Ärmelkanal war vor 20 000 Jahren ein Fluss

Der Ärmelkanal zwischen Frankreich und Großbritannien war vor gut 20 000 Jahren noch ein einfacher Fluss, der aus Rhein, Seine und Themse gespeist wurde.

New York - Der Ärmelkanal zwischen Frankreich und Großbritannien war vor gut 20 000 Jahren noch ein einfacher Fluss, der aus Rhein, Seine und Themse gespeist wurde. Der Kanal sei zum Ende der letzten Eiszeit in Europa entstanden, als "Nordeuropa von einem regelrechten Eisgebirge bedeckt war", schreiben französische und niederländische Forscher in einem gestern veröffentlichten Artikel für das US-Wissenschaftsmagazin "Science".

Damals habe der Meeresspiegel 130 Meter unter dem heutigen Stand gelegen, erklären die Forscher des geowissenschaftlichen und Umweltzentrums Cerege im südfranzösischen Aix-en-Provence und des königlich-niederländischen Meeresforschungsinstituts NIOZ. Frankreich und Großbritannien seien damals nur durch "einen gigantischen Fluss" getrennt gewesen.

Das damalige Fluss-System mit seinen heute noch existierenden Zubringern sei "das größte gewesen, das jemals in Europa entstanden ist". Es wurde vor allem aus dem Schmelzwasser von Alpengletschern gespeist.

Die Forscher erstellten eigenen Angaben zufolge erstmals überhaupt eine Chronologie der Entwicklung dieser Region Europas. Sie untersuchten dazu auch Bakterienmoleküle aus den Sedimenten im Golf von Gascogne vor der westfranzösischen Atlantik-Küste. Heute ist der Ärmelkanal mehr als 500 Kilometer zwischen Atlantik und Nordsee lang und bis zu 250 Kilometer breit. Die Tiefe beträgt maximal 172 Meter. AFP