Der alte Satz von Konrad Adenauer, "Kinder kriegen die Leute sowieso" - er gilt nicht mehr. Andere geflügelte Wörter bestimmen den Diskurs. "Die Deutschen sterben aus", "wir vergreisen" und so weiter. 1,4 Kinder bekommen die deutschen Frauen im Durchschnitt - mit leicht abnehmender Tendenz. Und vor allem, wohlgemerkt: über die gesamte Dauer ihrer Fruchtbarkeit.
Andere Lebewesen, andere Sitten: Die Evolution hat es zum Beispiel eingerichtet, dass die Mondfisch-Frau 300 Millionen Eier ablaicht. Pro Laichsaison, wohlgemerkt. 300 Millionen. Noch niemand wagte die Prognose, die Mondfisch-Populationen würden vergreisen. Aber kann man das vergleichen? Die Gründe für die Geburtenzurückhaltung bei den Menschen-Weibchen suchen die Strategen in dem hohen Aufwand, den unsere Gattung für die Brutpflege aufwendet, die sich heute ja kaum noch jemand leisten könne, weder finanziell noch zeitlich.
Brutpflege ist etwas, worüber sich der Mondfisch zu allerletzt Gedanken macht. Er steht am anderen Ende der Skala. Je größer der Wurf oder das Gelege, desto geringer ist der Aufwand, den die Mutter betreibt, wissen die Evolutionsforscher. Ganz nach dieser Formel dürften die Säugetiere unter den Lebewesen, so sie denn im Einzelnen gefragt würden, eher zum Eierlegen übergehen, denn nur Eierleger können es sich leisten, auf die Brutpflege zu verzichten, weil sie unbegrenzt viele Nachkommen pro Wurf in die Welt zu setzen vermögen. Säuger dagegen müssen - bei begrenzten Zitzen oder Brüsten - säugen, sonst kommt keiner durch und die Art, nicht nur die Deutschen, hätte ausgespielt. Vor allem bleibt die Brutpflege bei ihnen an den Weibchen hängen, anders als bei den Vögeln, die durchaus Brutpflege betreiben im Gegensatz zum faulen Mondfisch.
Und so sollten sich die Männer freuen, wenn heute vor allem bei den Frauen die Bedenken gegen allzu viel Biotechnologie besonders groß sind, womöglich würden sie in dubiosen koreanischen oder ukrainischen Kliniken längst Therapien zum Eierlegen über sich ergehen lassen. Um hinterher 300 Millionen Kinder in die Welt zu setzen, sich überhaupt nicht um sie zu kümmern - ohne andererseits vor allen Demographen oder vor Ursula von der Leyen auch nur die Spur eines schlechten Gewissens zu haben. Ein paar werden schon durchkommen, und im Übrigen: sollen doch die Männer mal nach dem Gelege schauen. Überhaupt müssten die sich ja dann erst mal darum balgen, wer die Eier nach der Ablage befruchten darf, wenn alles so liefe wie beim Mondfisch.
Tatsache ist allerdings, dass der Trend weggeht vom Eierlegen, eben weil die Evolution nicht den oder die Einzelnen fragt, sondern stets nur die Art als Ganzes. Zwar gibt es immer noch an die 4000 mal mehr Eierleger als Säuger auf unserem Planeten, aber in den letzten paar hundert Millionen Jahren haben sich einige von ihnen zum Lebendgebären und Stillen hinentwickelt und nicht eine einzige Art anders herum. Wir müssen uns wohl damit abfinden, Säuger zu bleiben, und die Mütter auch noch damit, dass sie das Hauptgeschäft bei der Brutpflege vollbringen dürfen. Es müssen ja nicht gleich 300 Millionen Kinder sein.

