Forschung

Das Selbstwertgefühl bleibt auch im Alter meistens stabil

Das Alter ist von Einbußen geprägt: durch Krankheit, abnehmende geistige Fitness und den Verlust von Partner und Freunden.

Doch das positive Selbstbild bleibt bei den meisten Menschen stabil, ergab eine Studie von Psychologen der Humboldt-Universität (HU) zusammen mit australischen Kollegen. Was die Lebenszufriedenheit betrifft, könnten sich die Menschen in der Regel gut an Einbußen anpassen. Das hätten bisherige Studien schon belegt, sagt HU-Forscher Denis Gerstorf. Erst in den letzten Jahren vor dem Tod sehe sich der Mensch mit so vielen Herausforderungen konfrontiert, dass die Lebenszufriedenheit schwindet. Was bisher jedoch unbekannt war, ist, wie das an sich meist positive Selbstbild der Menschen mit dem Alter klarkommt.

Damit befasste sich eine Langzeitstudie mit 1215 Senioren zwischen 65 und 103 Jahren, deren Ergebnisse die Forscher jetzt im „Journal of Personality and Social Psychology“ veröffentlicht haben. „Sowohl in Bezug auf das biologische Alter als auch die Nähe zum Tod fanden wir einen leichten Abfall des Selbstwertes. Dieser ist jedoch so gering, dass man eher von einer Selbstwertstabilität reden kann“, sagt Gerstorf.

Im Vergleich zur Lebenszufriedenheit oder den geistigen Fähigkeiten zeige der Selbstwert einen viel geringeren Abfall. Individuelle Unterschiede gibt es dennoch: Manche Menschen erleben Stabilität, andere einen Abfall und einige sogar einen Anstieg. Zwei Faktoren waren dafür vor allem verantwortlich: geistige Fähigkeiten und die Wahrnehmung von Kontrolle. „Höhere Leistungsfähigkeiten und die Wahrnehmung, dass man sein Leben bis zu einem gewissen Grad kontrollieren kann, gingen mit höherem Selbstwert einher“, sagt Mitautorin Jenny Wagner. Überraschenderweise fanden die Forscher keinen Einfluss der Gesundheit auf den Selbstwert.

( BM )