Doch Jurik Müller, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD), sagt: "Von den vielen Spruchweisheiten zu Sankt Martin lassen sich nur einige gut durch die Statistik stützen."
Dazu zählt der Bauernregel-Experte den Spruch "Martini trüb, Winter lieb". Herrsche um diesen Tag herum Nebel, also feucht-trübes Wetter, sei mit einer Zwei-Drittel-Wahrscheinlichkeit (65 Prozent) "ein insgesamt zu milder Winter zu erwarten". Müller selbst hat einige moderne Versionen der von ihm als Lostagsregeln bezeichneten Erfahrungswerte gedichtet. Dazu zählen: "Siehst du Martin im Nebel stehen, dann milde Winde im Januar wehen" oder "Wirft Sankt Martin trübe Blicke über Heide und Wald, so wird der Winter ganz gewiss nicht kalt".
Überdurchschnittliche Temperaturen um die Monatsmitte nennen Meteorologen den "Martinssommer". Auch dazu gibt es Bauernregeln, beispielsweise "Sankt Martins Sommer währt nicht lange". Untersuchungen belegten zugleich, dass milde Temperaturen Mitte November "häufig Frost von Weihnachten bis Neujahr nach sich ziehen". Der Leipziger Meteorologe erläutert: "In Jahren, in denen die als ,Allerheiligenruhe' bezeichnete Schönwetterperiode zu Monatsbeginn ausfällt, stellt sich statt derer sehr häufig zwischen dem 13. und 22. November eine ausgeprägte Schönwetterphase ein."
Lars Hattwig, Meteorologe beim Berliner Wetterdienst Meteo Group, sieht einen globaleren Zusammenhang: Sei die erste Novemberhälfte mild, folge oft ein strenger Winter. "Das deckt sich mit den Erfahrungen", sagt er und verweist als Beispiel auf den Winter 2009/10. Die Bauernregeln zum Martinstag hält Hattwig hingegen für widersprüchlich. Eine Bauernregel legt nahe, dass Sankt Martin eine Art Siebenschläfertag für die kalte Jahreszeit ist. "Wie Sankt Martin führt sich ein, soll zumeist der Winter sein", heißt es da.
Jurik Müller stimmt zwar der Einschätzung zu, dass es sich dabei um eine abgewandelte Form der Siebenschläferregel handelt. Doch er schränkt ein: "Im großen Schatz der Bauernregeln existieren viele nach Art der Siebenschläferregel gestrickte Reime." Und ihm sei nicht bekannt, dass die Weissagung eine "deutlich über dem Zufall liegende Trefferquote besitzt".
Wegweisenden Charakter hat schon eher der zwei Wochen später begangene Tag der heiligen Katharina: "Gestaltet sich die Witterung um den 25. November zu trocken, so folgt in vier von fünf Jahren ein zu trockener Februar", betont der DWD-Meteorologe. Und auch umgekehrt sei es statistisch belegt, dass nach sehr nassem Wetter um den 25. November herum ein feuchter Februar folge.

