Hat ein Raucher großes Verlangen nach einer Zigarette, sinkt sein Angstempfinden. Das Furchtzentrum im Gehirn ist weitgehend außer Kraft gesetzt. Diese von Wissenschaftlern der Universitäten Bonn und Köln sowie der Berliner Charité herausgefundene Erkenntnis könnte erklären, warum Abschreckungskampagnen bei Rauchern so wenig Wirkung zeigen.
Für ihre Studie haben die Forscher die Reaktionen von Rauchern und Nichtrauchern untersucht. Sie zeigten den Probanden Bilder mit angsterfüllten Gesichtern, in deren Folge bei den Teilnehmern die sogenannte Amygdala im Gehirn aktiv geworden ist. "Das ist das Furchtzentrum im Gehirn", erklärt Rene Hurlemann vom Bonner Uni-Klinikum. Die gesehenen Angstimpulse werden in dieser Hirnregion von Rauchern wie auch Nichtrauchern verarbeitet. Außerdem nimmt man dadurch selbst Angst wahr.
Während sich zwischen einem "gesättigten" Raucher und einem Nichtraucher zunächst keine wesentlichen Unterschiede im Reaktionsverhalten feststellen ließen, stellte sich die Situation bei Rauchern mit großem Zigarettendrang anders dar. Nach einer zwölfstündigen Abstinenz zeigten die Raucher weniger oder mitunter gar keine Angst. "Die Aktivität des Furchtzentrums war bereits nach wenigen Stunden Enthaltsamkeit im Vergleich zu vorher stark herabgesetzt", fasst Özgur Onur vom Kölner Unikversitätsklinikum zusammen, "Bilder von ängstlichen Menschen waren ihnen schlicht egal."
Die neue Erkenntnis könnte die geringe Wirkung von Schockkampagnen auf Zigarettenpackungen erklären. Raucher, die das dringende Bedürfnis nach einer Zigarette haben, lassen sich von den Bildern nicht abhalten. Der Grund ist jetzt bekannt: Sie empfinden kaum Furcht.
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