einer Unterschrift gelenkt wird." Mit ihm sprach Torsten Thissen.

Berliner Illustrirte Zeitung : Sind Sie einer dieser Autogrammjäger, Herr Krick?

Romanus Krick : Das kann man so nicht sagen. Autogrammjäger ist ein böses Wort.

Inwiefern?

Mit Autogrammjägern verbinde ich drei Kriterien: Pubertäre Lust junger Menschen, Starkultmilieu und Massenware. Deswegen sind etwa Autogrammstunden für mich uninteressant. Wahrhaft wichtige Leute haben so etwas nicht nötig.

Was sammeln Sie eigentlich genau?

Ich selbst sammle die Bereiche internationale Politik so ab 1950 und Weltkirche, aber nicht nur christlich. Ich habe auch Würdenträger anderer Religionen, zum Beispiel den Dalai Lama.

Es gibt in ihrem Verein aber auch Menschen, die Stars und Schauspieler sammeln?

Ja, natürlich. Wir haben auch den 16-jährigen Schulbuben, der Schuhkartons voller Fußballspieler hat. Ich habe auch als reiner Autogrammsammler angefangen. Irgendwann gibt man sich damit nicht mehr zufrieden. Ich war auch nie jemand, der hinter Hotelhallen lauert und irgendwelchen Stars und Sternchen hinterher jagt.

Haben Sie denn Verständnis dafür, wenn andere das machen?

Natürlich, ich habe Verständnis für alles. Ich kenne Leute, die sammeln barbusige Mädchen aus dem Pariser Lido oder die Unterschriften von Terroristen im Gefängnis. Ich kenne jemanden, der hat ein Autogramm von Rudi Dutschke. "Die Probleme des Sozialismus lassen sich nicht durch Bildautogramme lösen, Gruß Rudi Dutschke", steht darauf.

Was ist das Faszinierende an der Unterschrift?

Die Unterschrift ist das Intimste, das ein Mensch von sich selbst schreiben kann. Vor einigen Jahren traf ich einen kleinen Jungen, während eines öffentlichen Trainings des 1. FC Köln. Er hat sich ein Autogramm des damaligen Torwarts Bodo Illgner geben lassen. Ich habe ihn gefragt, warum er das gemacht hat, und er hat ganz spontan und völlig richtig gesagt: "Dann habe ich was ganz persönliches von ihm."

Können Sie denn verstehen, wenn Prominente auch ein bisschen genervt sind?

Ja klar. Es gibt inzwischen einfach viel zu viele Autogrammsammler. Deshalb verwenden auch viel zu viele Prominente Faksimile- oder Autopen-Signaturen.

Was heißt das?

Das sind die Falschunterschriften. Man kann sie grob in drei Gruppen einteilen. Das sind zum einen Stempelsignaturen, die kann man sehr schnell erkennen. Das zweite sind Faksimile-Signaturen, in die Vorlage hineinreproduzierte Unterschriften. Autopen-Signaturen hingegen sind chemisch echte Unterschriften, die elektronisch abgetastet werden und die ein Roboter reproduziert. So kann man etwa von John F. Kennedy bis heute noch zwölf verschiedene Unterschriften in den USA produzieren, und der Mann liegt seit 40 Jahren unter der Erde.

Ihre Unterschriften sind alle echt?

Das weiß ich nicht. Der einzige wirkliche Beweis ist ja der Augenblick. Aber man kann sie abgrenzen, indem man sie mit Vorlagen vergleicht, die eindeutig als Fälschungen erkannt sind. Das ist ein wirklich weites Feld. Amerikanische Präsidenten lassen sogar Gesetze von weniger großer Wichtigkeit per Roboter unterschreiben.

Passiert das in Deutschland auch?

Nein. Aber auch hier gibt es natürlich Faksimile-Versionen der Minister und Roboter-Unterschriften. Angela Merkel etwa hat eine davon, Helmut Kohl hatte drei Roboter-Versionen. Viele Muster hatte auch Helmut Schmidt, doch sein Büro stritt das immer ab.

Wie lange sammeln Menschen eigentlich schon Autogramme?

Originale Handschriften von berühmten Menschen waren schon immer heiß begehrt. Das war schon bei den alten Römern üblich. Cicero zum Beispiel war stolz, dass er einen Brief von Cäsar besaß, Plinius der Ältere war ebenfalls Sammler von Handschriften. Viele Prominente sammelten übrigens selbst Unterschriften. Königin Victoria von England zum Beispiel, Franklin D. Roosevelt, John F. Kennedy waren auch Sammler. Und, was kaum bekannt ist, Adolf Hitler sammelte in seiner Jugend eine zeitlang Autogramme.

Gibt es Prominente die keine Autogramme geben?

Es gibt klassische Neinsager, Königin Elisabeth zum Beispiel oder der japanische Tenno. Grundsätzlich reagieren alle europäischen Königshäuser nicht mehr. Das begehrteste Autogramm ist wahrscheinlich das von William Shakespeare. Davon soll es nur sechs Stück auf der Welt geben, die natürlich unheimlich wertvoll sind.

Was sind die Höhepunkte ihrer Sammlung?

Sicherlich Joseph Ratzinger, der jetzige Papst, oder Harry Truman, der ehemalige US-Präsident.

Wo bekommen Sie ihre Autogramme her?

Meine Beziehungen sind so geheim, darüber wissen nicht einmal meine Frau oder meine besten Sammler-Kollegen Bescheid. Die kann ich wirklich nicht verraten, sonst würden diese Quellen versiegen. In den Sechzigern allerdings bin ich in Bonn in über 100 Botschaften gewesen, um nach Autogrammen von Diplomaten zu fragen. Da die Botschaften exterritoriales Gebiet sind, kann ich mit Stolz sagen: Ich habe durch mein Hobby mehr als 100 verschiedene Staatsgebiete betreten.