Der geheime Promi-Friseur

 Bei ihm werden die Frauen willenlos. "Mach, was Du willst", sagen sie. Weil sie wissen, dass er das Richtige macht mit zu feinem und zu kräftigen Haar.

Bei ihm werden die Frauen willenlos. "Mach, was Du willst", sagen sie. Weil sie wissen, dass er das Richtige macht mit zu feinem und zu kräftigen Haar. Dass er mit geschickt gesetzten Schnitten lästige Wirbel besiegt, dass er platten Hinterköpfen Form verleiht und einer zu hohen Denkerstirn Lieblichkeit. "Mach mich schön", sagen sie zu ihm und meinen: "Mach mich glücklich!"

Ein guter Friseur ist wie ein Therapeut. Denn er bewältigt mit dem Chaos auf dem Kopf immer auch etwas von der Unordnung im Innern. Dieter Bonnstädter aus Charlottenburg ist ein Meister in seinem Metier. Und das nicht nur aufgrund seiner handwerklichen Fähigkeiten. Er versteht es, in seinem Salon in der Mommsenstraße 17 Wohnzimmeratmosphäre zu verbreiten, die den Friseurbesuch zum Wellnessprogramm für die Seele machen. Vor goldgerahmten Spiegeln blühen Amaryllis, und die prächtigen Kronleuchter verbreiten so ein warmes Licht, dass selbst die dunkelsten Augenränder im Spiegel verschwinden. Parkettfußboden mit Fischgrätmuster, Türen mit Jugendstilglas, Ledersofas. Alles vom Feinsten. Aber man sitzt nie mit halber Pobacke darauf, sondern lehnt sich zurück, während man darauf wartet, dass die Tönung wirkt.

Schnitte, Farben, Make Up: Dieter Bonnstädter liegt immer voll im Trend. Aber was seinen Sinn fürs Geschäft betrifft - da ist er von gestern.

Alles wird immer schneller und profitabler, bei Dieter Bonnstädter findet Entschleunigung statt. Seine Kundenkartei ist nicht weniger glanzvoll als die von Udo Walz. Startenor Andrea Bocelli war schon da und Nastassja Kinski. Berliner Schauspieler wie Thure Riefenstein und Tina Ruland gehören zu seinem festen Kundenstamm. Und wenn sich Hollywoods Stars auf Besuch in der deutschen Hauptstadt schön machen müssen, rufen sie bei Dieter an. Tom Cruise hat er für einen glanzvollen Auftritt ebenso zurecht gemacht wie Will Smith oder Sean Connery. Mit Fotomodell Iman war er gerade eine Woche lang unterwegs. Dieter Bonnstädter, jahrelang Chef-Visagist von Yves Saint Laurent und Versace, hätte im Sinne der klassischen Gesetze der Ökonomie schon längst mehr aus seinem Namen machen, sich vergrößern, Dependancen schaffen können. Walz hat mehr als 80 Mitarbeiter, acht Salons. Dieter Bonnstädter betreibt seit mehr als 30 Jahren einen Salon in Charlottenburg. Und jetzt, seit er vor wenigen Wochen in eine Altbauwohnung in der Mommsenstraße gezogen ist, muss man da auch noch klingeln.

"Zu uns kommt man nur noch auf Empfehlung, wenn man die Nummer hat", sagt er. Das ist merkwürdig in einer Zeit, in der man, anstatt sich ordentlich in ein Café zu setzen mit einem Coffee to go durch die Straßen hetzt, in der man keine Abschiedsbriefe mehr schreibt, sondern Beziehungen per SMS beendet - und in der man sich in einer der zahllosen Billigfriseur-Filialen auf die Schnelle mal einen Einheitsschnitt verpassen lässt. Dort zieht man Nummern wie bei der Bundesagentur für Arbeit, wartet in zugigen Räumen mit Handtüchern auf dem nassen Haar, bis die Nummer blinkt und lässt sich dann von einer Friseurin oder einem Friseur flugs die Mähne bändigen.

"Ich will ganz weit weg davon", sagt Dieter Bonnstädter. Und seine Kunden haben ihm auch schon bestätigt, wie angenehm es für sie sei, sich nicht von Passanten beobachten lassen zu müssen. "Haare sind wie ein Kleid", sagt Dieter. "Und Frauen zeigen sich nun mal nicht gerne in einem unfertigen. Und schon gar nicht mit Matsche auf dem Kopf."

Bei Dieter gibt es keine Empfangsdame im Business-Kostüm, die mit gestrengem Blick auf den Stresspickel am Kinn zu verstehen gibt, dass man sich hier auch mit Hautproblemen beraten lassen könne. Das kann man hier natürlich auch. Aber wer hier klingelt, wird von der freundlichen Atife in Empfang genommen oder von dem netten Marko oder von Carla, Bonnstädters Frau. Mit ihr und Carlas Schwester eröffnete er den Laden 1976. Da waren sie Anfang 20. In den Salon in der Bleibtreustraße nahe dem Savignyplatz kamen vor allem Studenten. Die mochten nicht nur die Löwenköpfe und Bobs, die der Friseur und sein Team aus ihren Mähnen machten, sie mochten auch die laute Musik, das schrille Ambiente. Durch den Salon in der Bleibtreustraße flog ein Papagei, der gehörte Bonnstädters Schwägerin und gab dem Laden den Namen: Ara. Als sich die Schwägerin scheiden ließ, nahm der Ex-Mann den Vogel mit. Der Name blieb. Seit dem Umzug in die Mommsenstraße, gibt es den Namen nicht mehr. Und auch die Musik ist leiser geworden. Wie schön, wenn Friseur Marko George Michaels "Last Christmas" mitsummt, während er eine reifere Kundin in Jane Fonda verwandelt.

Bonnstädter verwandelt währenddessen die Stars, die er gestylt hat, in ganz normale Menschen. Will Smith, erzählt er beim Frisieren, "ist sehr entspannt, sehr lustig". Tom Cruise? "Der sah ganz schön luschig aus." Und war ansonsten nicht sehr gesprächig. Richtig gut war es mit Sean Connery. Als ihn Dieter Bonnstädter für eine Premiere in Berlin stylen sollte, war der Coiffeur ganz schön aufgeregt. "So, was sollen wir machen?", fragte er. Und Sean Connery antwortete: "Mach, was Du willst."