Es wirkt rascher, und es hat geringere Nebenwirkungen, wie eine aktuelle Studie zeigt. Oxytocin, so seine wissenschaftliche Bezeichnung, gilt eigentlich als typisch weibliches Hormon. Es wird vor allem bei Frauen ausgeschüttet, nach dem Sex und der Geburt eines Kindes. Oxytocin fördert das Vertrauen, stärkt zwischenmenschliche Bindungen. Auch bei Männern entfaltet das Hormon diese Wirkung. Doch eine Studie an der Universität in San Diego zeigt: Es gibt da noch eine interessante Nebenwirkung.

Die Forscher unter Leitung des Psychiaters Kai MacDonald beschreiben im Journal of Sexuale Medicine den Fall eines verheirateten Familienvaters von drei Kindern, der sich in San Diego wegen seiner Aufmerksamkeitsstörung behandeln ließ, die ihn sozial isoliert und auch seiner Frau körperlich entfremdet hatte. Die Ärzte rieten ihm zu einer Therapie mit einem oxytocinhaltigen Nasenspray, zweimal pro Tag. Diese Anwendung hatte sich vielfach bei Frauen bewährt, um ihre Geburtswehen einzuleiten oder den Milchfluss der Brüste anzuregen. Im Nebeneffekt entwickelten die Frauen ein deutlich größeres Bindungsbedürfnis.

"Wir beschlossen daher, das Mittel auch bei unserem bindungsunfähigen Patienten zu versuchen", erklärt MacDonald. Doch an den Kontaktängsten des Mannes änderten sich fast nichts. Dafür besserte sich sein Liebesleben. Seine Libido schätzte er nach der Behandlung als "ziemlich stark" ein, vorher hatte er auf dem Fragebogen sein Kreuz noch bei "sehr schwach" gesetzt. Die Erektionsprobleme verschwanden. "Die Wirkungen des Sprays waren vergleichbar mit denen von Viagra", sagt MacDonald. Man sollte den nächsten Entwicklungsschritt gehen und das Hormon in klinischen Studien testen. Dies sieht auch Mike Wyllie so, der in den 90ern Viagra zur Marktreife brachte. Oxytocinhaltige Arzneien hätten, so seine Einschätzung, "durchaus ein Blockbuster-Potenzial". Sie wirkten schneller und hätten weniger Nebenwirkungen als Viagra, das in immerhin jedem zehnten Fall zu Kopfschmerzen und in drei Prozent zu Sehstörungen führt.

Schon 2007 brachten Forscher der University of Wisconsin einen Zusammenhang zwischen Oxytocin und der Erektion ins Gespräch. In Tierversuchen hatten sie gezeigt, dass Potenzmittel wie Viagra die Ausschüttung des körpereigenen Kuschelhormons im Gehirn verstärken - und um bis das Dreifache steigern können. Die Empfehlung der Forscher: Man könne sich Viagra sparen und das körpereigene Hormon an seine Stelle setzen.