Karies, Parodontose, Schmerzempfindlichkeit: Gegen fast alle Mundprobleme versprechen Zahnpflegeprodukte Abhilfe. Doch womit pflegt man seine Zähne gut? Grundsätzlich gilt: Mit korrekter Putztechnik lässt sich viel erreichen. Die Bürste wird dabei im Winkel von 45 Grad am Übergang von Zahnfleisch und Zahn angesetzt, erklärt Dirk Kropp von der Initiative ProDente. „Zahn für Zahn wird so der Plaque locker gerüttelt.“ Anschließend bürstet man die Zahnreihen vom Zahnfleisch weg ab – an Vorder- und Rückseite des Zahns. Alles bekommt man damit allerdings nicht sauber: „Etwa 30 Prozent der Zahnfläche werden nicht erreicht.“ Deshalb sollte man die Zwischenräume regelmäßig mit einer Zwischenraumbürste oder Zahnseide säubern.
Wichtig ist auch, wie mit den Bürsten gearbeitet wird. „Zu viel Druck ist nicht gut. Dann geht das Zahnfleisch zurück und der schützende Zahnschmelz wird abgerieben“, erläutert Professor Ursula Platzer von der Universitätszahnklinik Hamburg-Eppendorf. „Statt den Bürstengriff mit einer Faust zu umfassen, kann es besser sein, ihn zwischen die Fingerspitzen zu nehmen“, rät Zahnarzt Thomas Wolf. „Dann ist der Druck oft genau richtig.“ Wolf ist Mitglied im Bundesvorstand des Freien Verbandes Deutscher Zahnärzte. Ebenfalls wichtig: Nach säurehaltigem Essen oder Getränken – etwa Säften – wartet man besser eine gute halbe Stunde bis zum Zähneputzen. Der Zahnschmelz ist sonst durch Säure noch zu sehr aufgeweicht, sodass er leicht weggebürstet werden kann.
Bleibt die Frage nach der Wahl der richtigen Produkte. Wie hart oder weich sollten die Borsten sein? Welche Zahnpasta hilft gegen meine Probleme? Muss ich Zahnseide nehmen? Die Grundsatzfrage: elektrisch oder manuell? Ein Patentrezept gibt es nicht. „Es kommt darauf an, mit welcher Variante man besser zurechtkommt“, sagt Platzer. „In Studien zeigen sich keine Unterschiede bei der Effektivität zwischen beiden Arten.“
Weiche bis mittelharte Borsten
Von Federungen und anderen Technikspielereien hält Platzer wenig. Sie empfiehlt grundsätzlich weiche, abgerundete Kunststoffborsten. Diese schonen Zahnfleisch und -schmelz, außerdem setzen sich im Kunststoff Bakterien nicht so schnell fest wie etwa in Naturborsten. „Der Bürstenkopf sollte gerade und klein sein“, sagt die Zahnmedizinerin. Am besten ist der Kopf nicht länger als 1,5 Zentimeter. „Die meisten Bürsten im Supermarkt sind größer und haben außerdem mittelharte bis harte Borsten.“
Bei zu weichen Borsten könne unter Umständen zu wenig Plaque entfernt werden, gibt jedoch Wolf zu bedenken. „Deshalb können die Borsten auch mittelhart sein.“ Zu harte Borsten seien nicht zu empfehlen. „Bei der Größe der Bürste zählt vor allem, dass sie gut in den Mund hineinpasst“, sagt er.
Elektrische Zahnbürsten nehmen ihren Nutzern die Putzbewegung ab: Entweder mechanisch oder magnetisch wird dabei der Bürstenkopf in Schwingung versetzt und entfernt so den Plaque. „Davon können alte und motorisch beschränkte Menschen profitieren“, sagt Dirk Kropp. „Auch Kindern bis zu einem Alter von zehn Jahren fällt das richtige Benutzen der Handzahnbürste oft schwer.“ Weil elektrische Bürsten meist einen dickeren Griff haben, liegen sie sicherer in der Hand.
Alle zwei bis drei Monate sollte die Zahnbürste gewechselt werden, denn dann sind die Borsten bereits so verbogen und zersplittert, dass sie nicht mehr genügend reinigen und das Zahnfleisch verletzen können. Außerdem bilden die zerfetzten Borstenenden einen idealen Nistplatz für Bakterien.
Bei Zahncremes ist wichtig, dass sie Fluorid enthalten: „Studien weltweit belegen, dass Fluoride gut gegen Karies vorbeugen“, erklärt Professor Platzer. Allerdings kommt es auf die Menge an. Kinder bis zum Alter von sechs Jahren nutzen besser eigene Cremes mit niedrigerem Fluoridgehalt. Mehr als 500 ppm (parts per million, Teilchen pro Million) Fluorid sollte Zahnpasta für Kleinkinder nicht enthalten, sagt Kropp. Diese Werte stehen in der Regel auf den Rückseiten der Tuben.
„Erwachsene fahren mit einem Fluoridgehalt von 1450 ppm gut“, ergänzt Platzer. Weil zu viel Fluorid die Zusammensetzung des Zahnschmelzes beeinflusst, kann es weiße und bräunliche Flecken verursachen. Auch deshalb sollten hoch dosierte Fluorid-Gele, etwa bei starker Kariesanfälligkeit, vom Zahnarzt verschrieben werden. Ein leicht erhöhter Fluoridanteil könne gegen schmerzempfindliche Zähne helfen, weil so kleine, offen liegende Dentinkanälchen am Zahnhals versiegelt werden können, erläutert Platzer. „Ein paar Hundert ppm mehr Fluorid sind vertretbar.“ Einige Pasten enthalten zu diesem Zweck den Wirkstoff Strontiumchlorid. „Der wirkt ebenfalls versiegelnd“, erläutert sie. Am besten hilft aber behutsameres Putzen gegen schmerzempfindliche Zähne.
Auf den RDA-Wert achten
Viele Cremes, die weißere Zähne versprechen, enthalten gröbere Putzkörper. „Da muss man aufpassen, sonst rubbelt man sich schnell den Zahnschmelz weg“, mahnt Wolf. Der sogenannte Abrasionswert (RDA) gibt an, wie stark die Pasta schmirgelt. 35 bis 50 sei normal, erklärt Wolf. „Alles über 70 ist nicht für dauerhaften Gebrauch geeignet.“ Ist der Abrasionswert auf der Zahncreme nicht angegeben, fragen Verbraucher am besten beim Hersteller oder beim Zahnarzt nach – oder greifen besser gleich zu einem Produkt mit guter Deklaration der Inhaltsstoffe.
Mundspüllösungen sind in Absprache mit dem Zahnarzt eine „sinnvolle Ergänzung“, sagt Kropp. Er empfiehlt alkoholfreie, die Fluoride enthalten. „Die Wässer haben zwar nicht die Kraft der Bürste, sie kommen nach dem Bürsten aber in die Zwischenräume.“ Sie bekämpfen Kariesbakterien, sollten aber nicht über einen längeren Zeitraum benutzt werden.
dpa

