Android und iOS sind die Platzhirsche bei Smartphone-Betriebssystemen. Andere Systeme wie Windows Phone 8 und Blackberry 10 kommen zusammen auf nur zehn Prozent Marktanteil. Trotzdem versuchen es 2013 weitere Firmen, sich auf dem Markt zu etablieren. Die Bedienung wird ähnlich sein wie bisher. Aber die Entwickler könnten die Gerätehersteller von neuer offener Software überzeugen. Die können die Firmen nämlich, im Gegensatz zu iOS und Android, an ihre Hardware anpassen – ohne Lizenzierung und Patentstreit. Auch Mobilfunk-Provider profitieren: Sie können Shops für Apps, Musik und Filme an ihre Technik anpassen, an den Erlösen mitverdienen und dem System verbundene Clouddienste anbieten. Ein weiteres Argument für die Provider ist der Einsatz von Web-Technologien. Apps werden nicht mehr installiert, sie schicken ihre Daten einfach, wenn der Nutzer sie braucht. Das reduziert den Speicherbedarf und somit den Preis des Smartphones.

Wischen statt Tippen

Das im Oktober startende Betriebssystem Ubuntu for Phone ist ganz aufs Wischen abgestellt: Wer seinen Finger auf dem Display des Handys vom linken Rand aus in die Mitte zieht, bekommt eine Ansicht der meistgenutzten Apps. Ein Wisch von rechts zeigt die zuletzt aktiven Apps, zwischen denen der Nutzer schnell hin- und herschalten kann. Einfaches Hereinwischen reicht, um mehrere Apps parallel laufen zu lassen. Streichen von oben nach unten öffnet den Bereich für Nachrichten und ermöglicht den direkten Zugriff auf die Einstellungen. Beim Ziehen des Fingers von unten nach oben wird für die aktive App das Kontextmenü angezeigt. Weitere Besonderheiten: Ein leistungsstarkes Smartphone lässt sich über den Anschluss von Maus, Tastatur und Display als Computer nutzen. Möglich ist es auch, Apps per PIN zu sperren. Haben die Kinder das Handy mal ausgeliehen, können sie zumindest nicht auf die E-Mails des zugreifen.

Interessant für Gerätehersteller

Viele neue Bedienelemente hat das Betriebssystem Tizen, zumindest im derzeitigen Entwicklungsstadium, nicht zu bieten. Ausnahmen sind optisch ansprechende, aber wenig bahnbrechende 3-D-Spielereien. So fächern sich die auf dem Smartphone gespeicherten und auf einem Stapel abgelegten Fotos wie in einer räumlichen Spirale auf, wenn der Nutzer sie durchblättert. Interessanter ist, dass es zahlreiche und vor allem für den Markt wichtige Unterstützer für das System gibt, das auf dem System MeeGo aufsetzt und schon in diesem Jahr in einigen Mobiltelefonen zu finden sein dürfte: Samsung soll dabei sein und einige seiner Top-Modelle auch in einer Tizen-Version anbieten. Engagieren wird sich wohl auch der japanische Telefonkonzern NTT Docomo. Interessiert zeigen sich zudem Hersteller wie NEC, Panasonic und Huawei sowie Mobilfunker wie Orange, Sprint und Vodafone. Damit wären zahlreiche Branchen-Größen an Bord.

Schlanke Web-Technik

Ein ganz auf Web-Technologien zugeschnittenes Betriebssystem will Mozilla mit Firefox OS anbieten. Zum Beispiel werden Apps aus dem „Firefox Marketplace“ nicht auf dem Smartphone installiert, sie sind im Wesentlichen Websites, die erst bei Bedarf die für die Anwendung notwendigen Programmzeilen laden. Damit schont das für Billig-Handys konzipierte System den Speicher. Aber die wichtigsten Anwendungen sind immer im Zwischenspeicher des Smartphones. Das ist wichtig, damit Firefox OS in den anvisierten Schwellenländern mit teils schwachen Netz-Infrastruktur auch dann flüssig läuft, wenn keine Internetverbindung besteht. Das Betriebssystem soll Mitte 2013 starten, erste Firefox-Handys für Entwickler sind geliefert. Unterstützung gibt es etwa vom Hersteller ZTE, vom Chip-Produzent Qualcomm und von Mobilfunkern wie Telekom und Telefónica.

System für Edelhandys

Das von zahlreichen Ex-Nokia-Mitarbeitern gegründete Unternehmen Jolla will im zweiten Quartal 2013 mit Jolla Sailfish starten. Wie andere Systeme auch stellt es Apps und andere Anwendungen als Miniaturen dar, doch im Unterschied zu den meisten Konkurrenten lassen sich die Programme auch in dieser Ansicht bedienen: So kann eine Telefonnummer aus den Kontakten direkt angewählt werden. Die Apps lassen sich neben- oder übereinander anordnen und aus der kompakten Ansicht heraus steuern. Fast alle Android-Apps sollen auf Sailfish laufen, das ebenso wie Tizen im Kern auf dem Betriebssystem MeeGo basiert. Eine Spielerei steckt hinter dem Ambience-Konzept, das Philips als Ambilight auf vielen seiner Fernseher bietet: Oberfläche und Schriften passen sich farblich an das Hintergrundbild auf dem Display des Handys an. Angeblich entwickelt Jolla sein neues Betriebssystem vor allem für den Einsatz in Smartphones der gehobenen Preisklasse.